Dass das Fagott weit mehr kann, als sich im symphonischen Kontext mit einem Staccato – „böp böp“ – zu Wort zu melden, demonstrierten beim 75. Internationalen Musikwettbewerb der ARD 50 junge Musikerinnen und Musiker aus vieler Herren Länder. Drei Finalisten brachten am Freitag im Herkulessaal die Zuhörer zum Jubeln: Enrico Bassi aus Italien begeisterte mit Johann Nepomuk Hummels Fagott-Konzert F-Dur nicht nur das Publikum, sondern auch die international besetzte siebenköpfige Jury: Er gewann den ersten Preis (15.000 Euro). Ihm folgten auf Platz zwei (10.000 Euro) Jappe Dendievel aus Belgien und drei (5000 Euro) die Französin Laure Thomas. Beide spielten Carl Maria von Webers Fagottkonzert F-Dur op. 75. Begleitet wurden die Finalisten vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der ebenso temperamentvollen wie sensiblen Leitung der Dirigentin Bar Avni.
Die 23-jährige Laure Thomas überzeugte mit behänden Läufen, kantablen Melodiebögen im langsamen Satz und keckem Rondo. Doch im Vergleich zum ein Jahr jüngeren „Mitstreiter“ Jappe Dendievel wirkte sie braver. Er wagte eine individuellere Interpretation, setzte auf dynamische Kontraste und lud das Adagio mit mehr Ausdruck auf – in bestem Kontakt mit dem Orchester.
Lächelnd und äußerst souverän präsentierte sich der 25-jährige Enrico Bassi, den Hummels virtuose Herausforderung nicht aus der Ruhe brachte. Endlose Läufe, Triller, weite Intervallsprünge gelangen vorzüglich, dazu bewies er feines Gespür für Phrasierung, Kontraste und die agogische Gestaltung. Auch das Zusammenspiel mit den BR-Symphonikern gelang dem bereits als Solofagottist tätigen Bläser gut. Und wenn, wie im Finale, ein „böp böp“ ertönte, dann steckte es voller Witz…GABRIELE LUSTER