gesundheit

Handy gefährdet die Sehkraft

von Redaktion

von Jörg Heinrich

Achtung, Sehschwäche! Wer ständig auf die kurze Distanz auf sein Handy oder sein Tablet schaut, schadet den Augen enorm. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

-Was macht das Smartphone mit den Augen?

„Die meisten Menschen werden mit Tendenz zu leichter Weitsichtigkeit geboren, also mit etwas zu kurzem Auge“, legt Norbert Pfeiffer dar, Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz. Der Grund liegt in der Frühgeschichte des Menschen: Für uns war es seit jeher wichtig, gut zu erkennen, was in der Ferne passiert, wo Beute oder Feinde zu finden sind. Bei häufiger Nutzung von Smartphones oder ähnlichen Geräten muss das Auge aber ständig auf die Nähe fokussieren. Und daran passt es sich mit der Zeit an. Der Augapfel verlängert sich, weil so das Lesen in der Nähe mit weniger Muskelaufwand möglich ist. Und die Fernsicht wird dadurch immer schlechter. Das wirkt wie ein Fehler, zeigt aber nur, wie flexibel das enorm leistungsfähige menschliche Sinnesorgan Auge ist.

-Wie groß sind die Auswirkungen?

Bei Kindern und Jugendlichen, deren Augen sich etwa bis zum 15. Lebensjahr noch entwickeln, sind die Folgen einer hohen Smartphonenutzung besonders stark. Doch auch Erwachsene merken das Nachlassen der Sehleistung und zunehmende Kurzsichtigkeit (Myopie). In Asien, wo das Smartphone noch viel intensiver verwendet wird als bei uns in Westeuropa, hat sich die Zahl der Kurzsichtigen in großen Städten in den letzten Jahren auf 80 Prozent vervierfacht. In China sind es sogar über 90 Prozent. „Das kann auf keinen Fall eine genetische Entwicklung sein, sondern muss auf einer Veränderung der Lebensumstände beruhen“, meint Wolfgang Wesemann, langjähriger Leiter einer Fachschule für Augenoptik in Köln.

-Woran merke ich, dass ich oder meine Kinder betroffen sind?

Wer viel liest, wer lange zur Schule geht oder studiert, neigt in aller Regel eher zu Kurzsichtigkeit als Menschen, die viel in der freien Natur arbeiten. Das Klischee vom Bücherwurm mit Brille hat durchaus seine Gründe. Symptome einer zunehmenden Kurzsichtigkeit sind nicht nur das schlechtere Sehen in die Ferne, sondern auch Augen- und Kopfschmerzen. Wer diese Phänomene an sich oder an seinen Kindern beobachtet, sollte unbedingt zum Augenarzt gehen. Denn die Auswirkungen können weitaus schlimmer sein als nur eine leicht verschwommene Fernsicht. Durch das Wachstum des Augapfels wird die Netzhaut dünner. Sie kann Löcher und Risse bekommen, und im Extremfall sogar reißen. Das kann bis zur Erblindung führen. Rückgängig machen lässt sich die Kurzsichtigkeit nicht mehr, das Wachstum des Augapfels ist unumkehrbar. „Das ist wie bei einem Luftballon. Je stärker der aufgeblasen wird, desto dünner wird er“, erklärt Anselm Jünemann, Direktor der Augenklinik der Unimedizin Rostock.

-Wie lässt sich die Sehkraft bewahren?

Vor allem Kinder und Jugendliche sollten Smartphones, Tablets und vergleichbare Geräte maximal zwei Stunden am Tag nutzen. Diese Zeitspanne ist aber auch für Erwachsene empfehlenswert. Als bedenklich gelten vor allem Leseabstände zum Auge von weniger als 30 Zentimeter – zumal solche beleuchteten Geräte das Auge deutlich mehr anstrengen als beispielsweise Bücher.

Wer das Smartphone 30 bis 40 Zentimeter weit weg hält und dann noch gut lesen kann, entlastet seine Augen. Wenn dann allerdings nichts mehr scharf zu erkennen ist, ist ein großer Computerbildschirm die bessere Option für längere Texte.

Tipp: Nicht ständig aufs Display starren, sondern zwischendurch immer wieder in die Ferne schauen, das hält den Augenmuskel aktiv. Hilfreich sind auch häufigeres Blinzeln, das die Augen befeuchtet, und das Abdecken der Augen mit den Händen für einige Sekunden. Ganz wichtig ist es, sich mindestens eine Stunde pro Tag draußen im Hellen aufzuhalten. Denn der Blick in die Ferne entlastet die Augen. Und der Botenstoff Dopamin, der dort vermehrt freigesetzt wird, hemmt das Wachstum des Augapfels.

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