Herrlich deprimierend

von Redaktion

Jessie Murph, Bastille und Lewis Capaldi schließen das Superbloom-Festival ab

Auch mit Erkältung holt Lewis Capaldi das Letzte aus seiner Stimme heraus. © Raphael Kast/HangenFoto

Es ist der vorletzte Auftritt des Sommers, und nun hat es ihn wohl erwischt. Er spürt den Anflug einer Erkältung, sagt Lewis Capaldi. Was ihn nicht davon abhalten wird, zum Abschluss des diesjährigen Superbloom-Festivals alles Verfügbare aus seiner Stimme herauszuholen. Zumal München seine Lieblingsstadt in Deutschland ist, wie er erklärt, „seriously“.

Seinen letzten geplanten Auftritt in der Olympiahalle 2023 sagte er ab und verordnete sich selbst eine Tour-Pause, die am Ende fast drei Jahre dauerte. „Mir ging es nicht gut, körperlich und psychisch“, erzählt der Schotte, bevor er sich ans Klavier setzt und „The Day That I Die“ spielt. Er sei froh, dass die Menschen ihn immer noch hören wollen. Und das wollen sie, Erkältung hin oder her. Ein starker Fan-Chor begleitet seine Debütsingle „Bruises“, aber natürlich auch die Radio-Hits „Before You Go“ oder „Forget Me“. Allesamt deprimierende Lieder, wie Capaldi mit einem Augenzwinkern konstatiert. Vielleicht begeistern sie gerade deswegen so sehr?

Dass dieser Mittwochabend, zumindest was den Inhalt der Lieder angeht, betrüblich verlaufen könnte, hat bereits Dan Smith festgestellt. Der Sänger von Bastille, die mit Capaldi und der bezaubernden Jessie Murph diesen letzten Concert Day bestreiten, entschuldigt sich schon zu Beginn des Auftritts halbernst dafür. „Wir werden euch trotzdem zum Springen bringen“, sagt er und verspricht nicht zu viel.

Bereits „Things We Lost in the Fire“, mit dem die Band aus London ihren Auftritt eröffnet, hat viel Sprungpotenzial. Und spätestens „Off the Night“, das ein Mash-up aus Snaps „Rhythm Is a Dancer“ und „The Rhythm of the Night“ von Corona ist, verpflichtet praktisch zum Tanzen. Und das tun die Fans auf dem Hans-Jochen-Vogel-Platz, bis zum Finale mit „Pompeii“, das Bastille vor 13 Jahren berühmt machte.

Auch Lewis Capaldi entschuldigt sich am Ende noch einmal, wenn auch absolut grundlos. Er habe ein paar Lieder streichen müssen, erklärt der Sänger. Die Erkältung ist nach 13 Songs tatsächlich nicht mehr zu überhören. Wobei auch ein heiserer Capaldi stimmlich sehr reizvoll anzuhören ist. Den letzten Song überlässt er dennoch in Teilen seinen Fans: „Someone you loved“ erfüllt erst den Platz und dann den ganzen Olympiapark. Wenn so ein deprimierender Abend aussehen soll, kann man nur sagen: bitte mehr davon!KATHRIN BRACK

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