König Ludwig II. in Generalsuniform. © AKG Pressebild
Die Autorin Dana von Suffrin. © Achim Frank Schmidt
Sie planen 13 Premieren – und vieles mehr: Intendant Christian Stückl (re.), der Künstlerische Direktor Frederik Mayet (2. v. li.) sowie (v. li.) Nicholas Zöckler, Anouk Kesou und Leon Frisch aus der Dramaturgie vor dem Volkstheater. © Oliver Bodmer
Die Frage ist berechtigt. „Was hat sich dieser König da bauen lassen?“ Dreimal war Christian Stückl in jüngster Zeit auf Schloss Linderhof, natürlich auch in der Venusgrotte, die nach aufwendiger Restaurierung 2025 wiedereröffnet wurde. „Ich fand’s gruselig und unglaublich kitschig“, berichtet der Intendant des Münchner Volkstheaters. Bei seinem dritten Besuch in der „Königlichen Villa“ Ludwigs II. in den Ammergauer Alpen wurde er von Dana von Suffrin begleitet. Die Schriftstellerin, 1985 in München geboren, hat heuer ihren dritten Roman „Toxibaby“ vorgelegt (wir berichteten). Jetzt schreibt sie im Auftrag des Volkstheaters über den Kini. „Wir werden einen neuen oder alten oder frisch renovierten oder golden angemalten König Ludwig II. erleben“, sagt Stückl bei der Vorstellung der Spielzeit 2026/27. Die Homosexualität des Monarchen, sein schwieriges Verhältnis zur Familie, sein ungeklärter Tod 1886 – das und mehr solle auf der Bühne neu beleuchtet werden. Seit gestern liegt die erste Fassung des Dramas auf den Schreibtischen des Intendanten und seiner Dramaturgin Anouk Kesou; die Uraufführung unter der Regie von Stückl ist am 11. März 2027. „Was hat den Mann bewegt und was nicht? Das ist noch einmal spannend zu erforschen“, sagt der Regisseur.
Die Produktion ist eine von 13 Premieren, die Stückl und sein Team für die neue Saison an der Tumblingerstraße ankündigen. Wie berichtet, startet die Spielzeit am 24. September mit der Adaption von Wilhelmine von Hillerns Roman „Die Geierwally“ (Regie: Julia Prechsl) sowie der Uraufführung „Philophobia“ des norwegisch-finnischen Theatermachers Heiki Riipinen am 25. September. Zwei weitere Uraufführungen wird es geben: Sofie Boiten und Lorenz Nolting wollen „Die Räuber“ von Friedrich Schiller „radikal überschreiben“, um zu untersuchen, was politische Protestbewegungen um- und antreibt (Premiere: 16. Dezember). Außerdem geht die Zusammenarbeit des Volkstheaters mit der Choreografin Sophie Haydee Colindres Zühlke und deren Kollege Serhat „Saïd“ Perhat in die dritte Runde. Nach den gefeierten Abenden „Grey“ und „Tide“, die im Repertoire bleiben, kommt ihr neuer Tanzabend Anfang des nächsten Jahres heraus.
Neben der „Geierwally“ wird es in der neuen Saison vier weitere Roman-Adaptionen geben: „Der Zauberer von Oz“ nach dem Kinderbuchklassiker von Lyman Frank Baum (Premiere: 28. Januar) sowie „Im Wasser sind wir schwerelos“ nach dem Werk von Tomasz Jedrowski (Premiere: 25. Februar). Merle Zurawski bringt Verena Keßlers „Gym“ auf die Bühne (Premiere: 8. April), und Max Lindemann inszeniert Wolfgang Herrndorfs wuchtige Lebensbilanz „Arbeit und Struktur“, die von der Krebsdiagnose des Autors bis zu dessen Suizid im Jahr 2013 reicht (Premiere: 3. Juni). Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, arbeitet die Regisseurin Maria Schrader aktuell an einer Verfilmung dieses Buchs; Sandra Hüller wird als Herrndorf auf der Leinwand zu sehen sein.
Bereits berichtet wurde über die Kooperation des Volkstheaters mit der Staatsoper. Romeo Castellucci inszeniert auf der Bühne 1 „Koma“ von Georg Friedrich Haas nach dem Libretto von Händl Klaus. Premiere ist am 5. Mai 2027. Und Regisseurin Sapir Heller kehrt nach ihren Arbeiten „Amsterdam“, „Das hässliche Universum“ und „Der Besuch der alten Dame“ zurück an das städtische Haus im Schlachthofviertel. Sie richtet Ibsens „Ein Volksfeind“ ein – die dritte Premiere der neuen Spielzeit findet am 30. Oktober statt.
Auf die vergangene Saison blickt Stückl zufrieden. Die Auslastung lag bei 82 Prozent. Und trotz Spardrucks ist der Intendant überzeugt: „Ich habe keine Bedenken, dass das Volkstheater von der Stadt fallen gelassen wird.“ Wäre ja noch schöner.MICHAEL SCHLEICHER
Weitere Informationen
und Karten unter muenchner-volkstheater.de.