Die Nieren leiden lange Zeit nur stumm

von Redaktion

Die Niere ist die „Waschanlage des Körpers“ und damit ein lebenswichtiges Reinigungsorgan. Doch mit den Jahren steigt das Risiko für eine schwächelnde Niere. Dazu kommt, dass viele Nierenerkrankungen schmerzlos sind – und zu spät bemerkt werden. Deshalb ist Vorsorge so wichtig, sagt Prof. Clemens Cohen, Chefarzt am Klinikum München-Harlaching.

-Woran erkenne ich ein Nierenleiden?

Nierenerkrankungen tun oft nicht weh. Warnsignale sind schäumender oder roter Urin, neuer Bluthochdruck oder Wassereinlagerungen an den Beinen oder Augenlidern. Erst im fortgeschrittenen Stadium berichten Patienten von Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit oder geringen Urinmengen. Wenn der Verdacht auf eine Erkrankung vorliegt, werden Urin und Blut untersucht. Blut- und Eiweißspuren deuten dabei auf eine geschädigte Filterfunktion der Niere hin.

-Was genau sind akute und chronische Nierenversagen?

Die Niere ist eines der am besten durchbluteten Organe. Schädigen Autoimmunerkrankungen, Kreislaufversagen oder Medikamentennebenwirkungen die Niere, kommt es zum akuten Nierenversagen. Giftige Stoffwechselprodukte des Körpers können nicht mehr ausgeschieden werden und sammeln sich im Blut an. Mit Therapien versuchen Ärzte dann, die Nierenfunktion zu verbessern. Gelingt das nicht oder haben chronische Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck die Nieren über Jahrzehnte geschädigt, kommt es zum chronischen Nierenversagen. Dann müssen die Funktionen der Niere ersetzt werden – durch Medikamente, Diät oder, im fortgeschrittenen Fall, durch „Blutwäsche“ (Hämodialyse oder Bauchfelldialyse) bzw. eine Transplantation.

-Grundsätzlich gefragt: Was schadet unseren Nieren?

Ab dem 30. Lebensjahr nimmt die Nierenleistung langsam ab. Problematisch wird das aber nur, wenn weitere Faktoren belastend hinzukommen: allen voran Bluthochdruck und Diabetes, aber auch Nikotin sowie salz- und zuckerreiche Ernährung. Auch rezeptfreie Medikamente, zum Beispiel Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen, greifen das Nierengewebe an.

-Frauen sind von Nierenerkrankungen stärker betroffen: Auf was müssen sie achten?

Frauen haben eine kürzere Harnröhre als Männer und sind daher anfälliger für Harnweginfekte. Auch Autoimmunkrankheiten, die den Nieren dauerhaft schaden können, betreffen Frauen häufiger. In der Schwangerschaft kann es ebenfalls zu Problemen kommen, die mit massiven Wassereinlagerungen und hohen Blutdruckwerten einhergehen.

-Hilft Nieren- und Blasentee wirklich?

Etwa 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit sollten Erwachsene pro Tag trinken. Das reicht meist, um die Nieren gesund zu halten. Am besten sind Wasser und ungesüßte Tees. Bei Menschen, die unter chronischen Nieren- oder Herzkrankheiten leiden, gilt der Leitspruch „Viel trinken hilft viel“ oft nicht. Zu viel Flüssigkeit kann hier schaden. Eine positive Wirkung von Nierentees konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Leitungswasser ist viel günstiger.  mm

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