Sprechstunde mit dem Bergdoktor

von Redaktion

Von der Serie ins reale Leben: Schauspieler Hans Sigl macht jetzt einen eigenen Podcast mit seinen Fans

Perfektes Duo: Hans Sigl als Doktor Gruber mit TV-Kollege Mark Keller als Dr. Alexander Kahnweiler. © Finger/ZDF

Hans Sigl an seinem Schreibtisch im Studio. Dort zeichnet er seinen neuen Podcast auf.

Was bewegt die Menschen wirklich? Hans Sigl will‘s wissen. Der Schauspieler, den Millionen als „Bergdoktor“ lieben, wird jetzt zum realen Seelenretter. Seine Idee: ein interaktiver Service-Podcast mit dem Titel: „Betreff: Leben – Die Sprechstunde.“ Dabei fordert Sigl seine Fans auf, ganz persönliche Fragen zu stellen, die Sigl dann wiederum mit einem Experten diskutiert. Ab 23. September, immer mittwochs, erscheint eine neue, gut einstündige Folge überall, wo es Podcasts gibt und auf Sigls diversen Kanälen in den Sozialen Netzwerken. Produziert wird der Podcast unter anderem im Groundlift, Sigls Studio am Ammersee. Dort ist das Publikum entweder live vor Ort oder seine Fans schicken ihre Fragen via Instagram. Unsere Zeitung traf den 57-Jährigen Fernseh-Liebling zum Gespräch.

Was ist die Idee hinter Ihrem Podcast?

Es geht mir darum, dass ich die Fragen und Themen der Zuhörer als Anlass nehme, mich mit Kollegen, Experten und Promis zu unterhalten. Ein Beispiel: Wenn mir zum Beispiel Anna K. aus Altötting schreibt, „Ich bin 65 und ertrage meine Familienweihnacht nicht mehr – ist das okay?“, dann ist das genau die Frage, die ich brauche. Dahinter steckt das Leben. Und deswegen heißt es „Betreff Leben“.

Beantworten Sie diese Fragen selbst oder arbeiten Sie sie im Gespräch mit jemandem auf?

Ich habe verschiedene Gäste – Experten und Prominente. Diese Woche zum Beispiel die Ärztin Dr. Hanna Heikenwälder, die viel über Krebs weiß, und morgen Paula Lambert. Es gibt auch Ildikó von Kürthy, Judith Williams, Paul Panzer, Laura Karasek, Daniel Boschmann. Bei Ildikó kam eine Frage rein: „Warum kommt immer nur ein Socken aus der Waschmaschine?“ Und von diesem Socken sind wir auf die großen Fragen des Lebens gekommen – wohin geht man, woher kommt man, warum kann man eine Beziehung auflösen? Das ist „Betreff Leben“: vom Hundertsten ins Tausendste.

Wie sehr öffnen sich Ihnen die Menschen?

Sehr eigentlich. Die Bandbreite reicht von „Wo sind die Socken hin?“ bis zu „Ich habe eine Entscheidung getroffen, ich war unglücklich in der Beziehung – kann ich die rückgängig machen?“ Die Fragen, die bisher gestellt worden sind, sind sehr offen und sehr tief. Ich hatte fast das Gefühl, ich muss die Leute bitten, banalere Fragen zu stellen.

Das heißt, Sie und Ihr Team haben bereits aufgezeichnet?

Genau. Wir haben im Studio am Ammersee schon fünf Folgen aufgezeichnet. Im November kommen noch einmal fünf oder sechs dazu.

Was ist Ihre Motivation?

Ich habe das Gefühl, wir müssen Dinge tun, damit die Menschen wieder ins Gespräch kommen, wieder hinhören, die Kleinigkeiten sehen.

Aber das muss alles aus dem Stegreif kommen. Man muss zuhören, auf Halbsätze reagieren, sich wirklich auf die Leute einlassen…

Es kostet Zeit, aber es ist ein Geschenk. Das Zuhören ist aus der Schauspielerei ein elementares Handwerk – das habe ich in 30 Jahren Beruf verinnerlicht. Beim Paul Panzer zum Beispiel, der das erste Mal ohne buntes Hemd aufgetreten ist. Da habe ich nachgehakt, und dann kam die nächste Geschichte. Wenn man wirklich zuhört, spüren das die Leute und reden mit einem. Wenn man nur Moderationskarten runterliest, kommt nichts.

Wie schaffen Sie es, dass sich die Menschen öffnen?

Ich glaube, es ist Empathie. Kein Zynismus, keine Ironie. Die Grundanlage ist: dem anderen zugewandt sein, ein Miteinander. Das habe ich schon beim Zivildienst gelernt – jeden Morgen in die Krankenzimmer rein und gefragt: „Was darf es sein, meine Damen?“ Und wenn man jemandem wirklich zuhört, dann spüren das die Leute und reden mit einem.

Wie sieht das beim Videopodcast aus? Mit Hans Sigl auf der Couch?

Nein, ich sitze hinterm Schreibtisch, ein bisschen wie in einer Late-Night-Show, was ja mein großes Ziel ist.

Im Ernst?

Ja! Late Night ist die Königsdisziplin, die ich irgendwann umsetzen werde – meine Altersvorsorge sozusagen. Beim Podcast haben wir jetzt schon ein bisschen eine Situation wie in einer Late-Night Show. Das heißt, ich nehme hinter dem Schreibtisch Platz, der Gast prominent auf dem Stuhl. Das ist der entscheidende Fokus.

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