Fast ein Viertel der Bevölkerung leidet unter Bluthochdruck. In Zahlen ausgedrückt sind das 20 Millionen. Etwa die Hälfte der Personen mit erhöhten Werten werden nicht behandelt. Warum? Trotz der Gefährlichkeit der Erkrankung beginnt der Bluthochdruck (Hypertonie) für die Betroffenen unbemerkt und schmerzlos. Die meisten haben oft keine Symptome. Treten nach mehrjährigem Krankheitsverlauf dennoch Beschwerden auf, sind diese meist uncharakteristische wie Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten oder Ohrensausen. Daher wird die Krankheit nicht oder sehr spät entdeckt.
Die andere Hälfte wird zwar behandelt, aber häufig nicht konsequent genug, sodass ungefähr 50 Prozent der Patienten die sogenannten Zielblutdruckwerte nicht erreichen. Und das, obwohl der Bluthochdruck nach wie vor der wesentliche Risikofaktor für einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall ist.
Ein erhöhter Blutdruck schädigt die Herzkranzgefäße und die Halsschlagadern. Aber er schädigt auch die Gefäße im Gehirn selbst. Der hohe Blutdruck versteift oder verhärtet die Gefäße und so gelangen weniger Blut und damit Sauerstoff zum Gehirn. Schon nach wenigen Jahren kommt es zu einer Verringerung des Gehirnvolumens sowie einer Schädigung der Nerven.
In der Folge können nicht nur Gedächtnisstörungen, sondern auch eine frühzeitige Demenz auftreten. Ein 40-Jähriger mit einem über fünf Jahre unentdeckten und daher unbehandelten Bluthochdruck hat eine Hirnleistung wie ein 50-Jähriger. Ein 50-Jähriger mit einem über zehn Jahre unbehandelten Bluthochdruck hat nur noch eine Hirnleistung wie ein 70-Jähriger. Neue Studien konnten belegen, dass das sogar bereits bei gering erhöhten Blutdruckwerten auftritt und das menschliche Gehirn schneller altern lässt. Nicht selten bleibt die Ursache einer Demenz vermeintlich unklar, in Wirklichkeit liegt aber ein über viele Jahre nicht oder unzureichend behandelter Bluthochdruck vor.
Menschen mit Bluthochdruck benötigen daher eine frühzeitige Therapie. Das erste Therapieziel besteht in einer Senkung des Ruhe-Blutdrucks unter Werte von 135/85 mm Hg, bei Diabetikern sogar unter 130/80 mm Hg. Die Blutdruck-Behandlung ist eine individuelle Therapie, die mögliche Begleiterkrankungen, die Lebensumstände, das Alter und das Geschlecht berücksichtigen sollte. Sie stützt sich auf eine Veränderung der Lebensgewohnheiten (Gewichtsnormalisierung, körperliche Aktivität, kein oder wenig Alkohol, kein Nikotin) und – sofern das nicht ausreicht – auf Medikamente, die den Blutdruck senken.
Aber die gute Nachricht ist: Selbst ältere Menschen, die eine gute Behandlung ihres Blutdrucks erhalten, bleiben auch weiter geistig fit. Und das Auftreten einer Demenz kann durch eine konsequente Behandlung auf die Hälfte gesenkt werden. Dafür muss ein erhöhter Blutdruck allerdings diagnostiziert werden. Je früher, desto besser. Und nichts ist einfacher, als den Blutdruck kontrollieren zu lassen: beim Hausarzt, in der Apotheke, bei Familienangehörigen oder Freunden. Am besten ist, Sie fangen heute an!
HERZENSSACHE
von Dr. Barbara Richartz