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Was auf Zuschauer 2018 zukommt

von Redaktion

von jörg heinrich

Das gute alte lineare Fernsehen, in dem der „Tatort“ pünktlich am Sonntagabend um 20.15 Uhr kommt, erfreut sich nach wie vor höchster Beliebtheit. 87 Prozent der Menschen in Deutschland sehen das TV-Programm immer noch auf diese traditionelle Art und Weise. Das hat das Beratungsunternehmen Deloitte ermittelt. Es gibt aber immer mehr „Doppel-Zuschauer“, die klassisch fernsehen, die aber auch Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime Video nutzen. Auf sie kommt 2018 viel Neues zu. Denn als erster frei empfangbarer deutscher Sender zeigt RTL nächstes Jahr eine Serie im hochauflösenden Bildformat 4K. Und bei den Videoanbietern kämpfen die US-Riesen Amazon, Google und Apple mit immer härteren Bandagen um Marktanteile. Die neuesten Nachrichten für deutsche Film-, Serien- und Videofans: Die Google-Tochter YouTube will sich am 1. Januar 2018 von den Amazon-Geräten zurückziehen. Dafür läuft Amazons Streamingdienst Prime Video mit jahrelanger Verspätung nun erstmals auf dem Apple TV. Wir erklären, was die Zuschauer jetzt wissen müssen.

RTL wird superscharf

5,6 Millionen 4K-Fernseher gibt es in Deutschlands Haushalten bereits. Doch ihnen fehlt das Programm. Netflix, Amazon oder Apple bieten zwar bereits Filme und Serien im neuen Format. Aber im normalen Fernsehen spielt 4K – bis auf Filme und Sport bei Sky – noch keine Rolle. Sendungen wie die „Heute-Show“ im ZDF haben sogar gerade erst auf den Vorgänger Full HD umgestellt. Doch im nächsten Frühjahr leistet RTL Pionierarbeit. Die Kölner bringen mit „Sankt Maik“ die erste deutsche Fernsehserie in 4K mit den besonders kontrastreichen HDR-Bildern, die für eine spektakuläre Optik noch wichtiger sind als die höhere Bildauflösung. Damit lässt sich beispielsweise die Farbe Gold erstmals im Fernsehen korrekt darstellen. Die zehn Folgen sind über die Satelliten-Plattform HD+ in 4K und HDR zu sehen, im Sender UHD1 – denn 4K wird auch als Ultra-HD oder UHD vermarktet. Allzu viele RTL-Zuschauer dürften die Serie über einen charmanten Trickbetrüger also noch nicht in der neuen Bildqualität sehen, doch ein Anfang ist gemacht. Laut Medienmagazin DWDL hat RTL auch bereits erste Testfolgen vom „Supertalent“ in 4K produziert und will sein Sendezentrum bis 2019 auf den neuen Standard umrüsten. Ernst Feiler, Technikchef beim TV-Produzenten UFA: „Wer einmal UHD und HDR gesehen hat, möchte nicht mehr zurück.“ Auch bei anderen Sendern regen sich erste Aktivitäten. So bietet das ZDF die neuen Folgen der „Bergretter“ in 4K und HDR an – zunächst aber nur über die Internetplattform HbbTV, die auf einigen Smart-Fernsehern läuft. Und auch der „Bergdoktor“ wird künftig zum Superscharf-Mediziner.

Google und Amazon

Auf Amazons Fire-TV-Stick (40 Euro) und auf der Fire-TV-Box (80 Euro) läuft bisher YouTube – eine technisch angenehm simple Möglichkeit, YouTube-Videos auf jeden Fernseher zu bekommen, selbst wenn das TV-Gerät noch nicht „smart“ ist. Und auch auf Amazons neuem Video-Lautsprecher Echo Show (220 Euro) ist YouTube bislang zu sehen. Doch damit soll ab Januar Schluss sein. Wenn es nicht doch noch überraschend zu einer Einigung kommt, zieht sich YouTube an Neujahr von allen Amazon-Geräten zurück. Die Apps funktionieren dann nicht mehr. Grund: Google fühlt sich von Amazon benachteiligt, weil der Versandhändler Googles Hardware nicht verkauft – weder den TV-Stick Chromecast noch den smarten Lautsprecher Home oder das Nest-Thermostat. Weitere Vorwürfe von Google an Amazon: Prime Video läuft immer noch nicht auf Chromecast. Und die YouTube-Apps sollen sich auf Amazons Geräten bewusst schlechter bedienen lassen.

YouTube-Alternative

Google hofft offenbar, mit diesem Schritt mehr eigene Chromecast-Geräte zu verkaufen. Denn nach einem Aus bei Amazon wären die Chromecast-Sticks die ideale Hardware, um YouTube auf dem TV-Gerät anzusehen. Sie kosten ohne 4K-Auflösung 34 Euro und mit 4K als Chromecast Ultra 69 Euro. Leidtragende wären die Zuschauer, die sich nach dem Willen der US-Konzerne für jeden Videodienst eigene Hardware anschaffen müssten – also Google-Geräte für YouTube und Amazon-Geräte für Prime Video.

Amazon und Apple

Beim erbitterten Kampf von Google und Amazon um Marktanteile ist Apple momentan der lachende Dritte. Denn seit letzter Woche läuft Amazon Prime Video erstmals auf Apples Fernsehbox Apple TV. Die App steht ab sofort auch in Deutschland zum Download bereit. Erwartet worden war sie schon seit Jahren, doch auch mit Apple lag der Versandhändler lange Zeit über Kreuz.

Damit ist das Apple TV nun die einzige Fernseh-Hardware, auf der alle wichtigen Dienste laufen – Netflix, Amazon Prime Video, iTunes und YouTube. Apple wirbt deshalb ab sofort mit dem Slogan „Alles, was Sie sehen wollen, an einem Platz“. Damit wird Apple TV deutlich attraktiver, trotz der hohen Preise. In der Full-HD-Version kostet die Box 159 Euro, mit 4K und HDR 199 Euro.

Ab 2018 will Apple seine Fernseh-Offensive fortsetzen, und eine Milliarde Dollar pro Jahr für eigene Inhalte ausgeben. Hierfür wurden Hollywood-Größen wie Steven Spielberg und Jennifer Aniston eingekauft. Die Konkurrenz stellt Apple aber immer noch weit in den Schatten: Amazon gibt nächstes Jahr 4,5 Milliarden Dollar für eigene Filme und Serien aus und Netflix sogar sieben Milliarden Dollar.

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