-Gibt es eine Glücksformel für gute, lange Paarbeziehungen?
Glückliche Paare begreifen sich stets als Teamspieler: Es gibt ein Problem? Gut, dann schauen wir gemeinsam, was wir dagegen machen können. Wir fallen uns nicht gegenseitig in den Rücken, indem wir uns – womöglich auch noch vor anderen – die Schuld am Problem geben. Wir packen dieses Problem zusammen an und lösen es.
-Worin unterscheiden sich glückliche Paare noch von weniger glücklichen?
Glückliche Paare sind nicht insgeheim ständig am Vergleichen und auf der Suche nach einem potenziell „besseren“ Partner. Sie haben sich entschieden und stehen zu dieser Entscheidung. Punkt. Sie halten sich kein Hintertürchen offen, weder innerlich, noch äußerlich. Und: Glückliche Paare finden für sich ein gutes Gleichgewicht aus Führen und Sich-führen-lassen. Mal übernimmt der eine die Führung, mal der andere. Da ist Bewegung drin, Elastizität. Es gibt kein starres Dominanz-Unterordnungs-Gefälle.
-Was ist auch wichtig?
Glückliche Paare sind gut darin, Distanz und Nähe immer wieder neu auszubalancieren. Eine langjährige Beziehung zeichnet sich natürlich durch viel Intimität und Nähe aus – etwas, was man in Kurzzeitbeziehungen in dieser Form nie erreichen würde. Das macht sie auch so besonders. Andererseits ist es wichtig, immer wieder ein bisschen Distanz zueinander zu halten, sonst hat man zwar irgendwann jede Menge Intimität, aber keine Erotik und Spannung mehr drin, denn beides lebt von Distanz und Fremdheit.
-Das klingt alles ganz einfach. Wieso trennen sich dann viele Menschen recht schnell wieder?
Pointiert könnte man sagen: Viele Ausstiegshürden aus einer Beziehung sind heute niedriger denn je, während gleichzeitig die Suche nach einem Alternativpartner einfacher erscheint als je zuvor …
-… was meinen Sie denn damit konkret?
Früher waren Frauen wirtschaftlich abhängig – sie konnten sich eine Trennung nicht leisten. Das religiöse Dogma der unauflöslichen Ehe hatte größeren Einfluss als heute. Und auch die gesellschaftliche Stigmatisierung Geschiedener war extrem. Mit dem allmählichen Wegfall dieser von außen „beziehungsstabilisierenden“ Faktoren schlug das Pendel dann erst mal in die andere Richtung aus.
-Also war früher doch alles besser?
Mitnichten! Was aber besser lief, war, dass man nicht ständig alles infrage stellte. Das kann nämlich unglaublich kräftezehrend und destruktiv sein, wenn man sich nie festlegen will, aus der irrationalen Angst heraus, etwas vermeintlich Besseres zu verpassen. Man bleibt immer mit einem Fuß außerhalb der Tür stehen, lässt sich weder auf einen Partner noch einen Lebensentwurf ein. Es erzeugt einen unheimlichen Stress, wenn man dauernd das Gefühl hat, man müsse sein Leben jederzeit und in jeder Hinsicht optimal gestalten – selbst in der Partnerschaft. So funktioniert das Leben einfach nicht!
-Sondern wie genau?
Es schmeißt uns Knüppel zwischen die Füße, es fordert uns heraus, und wenn du willst, dass Gott lacht, dann mach’ Pläne. Das gilt heute genauso wie früher. Nur bilden wir uns heute schnell ein, dass das nicht so sein dürfe, sitzen einem Machbarkeitswahn auf und suchen nach einem Schuldigen für das, was nicht gut läuft. Und da bietet sich der Partner halt gern als Erstes an. Ich bin nicht glücklich? Alles seine Schuld! Mit jemand anderem wäre das alles besser! Das ist völliger Unfug.
-Wie geht es besser?
Im Idealfall kann man aneinander wachsen: Das, was mich am Partner stört, sagt in aller Regel viel mehr über mich selbst aus als über meinen Partner. Wenn ich bereit bin, mich selber zu hinterfragen und wertschätzend mit meinem Partner und meiner Beziehung umzugehen, kann sich daraus für beide eine wunderbare Weiterentwicklung ergeben. Aber wenn ich bei jedem Ärgernis gleich meinen Partner zur Schnecke mache und anfange, nach Alternativen Ausschau zu halten, kommt da nichts in Gang. Dann nehme ich meine eigenen Probleme einfach nur mit in die nächste Beziehung.
-Hand aufs Herz: Wann ist eine Beziehung am Ende?
Zum Beispiel dann, wenn Frauen körperlich oder seelisch misshandelt werden. Das sind Probleme, die so schwerwiegend sind, dass die Beziehung nicht überlebt. Um es hier aber noch mal deutlich zu sagen: Ich bin eine glühende Verfechterin von Langzeitbeziehungen. Ich finde es immer wieder schade, wenn Paare die Flinte zu früh ins Korn werfen und damit all das aufgeben, was sie sich in vielen Jahren an Schönem zusammen aufbauen konnten. Speziell dann, wenn noch kleinere Kinder da sind, die leiden schrecklich unter einer Trennung der Eltern! Aber es gibt Grenzen für das, was man an gegenseitigen Kränkungen und Verletzungen „kitten“ kann. Und wenn eine solche Grenze überschritten ist, ist ein klarer Schnitt für alle Beteiligten eine Erlösung.
Das Interview führte: Barbara Nazarewska