Planlos und dabei fantastisch gut

von Redaktion

Er plauderte einfach mal drauflos: Michael „Bully“ Herbig begeistert in der Olympiahalle

Ohne viel Schnickschnack und ohne ein konkretes Programm: Bully Herbig plaudert, singt und blödelt am Donnerstag in der ausverkauften Olympiahalle. © Foto: Kuhn/Veranstalter

„Ich heiße Bully, aber das macht nichts.“ Wer sich an die Kalauer aus den 1990er-Jahren erinnert, erlebte jetzt in der ausverkauften Münchner Olympiahalle eine prächtige Reise mit Bully Herbig und seiner Zeitmaschine. Ein einziges Mal nur wollte „Mr. Manitu“ auf der großen Bühne stehen, wegen einer Wette mit Produzent Otto Steiner. Und er stellte bei seiner Show „Bully leider live“ von Anfang an klar: „Garantiert ohne Programm.“ Und er hielt sein Versprechen. Ein Programm im Sinne von Konzept gab es wirklich nicht, was aber kaum jemanden störte. Bully musste nur über die wilden Zeiten bei Radio Energy ratschen und seine Helden Mr. Spuck oder Winnetouch aus dem Hut zaubern. Und schon waren alle mit der Gesamtsituation extrem zufrieden.

Mit dem Auftritt löste er eine Wette ein

Steiner, Produzent des Nichtlach-Schlagers „LOL“ bei Amazon, hatte dem 58-Jährigen den Floh ins Ohr gesetzt: „Die Leute gehen so gerne zu Live-Events, die würden auch zu dir kommen. Das wäre ausverkauft. Wetten?“ Herbig schlug ein, trotz erheblicher Skepsis: „Was soll ich live machen? Das Telefonbuch vorlesen?“ Den Gag brachte er auch in der Olympiahalle. Und seine Fans so: „Jaaaaaaa!“ Bully, lies uns das Telefonbuch vor! Wahrscheinlich wäre das auch noch lustig. Das Telefonbuch des Manitu.

Gleich zu Beginn schickte Bully die Fans quasi wieder nach Hause: „Mehr hab ich nicht, das war’s!“ Aber natürlich hatte er doch noch was. Motto der „Resteverwertung“, so Herbig, war: „LOL – Lots of Laughing.“ So wie früher bei der „Bullyparade“. Mit der Band von damals, mit den „Schlauen“, sang Bully live seinen ersten kleinen Hit, die herrlich bescheuerte Beatles-Parodie „Gelb“, in der er seine Liebe zu den Gelben Seiten und zur Gelbwurst gesteht.

Dazwischen gab’s Breakdance, Jodeln zur Heidi-Musik und Klassiker wie „Bully und die Tapete“. Aus dem Take-That-Heuler „Back for Good“ wurde noch einmal, so wie damals: „Backen für Ruth.“ Katrin Bauerfeind gratulierte per Schalte aus Hamburg zum Deutschen Radiopreis, den Bully und sein Spezi Rick Kavanian für ihre freundliche Übernahme der „Mike Thiel Show“ beim Münchner Radio Gong gewonnen haben. Rick bedankte sich am Handy live aus Panama. Oh, wie schön!

Dazu kamen Geschichten zur Entstehung der Filme – zum Beispiel, wie es der kultige Satz „Schön langsam, Jaqueline, sonst kotzt du wieder“ in letzter Minute in den „Schuh des Manitu“ geschafft hat. Bei dieser Retro-Sause half es, wenn man den ganzen Schabernack von früher noch kennt. Denn topaktuell war der Humor natürlich nicht. Wobei Bully Herbig ein generationenübergreifendes Unterhaltungstalent ist: Der Kerl muss nur „Zipfelklatscher“ in die Halle rufen, und schon schmeißen sich alle weg vor Lachen.

Man hätte „Ein Kessel Bully“ auch mit Konzept veranstalten können, mit Einspielern aus den Filmen, mit vielen Promi-Gästen und rotem Faden. Aber es sollte ja ein einmaliger Abend bleiben, mit viel höherem und niedrigerem Blödsinn. Wobei: Als Einmal-Event war die Show zu lustig. RTL zeichnete auf. Und mit so wenig Aufwand so viele Fans in die Olympiahalle zu locken – das hat Potenzial. Bully muss jetzt erst mal seine Otto-Steiner-Wette einlösen und in einem Horrorfilm mitspielen. Und danach? Weitere Live-Shows würden nicht überraschen. Motto: Kein Programm, trotzdem Gaudi. Wetten, dass..?JÖRG HEINRICH

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