Nur wenige Minuten nach Sonnenuntergang leuchtet am noch hellen Westhimmel im Mai ein Lichtpunkt auf – die Venus. Noch lange bevor in der zunehmenden Dunkelheit die Sterne erscheinen, sieht man in der fortschreitenden Abenddämmerung unseren inneren Nachbarplaneten. Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang glänzt dann Venus als helles Gestirn am Westhimmel. Am 17. passiert die schmale Sichel des zunehmenden Mondes die Venus, ein netter Anblick über dem Nordwesthorizont. Gegen 23 Uhr geht der Abendstern dann unter.
Nach Untergang der Venus beherrscht Jupiter als hellster Planet den Nachthimmel. Am 9. Mai steht er der Sonne genau gegenüber. In der Oppositionsstellung geht Jupiter zu Beginn der Nacht im Südosten auf, erreicht kurz nach Mitternacht seine Höchststellung im Süden und geht zu Tagesanbruch im Südwesten unter.
Im Fernrohr erkennt man auf Jupiter die Wolkenstreifen und -bänder in seiner dichten Atmosphäre. Auch zeigt sich das Planetenscheibchen im Fernrohr nicht kreisrund, sondern oval. Denn der Jupiterglobus ist infolge seiner schnellen Drehung deutlich abgeplattet.
Mars beherrscht die zweite Nachthälfte. Seine Helligkeit verdoppelt sich im Laufe des Monats. Nach Untergang der Venus ist Mars zweithellster Planet am Himmel. Nur noch Jupiter ist heller als er. Am 22. beginnt auf der Mars-Nordhalbkugel der Herbst. Da die Marsachse ähnlich wie die Erdachse zu seiner Umlaufebene geneigt ist, kommt es auch auf unserem äußeren Nachbarplaneten zu Jahreszeiten. Sie dauern allerdings jeweils doppelt so lange wie auf der Erde, da Mars zwei Jahre benötigt, um einmal um die Sonne zu gelangen.
Saturn im Sternbild Schütze taucht in der zweiten Nachthälfte im Südosten auf. Der Ringplanet verlagert seine Aufgänge in die Zeit vor Mitternacht. Anfang Mai geht er eine Viertelstunde nach ein Uhr nachts auf, zu Monatsende wenige Minuten nach 23 Uhr. Beeindruckend ist es, Saturn mit seinem imposanten Ringsystem in einem Teleskop bei 200-facher Vergrößerung zu betrachten. In kleineren Fernrohren kann man ab 30-facher Vergrößerung den Saturnring erkennen.
Neumond tritt am 15. exakt um 13.48 Uhr ein. Den voll beleuchteten Erdtrabanten sieht man am Abend des 29., wobei die exakte Vollmondposition bereits um 16.20 Uhr erreicht wird. Am 6. hält sich der Mond mit 404 460 Kilometer in Erdferne auf. Seinen erdnächsten Bahnpunkt passiert er am 17., wobei er bis auf 363 780 Kilometer an unseren Heimatplaneten herankommt.
Den gesamten Mai über flammen die Sternschnuppen der Aquariden auf. Beobachtbar sind sie am Morgenhimmel vor Dämmerungsbeginn. Der Ausstrahlungspunkt liegt im Sternbild Wassermann. Im Schnitt sind zwanzig Meteore pro Stunde zu erwarten. Das Maximum liegt am 6. Mai.
Hoch am Himmel, fast im Zenit, erblickt man am späten Abend gegen 23 Uhr den Großen Wagen. Am Westhimmel neigt sich der Löwe dem Horizont zu. Knapp über dem Westhorizont erkennt man noch Kastor und Pollux, die beiden hellen Zwillingssterne. Im Süden passiert gerade die Jungfrau mit der bläulichen Spica die Mittagslinie.
Die Sonne nähert sich ihrem Höchststand, den sie allerdings erst im Juni erreicht. Am 21. tritt sie um 3 Uhr morgens in das Tierkreiszeichen Zwillinge. Ulrich Keller