5 Fragen aN

„Die Seele sitzt im Gehirn“

von Redaktion

Der Münchner Chirurg Prof. Dr. Bruno Reichart hat in seiner Karriere vielen Menschen die Chance auf ein zweites Leben geschenkt.

Kein Organ weckt so viele Emotionen wie das Herz – insbesondere dann, wenn es um Transplantationen geht. Können Sie das nachvollziehen?

Vielen sehen das Herz als Sitz der Seele an. Ich glaube das nicht. Für mich sitzt die Seele im Gehirn. Das Herz ist eine sehr eindrucksvolle Pumpe, mehr nicht. Mich treibt der Gedanke um, was mit den Menschen passiert, wenn diese Pumpe ihren Dienst versagt: Viele leiden furchtbar, haben das Gefühl zu ersticken, oft sogar Todesangst. Wenn es eine Chance gibt, ihnen zu helfen, muss man sie ergreifen.

Dazu fehlt es an Spenderorganen.

In Deutschland sterben viele Menschen, weil es zu wenige Organspender gibt, darunter jährlich etwa 150 Herzpatienten auf der Warteliste. Viele wären zu retten, wenn die Rahmebedingungen für Organspenden verbessert würden – unter anderem durch eine Regelung, die die Organentnahme nach einem irreversiblen Herzstillstand erlaubt.

Sie forschen an einer anderen möglichen Lösung, der Xenotransplantation. Worum geht’s dabei?

Unser Ziel ist es, vereinfacht ausgedrückt, besondere Schweine zu züchten, deren Herzen oder auch andere Organe und Gewebe in Menschen transplantiert werden können. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, die Schweineherzen genetisch so zu verändern, dass sie im menschlichen Körper nicht abgestoßen werden. Geeignete Schweine befinden sich in unserem Labor.

Wie weit sind diese Forschungen vorangeschritten?

Wir wissen, dass unsere Xenotransplantations-Methode funktionieren wird. Der eingeschlagene Weg ist nicht mehr aufzuhalten.

Wie lange dauert noch, bis die ersten tierischen Organe in Menschen verpflanzt werden können?

Das hängt davon ab, wann die Genehmigungen erteilt werden. Derzeit arbeiten wir in Großhadern daran, mit Versuchsreihen die wissenschaftlichen Nachweise zu liefern. Diese Versuche laufen bereits sehr erfolgreich. Wenn die Behörden grünes Licht geben, könnte binnen drei oder vier Jahren die erste Transplantation bei einem Menschen vorgenommen werden.

Interview: Andreas Beez

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