Hormonersatztherapie in den Wechseljahren: Sterblichkeit nicht erhöht

von Redaktion

Eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren erhöht nach einer Langzeitstudie doch nicht die Sterblichkeit der behandelten Frauen. Das ergab nun eine Studie der US-Frauengesundheitsinitiative WHI. Das Erstaunliche: Sie bezieht sich auf dieselben Patientendaten wie eine Studie von 2002, die zu der Auffassung geführt hatte, eine Hormonersatztherapie erhöhe das Risiko von Brustkrebserkrankungen und Schlaganfällen. Diese Ergebnisse machten damals Schlagzeilen. „Die aktuellen Ergebnisse unterstützen nun klinische Leitlinien, die den Einsatz einer Therapie für Frauen in den Wechseljahren befürworten, um belastende Hitzewallungen und andere Symptome in den Griff zu bekommen“, erklärt Studienautorin JoAnn Manson vom Brigham and Women‘s Hospital der Harvard Medical School in Boston.

In der aktuellen Studie überprüften Manson und ihre Kollegen, ob bis Ende 2014 mehr Frauen nach einer Hormonbehandlung verstorben waren als Patientinnen der Kontrollgruppe und an welchen Krankheiten sie starben. Alle Todesursachen zusammengenommen waren 27,1 Prozent der mit Hormonen behandelten Frauen verstorben, bei den Frauen in der Kontrollgruppe waren es 27,6 Prozent. Waren die Frauen zum Zeitpunkt der Behandlung jünger als 60 Jahre, lag das Sterblichkeitsrisiko bei den hormonbehandelten Frauen niedriger als bei den Frauen der Kontrollgruppe.

„Dass es kein erhöhtes Sterberisiko durch die Hormonbehandlung gibt, nimmt der Therapie den Makel, den sie lange hatte“, sagt Cornelia Jaursch-Hancke, leitende Endokrinologin an der DKD-Helios Klinik Wiesbaden. Anders als bei der WHI-Studie von 2002 sei nicht das Auftreten von Erkrankungen, sondern die Sterblichkeit untersucht worden. Und Alfred Mueck, Präsident der Deutschen Menopause Gesellschaft, weist darauf hin, dass jetzt verstärkt diskutiert werden müsse, inwieweit nicht auch die vorbeugenden Wirkungen der Therapie im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Diabetes, Alzheimer und Darmkrebs beachtet werden sollten.

Der Grund für den Beginn der Wechseljahre liegt in den Eierstöcken: Wenn in ihnen die Reifung der Eizellen aufhört, sinkt auch die begleitende Hormonproduktion. Der Mangel an Östrogen macht sich im weiblichen Körperhaushalt bemerkbar. „Sehr viele Frauen berichten von einer Trockenheit der Scheide und gehäuften Blasenentzündungen, die gut auf eine lokale Hormonbehandlung ansprechen“, erläutert Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Betroffen sind außerdem die Regelung der Körpertemperatur und des Schlafs, was bei etwa einem Drittel der Frauen zu schweren Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Schlafstörungen und anderen Symptomen führt, die mit einer Hormonersatzbehandlung hervorragend beseitigt werden können.“ Stefan Parsch

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