Hier wimmelt’s vor Spaß

von Redaktion

Die Internationale Jugendbibliothek zeigt Werke von Ali Mitgutsch

„Er hat genau hingeschaut und wollte den Kindern etwas vermitteln“: Kuratorin Christiane Raabe vor einer Mitgutsch-Zeichnung. © Astrid Schmidhuber

Stets mit Humor zeichnete und malte Ali Mitgutsch.

In den 2000er-Jahren kreierte der Künstler (re.) „Traumkästen“, inspiriert von Dioramen. © Schmidhuber (3), Familienarchiv

Ein Bub, der in den Schnee pinkelt. Eine Dame, deren Einkäufe auf die Straße purzeln. Ein Mädchen, das von Ballons in die Luft gehoben wird. Ali Mitgutsch hatte ein wunderbares Auge für Details. Und viel Witz. Bekannt wurde der gebürtige Münchner als „Vater der Wimmelbücher“ – doch der gelernte Grafiker hatte noch viele andere Facetten. Die Internationale Jugendbibliothek (IJB) auf Schloss Blutenburg in München widmet dem 2022 verstorbenen Künstler ab Mittwoch eine Werkausstellung – die sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistert: „Augen auf! Ali Mitgutsch und das große Gewimmel“ zeigt Originalzeichnungen, aber auch Skizzenbücher, Installationen, Aquarelle, Grafiken und private Fotos. Ein besonderes Schmankerl: das eigens für die Schau gebaute „Wimmelspielhaus“. In einem Korb gibt es 200 Magnete mit Mitgutsch-Zeichnungen, die in dem begehbaren Haus an die richtige Stelle gepappt werden müssen. Gar nicht so leicht!

Christiane Raabe, IJB-Direktorin und Kuratorin der Ausstellung, konnte Mitgutschs Kinder als Paten gewinnen. Und hatte so Zugriff auf ganz persönliche Werke des vielseitigen Künstlers. Mitgutschs Tochter und seine zwei Söhne bauen nach dem Tod des Vaters ein privates Archiv auf und tragen seine Werke zusammen. Sie waren es auch, denen Mitgutsch seine Bilder vorab zeigte – ein guter Test, ob es den Humor der jungen Zielgruppe traf.

Geboren wurde Alfons Mitgutsch am 21. August 1935 in München. Seine Mutter nannte ihn oft „Alibaba“ oder auch „Ali“, wenn ihr jüngstes Kind mal wieder dreckig vom Spielen heimkam. Schon dem kleinen Alfons gefiel das. Später näherte sich Mitgutsch seinem orientalisch anmutenden Künstlernamen optisch immer mehr an, trug einen üppigen Bart wie ein Märchenonkel und bunte Stoffkappen, die sein Markenzeichen wurden.

Wenn Kuratorin Raabe von Mitgutsch erzählt, spürt man ihre Begeisterung für den Künstler, den sie noch persönlich kennengelernt hat. Sie zeigt auf die Originalzeichnung des Titelbildes von Mitgutschs erstem Wimmelbuch „Rundherum in meiner Stadt“, das ihm 1968 den Durchbruch brachte. „Da ist nichts beliebig, alle Details stimmen. Er hat genau hingeschaut und wollte den Kindern etwas vermitteln.“

Kinder lagen Mitgutsch am Herzen – vielleicht auch, weil seine eigene Kindheit im Zweiten Weltkrieg nicht immer nur heile Welt war. Die Münchner Familie wurde vor den alliierten Fliegerangriffen ins Allgäu evakuiert. Dort wurde Alfons oft geärgert und verprügelt, berichtete er später. Nach dem Krieg, als junger Mann, will er die Welt entdecken. Ein Schwarz-Weiß-Foto in der Ausstellung zeigt ihn auf einer Vespa, auf dem Weg über Spanien nach Marokko. An einer Wand der Bibliothek findet sich dazu passend ein Zitat Mitgutschs: „Lasst eure Kinder raus, schickt sie auf Reisen – auch wenn ihr Angst um sie habt.“

Ein anderes Bild zeigt ihn mit Christian Stottele, dem Verleger von Ravensburger. Stottele erkannte das Potenzial Mitgutschs und holte ihn in den Verlag. In den 70ern feierten die Wimmelbücher große Erfolge – bis heute werden sie immer wieder neu aufgelegt. Und oft kopiert. Doch keines erreicht den Charme des Originals. Es ist der „Spaß an der Schadenfreude“, wie es Kuratorin Raabe liebevoll nennt, der Mitgutsch unverwechselbar macht. Man denke an die Dame, der die Einkäufe aus der Tüte purzeln. Daran ergötzen sich auch die Kinder von heute noch – wie die Autorin dieser Zeilen aus Erfahrung berichten kann.JANINA VENTKER

Die Ausstellung

läuft vom 16. September bis zum 21. März. Gratis bis 18 Jahre, Erwachsene zahlen 4 Euro.

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