-Warum besuchst du Kinder im Krankenhaus?
Wenn man krank im Krankenhaus liegt, kann das langweilig sein. Außerdem wollen ständig alle etwas von einem: die Ärzte, Krankenschwestern und auch die Eltern. Das ist anstrengend. Und gerade dann ist es schön, wenn man mal etwas anderes sieht oder hört. Deswegen schaue ich vorbei.
-Nimmst du dann deine rote Nase mit?
Selbstverständlich! Außerdem habe ich eine rote Bluse mit unfassbar vielen Rüschen, eine blaue Hose mit einem roten Streifen, eine blaue Mütze und riesengroße blau-rote Schuhe an. Kinder bewundern die immer und sagen: „Wow, das sind ja tolle Schuhe!“ Jepp, das sind sie! Und natürlich habe ich auch einen weißen Kittel an …
-Aber du bist kein Arzt?
Nein. Ich bin ein KlinikClown! Ich kann niemanden behandeln. Aber ich versuche etwas zu tun, damit die Buben und Mädchen wieder Kräfte sammeln können. Das heißt, dass sie wieder Spaß und Freude haben und lachen können. So werden sie vielleicht sogar ein bisschen schneller wieder gesund.
-Hast du dann wie ein Zirkusclown auch ein Pony oder eine Flöte dabei?
Nein, aber ich habe meinen Clownsfreund Duda immer dabei – und ein fliegendes Spiegelei, ein Camping-Hirn, eine Reise-Toilette, ein Kotelett, viele Luftballons, Musik und unglaublich viel Geld.
-Warum denn Geld?
Das braucht man immer mal. Es ist natürlich Spielgeld. Damit kann man aber viel Spaß haben! Zum Beispiel werfen Buben und Mädchen damit wahnsinnig gerne um sich. Und manchmal muss ich Teenagern ein Lächeln abkaufen.
-Lachen nicht alle Kinder, wenn du kommst?
Nein, das müssen sie auch nicht. Kleine Kinder zum Beispiel verstehen noch nicht, was ein Clown ist. Sie staunen eher darüber, was mein Kollege und ich machen. Hier spiele ich mehr mit den Eltern und besonders der Mutter. Das Kind sieht dann, dass die Mutter sich freut – und dann freut sich das Kind auch.
-Und wie reagieren Zehnjährige auf dich?
Manche finden mich lustig und lachen lauthals los. Andere finden mich total uncool und wahnsinnig doof. Dann versuche ich von ihnen zu lernen, wie ich gut chillen kann oder endlich cool werde.
-Und wie wird ein Clown cool?
Das ist schwierig, denn ein Clown ist ja eine einzige uncoole Katastrophe. Das fängt schon bei der Körperhaltung an! Letztens habe ich in Augsburg ein Mädchen auf dem Gang gefragt, ob ich sie besuchen darf. „Ist mir eigentlich egal“ war ihre Antwort. Und ich habe gesagt: „Endlich! Das möchte ich so gerne lernen, dass mir etwas egal ist! Mir ist nämlich immer alles so wichtig!“ Na ja, und sie hat ja Recht. Man sollte nicht alles immer so wichtig nehmen.
-Welche Kinder besuchst du eigentlich?
Ich besuche Buben und Mädchen, die im Krankenhaus in Starnberg und Garmisch-Partenkirchen liegen. Vielleicht, weil ihnen gerade etwas wehtut, ihnen ein Unfall passiert ist oder weil sie krank sind. Manche sind dort länger, manche nicht. Auf der Krebsstation zum Beispiel „wohnen“ die Kinder oft sehr lange. Und viele von der Rheumastation in Garmisch treffe ich immer wieder. Die Kinder müssen dort, bis sie erwachsen sind, immer wieder hin.
-Kennst du dort viele Kinder sehr gut?
Ja, und sie erzählen mir manchmal, wovor sie zum Beispiel Angst haben. Sie wissen, dass wir Clowns die Klappe halten können. Wir erzählen Geheimnisse nie weiter!
-Haben auch manche Kinder Angst vor dir?
Das kommt vor, ganz selten, manche fangen beim ersten Treffen sogar an zu weinen. Aber wenn ich das merke, gehe ich gleich einen Schritt zurück und nehme die Mütze vom Kopf. Dann geht’s meistens schon besser. Oft hilft es auch, wenn ich den Quatsch zurückfahre und ruhiger und leiser werde. Danach lege ich mit dem Kind die Grenze fest, bis wohin ich an sein Bett herankommen kann. Daran halte ich mich selbstverständlich – außer, der Bub oder das Mädchen sagt von sich aus, dass ich wieder näher kommen darf.
-Wie lernst du ein Kind kennen?
Mein Clownsfreund Duda und ich klopfen immer als Erstes an die Zimmertür und fragen, ob wir eintreten dürfen. Dann warten wir ab, wie die Reaktion ausfällt. Meistens sagen Mama, Oma und Opa: „Uuuuiii, der Clown!“ Aber dann treten wir nicht ein, wir warten immer die Antwort des kleinen Patienten ab. Er soll entscheiden.
-Und wenn der Bub oder das Mädchen „Nein“ sagt?
Das ist dann auch völlig o.k. Wir sind nämlich die allereinzigen im Krankenhaus, zu denen man „Nee“ sagen darf. Und ein „Nee“ bedeutet auch ein „Nee“ für uns. Viele Kinder sind überrascht und fragen: „Wie? Mein Wunsch wird ernst genommen? Wow.“
-Sagen viele Kinder „Nein“?
Eigentlich nicht. Wenn wir dann eintreten, versuchen wir zu spüren, wie das Kind gerade drauf ist: Hat es Angst? Kummer? Ist es müde? Traurig? Dann überlege ich mir, welches Spiel sich anbietet. Bei den ganz Kleinen hole ich zum Beispiel oft langsam und vorsichtig Seifenblasen hervor. Größere Kinder sind manchmal sofort für jeden Quatsch zu haben.
-Welche Kunststückchen machst du dann?
Ich lasse Seifenblasen steigen, manchmal singen Duda und ich auch Lieder. Dann dichten wir gerne oder singen den „Oh Tannenbaum“-Text zur Hochzeitsmusik. Das ist lustig! Wenn dem Kind das aber viel zu viel ist, kann ich auch ein Lied in Schritten singen: Einen Schritt gehen, einen Ton singen, wieder einen Schritt gehen, wieder einen Ton singen. Das ist auch spitze! Hast du das schon mal selbst ausprobiert?
-Welcher Trick funktioniert bei allen Kindern?
Das kommt auf das Alter der kleinen Patienten an. Sehr oft lachen sie, wenn aus einer Seifenblase durch einen Zaubertrick ein Luftballon wird. Oder wenn mir der Luftballon danach beim Aufblasen auskommt und er durch den Raum fetzt … Dann muss ich ihn natürlich wieder einfangen – ein großer Spaß!
-Bist du böse, wenn dir jemand die Mütze vom Kopf reißt?
Nein, die Buben und Mädchen erwarten, dass man dann böse wird. Aber ich bin ja ein Clown! Also sage ich stattdessen: „Die Mütze freut sich, wenn sie mal woanders hinkommt. Aber ich freue mich auch, wenn sie bald wieder zurückkommt.“ Und das hilft. Bis jetzt ist jede Mütze wieder zurückgekommen. Wobei ich mir die Mütze dann auch von dem Mini-Patienten wieder auf den Kopf setzen lasse.
-Und was ist mit deiner roten Nase?
Die wird auch gerne gemopst. Manche Kinder drücken auch drauf – dann muss ich immer jodeln. (Lacht.)
-Lachen alle Kinder, wenn du wieder gehst?
Das ist völlig unterschiedlich. Manchmal verfolgt mich ein großes Gelächter, wenn ich zur Tür hinausgehe. Manchmal ist es ein kleines. Manchmal schauen mir die Kinder „nur“ verzaubert und staunend nach. Oft wird auch die Frage nachgerufen, ob ich morgen wiederkomme. Und manchmal lasse ich auch eine Nase da.