Vertrauen verloren

von Redaktion

Springer-Chef Döpfner über Medienkonsum

Mathias Döpfner Vorstandsvorsitzender von Axel Springer. © Kappeler/dpa

Er ist seit über zwanzig Jahren an der Spitze des Axel Springer Konzerns: Mathias Döpfner ist Manager, Journalist und Verleger. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur spricht er über die Situation der Medien in Deutschland.

Der 63-Jährige sieht vor allem verlorenes Vertrauen als größtes Problem. Journalisten sollten zuallererst von Neugier getrieben sein: herausfinden, was ist, dann könne man auch provozierend, polemisch oder leidenschaftlich kommentieren, „aber nicht erziehen“, so Döpfner. „Wir sind keine Erziehungsanstalt. Wir sind auch keine Weltverbesserungsanstalt. Wir sind keine Aktivisten.“ Journalismus habe sich in Teilen zu sehr von Lesern und Zuschauern entfernt.

Gerade im Osten gebe es möglicherweise eine besondere Sensibilität dafür. Das könne auch zu übertriebenen und pauschalen Entwicklungen führen, etwa zu Formulierungen wie „Lügenpresse“ oder „Systemmedien“. „Aber das Grundgespür, das dahintersteht, ist nicht so falsch.“ Statt das Publikum zu beschimpfen, plädiert Döpfner für eine selbstkritische Debatte der Medienbranche.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten führt Döpfner Axel Springer. Gerade feiert das Medienhaus sein 80-jähriges Bestehen, im Springer-Neubau zeigt eine Ausstellung 80 Stücke aus der Unternehmensgeschichte. Auf einer der mittleren Etagen fällt der Blick auf die „Bild“-Redaktion, das große Logo und einige bekannte Schlagzeilen des Boulevardblatts.

Auch strukturell hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren stark verändert. Springer zog sich von der Börse zurück, der amerikanische Finanzinvestor KKR stieg ein, im vergangenen Jahr wurde der Konzern schließlich aufgeteilt. Das Mediengeschäft blieb bei Friede Springer, der Witwe des Unternehmensgründers Axel Springer, und Mathias Döpfner.

Das Geschäft ist inzwischen deutlich internationaler geworden. Ende Juni schloss Springer die Übernahme der traditionsreichen britischen Zeitung „Telegraph“ ab. 575 Millionen Pfund, umgerechnet rund 661 Millionen Euro, zahlte der Konzern für die Telegraph Media Group.DPA

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