Interview mit einer Stilberaterin

„Roter Lippenstift gehört zu jeder Frau“

von Redaktion

Schönheit muss keine Frage des Alters sein. Aber wie bleiben Mann und Frau attraktiv, wenn die Lebenserfahrung ihre Spuren an Gesicht und Körper hinterlassen hat? Im Interview verrät die Stilberaterin und Internet-Bloggerin Martina Berg (57) aus Haar im Landkreis München Tipps, wie sich die Generation 50plus dann stylen sollte.

-Wie verändert sich der Schönheitsbegriff für Frauen und Männer mit den Jahren?

Wichtig ist für uns Frauen, dass wir gepflegt wirken. Die Haut weist sicherlich Lebenslinien auf. Diese zu pflegen, sollte bei unseren täglichen Ritualen nicht vergessen werden. Das gilt natürlich auch für Männer. Ein gepflegtes älteres Gesicht sieht immer positiv aus.

-Wird die Zeit länger oder kürzer, die Frauen in ihre Schönheit investieren?

Die Zeit wird anders eingeteilt. Das Make-up braucht oft etwas weniger Zeit und die Pflege dafür etwas mehr. Die Zeiten, in denen das Alter farblos und dezent sein musste, sind heute wohl vorbei.

-Zu welchen Farben raten Sie?

Ich rate immer zu den Farben, die dem jeweiligen Typ am besten stehen. Die Farben sollten sich mit zunehmendem Alter nicht ändern. Nur weil eine Frau oder ein Mann über 60 Jahre alt ist, kann jeder noch seine Farben tragen. Ich bin der Meinung: Roter Lippenstift gehört einfach zu jeder Frau dazu. Für Männer gilt: Der beige Ton-in-Ton- Komplettlook sollte vermieden werden!

-Und welche „Fehler“ begehen die Frauen?

Es hängt häufig mit der Veränderung der Lebenssituation zusammen. Manche wirken in ihrem Styling zu reduziert. Gerade wenn sie aus dem Berufsleben ausscheiden, werden die hübschen farbigen Kleider oder Outfits nur noch selten getragen. Das finde ich sehr, sehr schade. Es sollte weiterhin schöne Farbigkeit getragen werden.

-Ärmellos, figurbetont, beinfrei – was darf Frau sich auch über 60 trauen?

Das ist eine Frage der Persönlichkeit und der Möglichkeiten. Wenn es meine Figur zulässt, warum sollte ich dann auf ärmellos verzichten? Es gibt Frauen, die haben mit 60 noch wunderschön definierte Arme. Wenn nicht, sollte schon immer ein leichter Überschnitt an der Schulter sein. Das Dekolleté ist so ein Thema. Gerade in unserer Region wird Dirndl getragen. Da ist ein schönes Dekolleté auch bei einer Dame im fortgeschrittenen Alter durchaus legitim. Figurbetont – immer gerne. Ich empfehle allerdings, immer die perfekt sitzende Unterwäsche dazu zu tragen.

-Was macht denn eine perfekte Unterwäsche aus?

Mit zunehmendem Alter wird der Busen größer. Das heißt, Sie brauchen ganz andere BHs als früher. Und zwar hochwertige. Da kostet ein BH zwar an die 100 Euro, hält aber dann auch und sieht schön aus. Erlaubt ist auch figurformende Wäsche. Gerade unter figurbetonten Kleidern sollte man nicht sehen, wo der Slip aufhört und der BH anfängt. Es gibt ganz leichte Unterteile, die nichts mit den Miedern unserer Mütter gemeinsam haben, sondern ganz bequem sind. Dabei lassen sie die Figur schön gleichmäßig wirken und verstecken so manche Welle, die ein nicht ganz perfekter Körper nun mal aufweist.

-Was sind die Stärken des Alters, die reifere Frauen bewusst in Szene setzen sollten?

Da sprechen Sie ein spannendes Thema an. Ab und zu lese ich wieder, dass Frauen mit 50plus es toll finden, wenn sie mit ihren Töchtern die Kleidung tauschen. Das hat für mich nichts mit Stil zu tun. Die Stärke des Alters liegt ganz eindeutig in der Lebenserfahrung und in der Persönlichkeit, die jeder Einzelne ausstrahlt.

-Sie selbst tragen gerne hohe Schuhe. Doch nicht jede ältere Dame möchte ihre müden Füße mit hohen Pumps strapazieren. Gibt es salonfähige Alternativen?

Es gibt viele Alternativen, da die Schuhmode sich gewandelt hat. Ein schicker Ballerina zum Beispiel oder der Schuh mit etwas Absatz. Manche junge Frauen zwängen sich in Schuhe, die ihnen eigentlich nicht passen. Da sagen viele Damen mit zunehmendem Alter, dass sie das nicht mehr nötig haben. Vieles ist aber fußformabhängig und nicht altersabhängig. Heute gibt es auch schöne Schuhe für Frauen mit Problemfüßen wie zum Beispiel Hallux valgus.

-Haare werden oft lichter und grau. Zu welchen Frisuren raten Sie, wenn die rassige Mähne nicht mehr funktioniert?

Ich finde es schade, dass viele Damen auf einmal ihre schönen Haare abschneiden lassen. Das hängt mit Bequemlichkeit zusammen. Aber warum sollte ich gerade in Rente, wenn ich ja endlich mehr Zeit habe, meine Haare abschneiden? Gerade jetzt kann ich doch zehn Minuten mehr investieren. Eine flotte Frisur kann im zunehmenden Alter den Typ individuell unterstreichen. Mit längeren Haaren bin ich flexibler. Ich kann sie hochstecken, einen Zopf machen oder sie offen wellig tragen.

-Grau oder gefärbt – wozu raten Sie Frauen? Und Männern?

Mit grauen Haaren sehen viele Leute attraktiv aus. Männer wie Frauen. Das ist eine Sache des individuellen Typs. Männer und Haarefärben finde ich albern, oft wird aus einem leicht ergrauten Herrn ein zu schwarzhaariger älterer Herr.

Das Gespräch führte Uta Künkler.

Die Internetseite,

auf der Martina Berg noch mehr Tipps und Tricks zum täglichen Styling parat hält, heißt www.lady50plus.de.

Artikel 5 von 7