Bald kommt die Adventszeit, in der wir durch die erleuchteten Städte daran erinnert werden, dass Licht in die Welt gekommen ist. Grund genug, um sich einmal Gedanken über das Licht und dessen Auswirkungen auf uns Menschen zu machen.
Seit über 100 Jahren macht der Mensch die Nacht zum Tag. Die Erfindung des elektrischen Lichts ist ein Meilenstein in der Geschichte. Helligkeit ist positiv besetzt und bedeutet Sicherheit, Wohlstand und Fortschritt. Letzteres nicht zuletzt deshalb, weil die Industrialisierung nur möglich war, weil Fabrikhallen immer hell waren und dort immer gearbeitet werden konnte. Heute ist Licht allzeit verfügbar. Auch dann, wenn die Natur schlafen will.
Aber Licht ist weit mehr als nur Helligkeit. Was einst als Triumphzug begann, könnte heute zum Fluch des Fortschritts werden. Bislang galt: Je heller, desto besser. Doch dieses Dogma kann man nicht länger halten, denn falsches Licht zur falschen Zeit kann erhebliche Gesundheitsschäden nach sich ziehen.
Die potenziell schädigende Wirkung des künstlichen Lichts entsteht durch die Farbzusammensetzung. Dem Licht aus Neon-Röhren, Energie-Sparbirnen oder LEDs fehlen bestimmte Farbspektren. Das „immer mehr“ an Helligkeit wird durch stärkere Abweichungen vom natürlichen Licht erreicht. Im Unterschied zur Sonne mit ihrem kontinuierlichen Spektrum setzt sich das Licht der Leuchtstoffröhren aus wenigen Einzelfarben zusammen. Wir nehmen dieses farbige Licht nur deshalb als weiß wahr, weil das Gehirn als Ausgleich einen violetten Filter dazu schaltet. Diese Ausgleichsleistung, die das Gehirn in künstlich beleuchteten Räumen vollbringt, bedeutet Dauerstress. Der alte Wolframfaden einer Glühbirne imitierte dagegen das Sonnenlicht.
Eine weitere ungesunde Eigenschaft des Lichts entsteht in Leuchtstoffröhren dadurch, dass sie flimmern. Optisch nimmt das Auge das zwar nicht wahr. Die Umwandlung in ein scheinbar ruhiges Licht ist für das Gehirn aber ebenfalls Schwerstarbeit. Das führt zu Kopfschmerzen, Druck in den Augen, Lidzittern, schlechtes Sehen und Ermüdung – bedeutet also Stress pur. Inzwischen mehren sich die Studien, die einen Zusammenhang zwischen einer übermäßigen Lichtbelastung, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen sowie Ein- und Durchschlafstörungen sehen. Das sind alles Risikofaktoren für einen Herzinfarkt und Schlaganfall. Selbst eine Schwächung des Immunsystems und ein Zusammenhang zu verschiedenen Krebsarten wird diskutiert.
Die Auswirkungen von künstlichem Licht auf Mensch und Natur sind noch weitestgehend unbekannt. Fest steht: Ständiges Licht lässt uns aktiv sein. Das Schließen der Augenlider schottet uns zwar vor dem natürlichen Licht ab, aber nicht vor dem zu hellen künstlichen Licht.
Anders ist das Licht einer Kerze, das dem natürlichen, warmen Abendlicht der Sonne in seinem Spektrum nahekommt. Kerzenlicht spendet Wärme, gibt das Gefühl der Geborgenheit und ist deshalb nicht nur für den Körper, sondern auch für die Seele gesund. Also – trotz aller Innovation – zünden Sie öfter einmal eine Kerze an.
HERZENSSACHE
von Dr. Barbara Richartz