George Clooney mit dem Goldenen Löwen fürs Lebenswerk. © Agency People Image
Er macht da weiter, wo er vor der Preisverleihung im Interview aufgehört hat: Er rechnet mit den Mächtigen der Welt ab. Bei den Filmfestspielen von Venedig hatte George Clooney mit Ehefrau Amal auf dem roten Teppich zuerst Hollywood-Glamour verbreitet und sich viel Zeit für die Fans genommen. Doch als der 65-jährige im Sala Grande den Ehrenpreis für sein Lebenswerk entgegennahm, wurde er in seiner Rede politisch – was ihm minutenlange Standing Ovations bescherte.
Der Oscar-Gewinner hatte seine Auszeichnung von seiner langjährigen Hollywood-Freundin Laura Dern entgegengenommen. Die verlas eine Nachricht von Georges bestem Freund Brad Pitt – die für Gelächter im Saal sorgte. Sie begann mit: „Er kann fast alles machen, ausführen, erreichen und in praktisch jeder Disziplin antreten – und er macht es besser als wir alle.“ Dern fuhr mit Pitts Worten fort: „ Aber bitte: Lasst ihn nicht auf die Tanzfläche. Er kann es einfach nicht.“
In seiner Dankesrede betonte Clooney die verbindende Kraft des Kinos und erinnerte daran, dass Menschen trotz aller Unterschiede vieles gemeinsam hätten: „Niemand lacht in einer anderen Sprache, niemand weint in einer anderen Sprache, Eltern überall machen sich dieselben Sorgen und Kinder haben dieselben Träume.“ Auch die Liebe sehe überall auf der Welt bemerkenswert ähnlich aus. Umso schwerer sei es für ihn zu verstehen, warum den Menschen ständig eingeredet werde, wie unterschiedlich sie seien. „Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen an der Macht, also diejenigen mit dem meisten Geld, uns dazu auffordern, voreinander Angst zu haben. „Aber wir wissen es besser, weil wir aus der Geschichte gelernt haben, oder?“ Autoritäre Regime hätten in der Vergangenheit nicht zuerst Politiker zum Schweigen gebracht, sondern Journalisten, die unbequeme Fragen stellten, und Künstler, die sich weigerten, einfache Antworten zu liefern.
Der Star räumte ein, dass Filme keine Kriege beendeten, die Inflation senkten oder Wahlen reparieren können. Dennoch seien sie in der Lage, etwas Bemerkenswertes zu bewirken: „Sie erinnern die Menschen daran, dass ein Fremder niemals wirklich ein Fremder ist – und dass er vielleicht sogar der Held in der Story eines anderen Menschen sein kann.“EP