Medizinkolumne

Wann sollte Mann oder Frau ausnahmsweise NICHT sporteln?

von Redaktion

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang faszinieren mich immer wieder. Zu welchen sportlichen Leistungen die Menschen in der Lage sind! Dieser Sport bedeutet Hochleistung, Wettkampf und absolute körperliche Fitness. Wir Freizeitsportler treiben aus den verschiedensten Gründen Sport: um etwas mit unseren Freunden zu unternehmen, in der Natur zu sein, abzuschalten oder um sich zu verausgaben. Doch einen Grund haben wir alle gemeinsam: etwas für die Gesundheit zu tun.

Wenn Gesundheit das alleinige Motiv ist, Sport zu treiben, können wir uns so einige Strapazen und viel Zeit sparen. Sport im Sinne von Bewegung ist gesund, aber das medizinisch sinnvolle Maß ist erstaunlich schnell erreicht. Alles darüber hinaus mag Spaß und Fitness bringen, einen zusätzlichen medizinischen Gewinn bringt es nicht. Für Sport gilt nämlich das Gleiche wie für jedes Medikament: Auf die richtige Dosis kommt es an. Allerdings gibt es beim Sport keinen Beipackzettel, mit dem man diese bestimmen könnte. Und die wenigsten finden die richtige Dosis.

Die Mehrheit ist viel zu schnell unterwegs. Warnsignale wie Seitenstechen, Schwindel oder Schmerzen werden oft ignoriert. Eigentlich verwundert einen das nicht, denn es wird uns ja von der Freizeitindustrie permanent eingehämmert, wie gesund Sport ist und mit griffigen Sprüchen untermauert: „Laufen Sie dem Herzinfarkt davon“ oder „Joggen statt Stenten“.

Sport wird in der Gesellschaft mit Gesundheit gleichgesetzt und je mehr Sport, desto mehr Gesundheit. Aber wenn für den Sport das Gleiche gilt wie für jedes Medikament, dann sollten auch Nebenwirkungen und sogenannte Kontraindikationen – also Situationen, in denen kein Sport durchgeführt werden sollte – beachtet werden.

Das sind fiebrige Erkältungskrankheiten wie Virusinfektionen. Diese Infektionen erhöhen die Aktivität des Immunsystems, welches den Krankheitserreger eigentlich bekämpfen soll. In der Folge tritt Fieber auf und der Körper ist geschwächt. Wer mit einer solchen Infektion Sport treibt, schadet seinem Körper, weil mindestens zwei Stressfaktoren gleichzeitig auf den Körper einwirken: die Infektion selbst und die zusätzliche Anstrengung durch den Sport. Das Immunsystem wird dadurch überbeansprucht, die Viren können sich im gesamten Körper vermehren und im schlimmsten Fall tun sie das sogar im Herzmuskel. Die Folge ist eine Herzmuskelentzündung oder auch Myokarditis. Spätestens jetzt ist eine strikte Schonung angesagt, damit sich keine bedrohlichen Herzschwächen oder gefährliche Rhythmusstörungen entwickeln können.

Kommt es im Verlauf einer Grippe zu Luftnot oder Herzschmerzen, müssen Sie sofort einen Herzspezialisten aufsuchen. Und wann darf man nun wieder mit dem Sport beginnen? Nach Krankheiten, die mit Fieber einhergingen, müssen Sie eine längere Pause von einigen Wochen einlegen und nur langsam wieder einsteigen. Bewegung ist gut, um nicht zu sagen sehr gut. Aber bei einer schweren Erkältung ist weniger definitiv mehr.

HERZENSSACHE

von Dr. Barbara Richartz

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