Die Föhnwelle wird jetzt zum Film-Star

von Redaktion

Pionier des Spaßschlagers: Dieter Thomas Kuhn über seine Kino-Doku und heutige Hits

Mehr Happenings statt Konzerte: Zu den kultigen, selbstironischen Schlager-Auftritten von Dieter Thomas Kuhn kommen noch immer Tausende.

Der Erfinder der neuen deutschen Föhnwelle: Schlagerstar Dieter Thomas Kuhn (61) zeigt in der Dokumentation „Und es war Sommer“ auch viele private Seiten. © Foto: dpa

Er ist der Erfinder der Neuen Deutschen Föhnwelle. Und bei ihm bleibt Musik immer Trumpf. Dieter Thomas Kuhn war ab Mitte der 90er-Jahre der Pionier des Spaßschlagers. Die Konzerte des Schwaben und seiner Kapelle sind bis heute prilblumenbunte Happenings. Am 17. September kommt die Doku „Und es war Sommer“ ins Kino – die auch ganz andere, sehr persönliche Seiten der Tübinger Föhnwelle zeigt. In unserem Interview verrät der Sänger, der eigentlich „nur“ Thomas Kuhn heißt, was hinter dem Film steckt und wie es mit dem Schlagerspaß weitergeht.

Im Film sieht man, wie der große Dieter Thomas Heck Sie bei der Goldenen Stimmgabel ansagt. Wie fand er eigentlich Ihren Gag mit dem „Dieter Thomas“?

Er fand das lustig. Er hieß ja eigentlich Carl-Dieter Heckscher und hat sich bei einer Abstimmung der „Bravo“ den „Thomas“ zugelegt. Dass ich mir als Thomas dann den „Dieter“ ausgeborgt habe, hat ihm gut gefallen.

Er hat Ihren musikalischen Geschmack und damit Ihre ganze Karriere geprägt.

Das stimmt. Die ZDF-„Hitparade“ war für mich in meiner Kindheit ein Muss. Es gab damals ja nicht viel im Fernsehen, was sonst erlaubt war.

Hatten Sie einen absoluten Favoriten?

Peter Maffay fand ich gut. Bei ihm hat man gemerkt, dass er mehr konnte und wollte, als nur Schlager zu singen. „Und es war Sommer“ war immer mein Favorit. Die Erotik darin, er 16, sie 31, das hatte etwas sehr Verruchtes.

Ich hatte vom Film einen reinen Schlagerspaß erwartet. Aber er erzählt viel vom Älterwerden, von Ihrer Freundschaft zu Ihrem Gitarristen und musikalischen Partner Philipp „Howie“ Feldtkeller. Ich dachte spontan an Barry Ryan: „Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt“. War diese Melancholie so geplant?

Unser Thema war eigentlich „Eskapismus“ – wie flüchten die Menschen auf unseren Konzerten für zwei Stunden aus ihrem Alltag? Aber Regisseurin Juliane Sauter hat schnell gemerkt, dass es um mehr geht. Deshalb hat sie den Fokus auf die Freundschaft zwischen Philipp und mir gerichtet. Das gibt dem Film noch mal einen ganz anderen, spannenden Dreh.

Sie und Ihr Team haben Archive geplündert und Material ausgegraben, das teilweise noch nie gezeigt wurde. Sie sind jetzt 61. Wie sehen Sie diese Aufnahmen des jungen Kuhn heute?

Dadurch sind mir das Älterwerden und der körperliche Verfall erst so richtig vor Augen geführt worden. Mir war das vorher gar nicht bewusst, weil wir ja bis heute diesen Blödsinn und diese Jugendlichkeit leben. Aber so eitel bin ich nicht, ich kann das ertragen. Mir ist dadurch noch einmal klar geworden, dass ich die letzten 35 Jahre etwas unglaublich Schönes erleben durfte.

Während der Produktion des Films kam Philipps Krebsdiagnose. Wie geht es ihm aktuell, und was bedeutet das für die Band? Sie haben immer gesagt: Ohne Howie kein Kuhn und keine weiteren Konzerte. Sie beide sind ja quasi der Mick Jagger und der Keith Richards des Spaßschlagers.

Hui, was für ein Vergleich! Aktuell geht es ihm gut, seine Werte sind stabil. Aber er läuft natürlich mit einem Damoklesschwert durchs Leben. Philipp hat sich jetzt bereit erklärt, dass wir für nächstes Jahr eine kleine Planung für Konzerte machen. Wenn alles gut läuft, gibt es uns 2027 live zu sehen.

Zuletzt haben Sie in Tübingen zwei Konzerte mit der SWR Big Band gespielt, jeweils vor 8000 Zuhörern. Am 9. Oktober erscheint diese Zusammenarbeit unter dem wunderbaren Titel „Gute Laune mit Posaune“ auf Platte. Wie viel Spaß hat das gemacht?

Es war großartig, diese Songs mal in einem anderen Arrangement zu spielen. Das sind ja Wahnsinnsmusiker, 23 Leute. Und wenn die „Heute so, morgen so“ oder „Bind ein blaues Band um uns’ren Birkenbaum“ spielen, geht’s mächtig los.

Wie stehen Sie zum aktuellen Schlager von Helene Fischer bis Maite Kelly?

Schwierig. Diese Synthesizer-Produktionen klingen alle irgendwie gleich. Wenn man früher Christian Bruhn gehört hat, der war und ist ein hochgebildeter Musiker, der hat in Lieder wie „Wunder gibt es immer wieder“ Jazz-Elemente reingeschmuggelt. Das war grandios. Ich will niemanden kritisieren. Aber was da heute musikalisch abgeliefert wird, interessiert mich einfach nicht.

Ihr Film heißt „Und es war Sommer“. Wenn wir bei dem Thema bleiben: In welcher Jahreszeit sind Sie, Philipp und die Kapelle gerade unterwegs?

Ich würde sagen: Wir sind noch im späten, heißen Sommer. Im Altweibersommer!

DAS GESPRÄCH FÜHRTE JÖRG HEINRICH.

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