spiele

von Redaktion

Darf man ein Kunstwerk überarbeiten, verbessern, modernisieren? Eines der schönsten und berührendsten Videospiele aller Zeiten zeigt: Man darf! Bereits zum dritten Mal ist „Shadow of the Colossus“, eines der Meisterwerke des großen japanischen Spieledesigners Fumito Ueda, jetzt erschienen. Und die Neuauflage für die PlayStation 4 ist so großartig gelungen, dass man vermuten darf: So hat sich Ueda-san sein Spiel vorgestellt, als es 2005 erstmals für die PS2 erschienen ist.

Damals war die angestaubte Konsole technisch deutlich überfordert. Nun wird aus „Shadow of the Colossus“ ein optisch und akustisch zeitgemäßes Spiel – ohne dem Charme des Originals zu schaden, das es längst in Museen wie das Smithsonian American Art Museum in Washington geschafft hat. Das mit der Neuauflage betraute texanische Studio Bluepoint hat alles richtig gemacht. Die Amerikaner haben das komplette Spiel neu programmiert. Inhalt und Gameplay blieben unverändert, nur ein exzellenter Fotomodus kam dazu. Aber der Lichteinfall, die Animationen, das Stampfen der gewaltigen Kolosse, jedes Detail ist die reine Freude. Dabei bleibt Uedas fahle Welt so unbelebt, so düster wie im Original – und lässt damit der Fantasie ihren Raum.

Die Handlung bleibt japanisch-mysteriös: Spieleheld Wander macht sich mit seinem Pferd Agro auf, um ein totes Mädchen wieder zum Leben zu erwecken. Hierfür muss er 16 Kolosse besiegen. Wanders Reise, die Kämpfe gegen die gewaltigen Kreaturen, gehören mit zum Schönsten, was die Spielekultur je hervorgebracht hat. Und wer die Kolosse fällt, bekommt regelrecht Mitleid mit diesen archaischen Geschöpfen. Ein Meisterwerk, dessen Welt vor allem auch im Kopf des Spielers entsteht.

(Für PlayStation 4, ab 12 Jahren, 40 Euro)  jh

Artikel 2 von 6