Mit wem wir zusammenleben, bestimmt zu einem guten Teil mit, wie wir aussehen, wie wir leben, wie gesund wir sind – und sogar, wann wir sterben. „Die Korrelation des Sterbealters bei Eheleuten ist generell höher als wenn man zwei zufällige Personen auswählt“, sagt der Demografieforscher Sven Drefahl von der Universität Stockholm. Erklärbar sei das über Faktoren wie Haushaltseinkommen, sozioökonomische Position und Lebensweise. Unklar sei allerdings, ob es einen „Ehe-Effekt“ gebe oder die ähnliche Lebenserwartung allein auf Merkmale wie Bildungsniveau und Rauchverhalten zurückgehe.
Bei so manchem älteren Paar denkt man: Meine Güte, sehen die zwei sich ähnlich! Das kann daran liegen, dass sich Gleich und Gleich tatsächlich gern gesellt. Zudem prägt das tägliche Miteinander die Gesichtszüge – bei manchen in Form verbittert verzogener Mundwinkel, bei anderen mit Lachfältchen.
Forscher der European Association for the Study of Diabetes (EASD) berichteten, dass Männer eher an Diabetes erkranken, wenn ihre Partnerin übergewichtig ist. Wissenschaftler von der Universität Aarhus hatten Daten von 7000 älteren Briten analysiert. Diese hatten über 17 Jahre hinweg berichtet, wie sich ihr Gesundheitszustand veränderte. Das Ergebnis: Stieg der Body Mass Index einer Frau um fünf Maßeinheiten – was dem Übergang von Normal- zu Übergewicht entspricht, – erhöhte sich das Diabetes-Risiko für den Mann um 21 Prozent. Frauen hingegen erkrankten nicht häufiger, wenn der Mann übergewichtig war. Und wie wirkt sich umgekehrt eine schon vorhandene Diabetes-Erkrankung auf das Gewicht des Partners aus? Hier zeigte sich bei Männern und Frauen das gleiche Bild: Ab einem Alter von 55 Jahren nahmen beide eher zu, wenn der Partner Diabetiker war. „Deshalb könnte es angebracht sein, die Partner von übergewichtigen Menschen vorsorglich auf Diabetes hin zu untersuchen“, sagten die Forscher.
„Wir suchen uns meist ähnliche Partner, ein sportlicher Mensch wird deshalb seltener mit einem übergewichtigen Partner zusammen sein“, erklärt Thomas Klein, Dekan der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Uni Heidelberg. Zudem wirkten sich Faktoren wie Wohnsituation, Ernährung, sportliche Aktivität und Stresslevel auf beide Partner aus. Grundsätzlich könne die Angleichung genauso in die positive Richtung verlaufen und den Partnern gesundheitlich helfen, ergänzt Klein: „Allgemein ist es so, dass Menschen, die Partner haben, weniger oft krank sind und auch eine längere Lebenserwartung haben.“ Zusammen legen Partner auch Laster wie Rauchen, schlechte Ernährung oder wenig Bewegung wesentlich leichter ab, berichteten die Forscher. Die Chancen auf Erfolg stünden dann sogar besser, als wenn der Lebensgefährte bereits ein gesundes Leben führt.
Auch das Geruchs- und Geschmacksempfinden gleicht sich bei Paaren im Laufe der Jahre an, wie Forscher aus Dresden und Breslau berichten. Das Team hatte 100 Paare in seine Analyse einbezogen. Das Ergebnis: Die Vorlieben gleichen sich im Verlauf einer Liaison immer stärker an. Die Zufriedenheit mit dem Partner werde durch ein besonders ähnliches Geschmacks- und Geruchsempfinden aber nicht zwingend gesteigert, ergänzen die Forscher. Im Gegenteil: Paare mit ähnlichen Geruchspräferenzen waren im Mittel unzufriedener mit der Beziehung. Eine mögliche Erklärung sei, dass das Geruchsempfinden auf das Erbgut zurückgehe – und Menschen mit möglichst unterschiedlicher DNA fühlen sich zueinander hingezogen.
Neben dem Geruch hat auch ein Hormon seinen Anteil an trauter Zweisamkeit: Oxytocin. Haben Männer eine erhöhte Dosis des Botenstoffs im Gehirn, erscheint die eigene Partnerin im Vergleich zu anderen Frauen attraktiver, berichteten Bonner Forscher. Das Bindungshormon sorge dafür, dass beim Anblick der Partnerin das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird, hieß es. „Dieser biologische Mechanismus ist einer Droge sehr ähnlich.“ Paare berührten sich wohl auch deshalb so häufig, weil so der Oxytocin-Spiegel hochgehalten werde.
Mit langjährigem Zusammenleben geht eine weitere Anpassung einher, die das Zusammenbleiben erleichtern dürfte: das Schweigen in Streitsituationen. Während junge Paare Probleme gerne ausdiskutieren, setzen ältere vieles daran, Konflikte zu vermeiden, berichteten Forscher im „Journal of Marriage and Family“. Ältere Eheleute lenken demnach ihre Aufmerksamkeit lieber auf andere Themen anstatt auf die oft altbekannten Konfliktbereiche. Ältere Menschen konzentrierten sich wohl lieber auf erfreuliche Erlebnisse – möglicherweise, weil sie ihre verbleibende Lebenszeit bestmöglich nutzen wollen. Dass bei jungen Paaren, die ihre Positionen noch nicht abgesteckt haben, öfter die Fetzen fliegen, ist normal – auch sie sollten aber einen Rat beherzigen: nie hungrig streiten. Einer Studie zufolge steigen die Aggressionen zwischen Partnern, wenn ihr Blutzuckerspiegel sinkt. Streit, Konflikte und vielleicht sogar häusliche Gewalt seien womöglich zum Teil Folge eines einfachen Zustandes: Hunger.
In einer anderen Studie waren hungrige Eheleute auch eher bereit, ihren Partner mit unangenehmen Geräuschen zu traktieren. Die Forscher erklärten den Zusammenhang mit einer verminderten Selbstkontrolle durch einen sinkenden Blutzuckerspiegel. Glucose sei eine Art Treibstoff für das Gehirn und für die Selbstkontrolle erforderlich. Im Englischen gibt es sogar ein Wort für die Mischung von Hunger und Ärger: „Hangry“, eine Kombination aus „hungry“ (hungrig) und „angry“ (ärgerlich). Beim nächsten drohenden Streit sollte es also vielleicht heißen: Jetzt lieber nicht, ich bin gerade „hung-ärg-lich“.