Bald steht der Winter vor der Tür und damit unweigerlich auch die neue Grippesaison. Ist die Grippe erst einmal ausgebrochen, gibt es keine spezifische Behandlung, sondern lediglich eine symptomatische Therapie. Und eine echte Virusgrippe (eine sogenannte Influenza) ist keine einfache Erkältungskrankheit, sondern eine schwere, manchmal sogar lebensbedrohliche Erkrankung. Allein im vergangenen Jahr sind in Deutschland über 100 000 Menschen daran erkrankt und über 600 sind sogar daran gestorben.
Neben Hygienemaßnahmen stellt die Impfung die beste Prophylaxe dar. Denn hierbei werden abgetötete oder abgeschwächte Krankheitserreger verabreicht, damit unser Immunsystem Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper, bildet. Kommt man danach tatsächlich irgendwie mit dem Erreger in Kontakt, wird dieser in der Regel erkannt und sofort unschädlich gemacht.
Die Erfolge vieler Impfungen sind beispiellos und die Liste ist lang: Masern, Mumps, Röteln, Tetanus, Keuchhusten, Diphtherie, Hepatitis B und natürlich die saisonale Grippe, um nur einige zu nennen. Nichts Vergleichbares hat den medizinischen Fortschritt im 20. Jahrhundert derart stark geprägt.
Dennoch: Kaum ein anderes Thema wird so kontrovers diskutiert. Besonders die Angst vor möglichen Impfschäden treibt viele von uns um. Mit Impfschäden sind natürlich keine Hautrötungen um die Einstichstelle herum gemeint. Gemeint sind schwere Erkrankungen, die zu bleibenden Gesundheitsschäden führen können. Und diese gibt es tatsächlich. Sie sind allerdings extrem selten und betreffen statistisch gesehen weniger als einen von einer Million Geimpften.
Warum müssen wir das Thema jedes Jahr neu diskutieren? Die Grippeviren verändern sich von Jahr zu Jahr so stark, dass der Vorjahresimpfstoff nur noch gering oder unzureichend wirkt. Konkret heißt das, dass die Grippe-Impfstoffe jedes Jahr an die aktuell zirkulierenden Influenza-Viren angepasst werden müssen und dass die Impfstoffe – auf der Basis der weltweiten Influenzaüberwachung – jedes Jahr neu zusammengemischt werden müssen.
Aber wer sollte sich jetzt impfen lassen? Eigentlich jeder ab dem 60. Lebensjahr. Ebenfalls sollten sich alle impfen lassen, die ein besonders hohes Risiko haben, sich anzustecken. Das sind zum Beispiel Busfahrer, Lehrer, Personal in Einrichtungen mit sehr viel Publikumsverkehr. Dazu gehört auch das medizinische Personal.
Unabhängig vom Alter sollten sich alle mit einem chronischen Grundleiden wie etwa Krankheiten der Atmungsorgane, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- oder Nierenkrankheiten oder Diabetes impfen lassen. Studien zeigen, dass gerade diese Menschen ein erhöhtes Risiko haben, schwer oder lebensbedrohlich an einer Grippe zu erkranken, unter anderem durch das hohe Fieber.
Der richtige Zeitpunkt der Impfung ist noch bis Ende November, da die ersten Grippefälle in der Regel ab Dezember auftreten. Nach der Impfung dauert es zehn bis 14 Tage, bis das Immunsystem einen wirksamen Schutz gegen die Influenza aufgebaut hat. Vergessen wir also die jährlich aufflammende Diskussion: Die Grippeschutzimpfung ist sicher und sinnvoll!
HERZENSSACHE
von Dr. Barbara Richartz