Australien ist ein Paradies für Liebhaber von frischem Obst: Das ganze Jahr über gibt es frischen Spargel und zuckersüße Erdbeeren, Himbeeren oder Heidelbeeren. Doch Nele (13) hatten es besonders die Zitronen (aus Nachbars Garten gepflückt) in Down Under angetan. Diese sind ideal zum Backen geeignet: „Weil sie so ein intensives Aroma haben“, sagt die junge Hobbybäckerin, auf deren Schürze „Baking Queen“ steht. Über zwei Jahre hat sie mit ihren Eltern und ihren beiden Brüdern Linus und Mats in Australien gelebt, seit Kurzem sind die Meissners wieder zurück in Ismaning.
Viel erinnert in ihrem Zuhause an die Zeit in Melbourne: In der Küche hängt eine Uhr, auf der statt Ziffern die Stadtteile der Metropole die Zeit anzeigen. Auf der Butterdose prangt das australische Wappen, die Ofenhandschuhe haben die Form von Koala-Bären. Im Bücherregal steht „The Cook’s Companion“ von Stephanie Alexander, das Standardwerk der australischen Küche.
„In Melbourne habe ich mit dem Backen angefangen. Wann immer ich Zeit hatte, habe ich mit meinen Freundinnen Livia, Jessi, Celine, Lauren und Emma nach der Schule Muffins oder einen Kuchen gemacht“, erzählt Nele. Als die Familie innerhalb Melbournes umzog, stellte sie sich mit selbst gebackenen Muffins bei den neuen Nachbarn vor. „Das kam gut an.“ Fotos von ihren Backwerken hat Nele auf ihrem Handy, das aufwendigste war eine zweistöckige Torte.
Das sind jedoch nicht die einzigen Erinnerungsstücke an die Zeit in Australien. Nele trägt zum Backen Uggs. Das sind mit Schaffell gefütterte Stiefel, die hierzulande seit ein paar Jahren Kultstatus genießen. Nele benutzt ihre Uggs allerdings als Hausschuhe, „so wie es die Australier auch machen“. Die Menschen dort „lachen sich schlapp, weil die Europäer Uggs als Straßenschuhe verwenden. Das ist in Down Under total unüblich“, erzählt sie grinsend. Lediglich die Chinesen würden sich nicht an diese Mode-Regel in Australien halten. Wie so oft gilt die Regel: andere Länder, andere Sitten.
Zum Neustart in Deutschland hat Nele zu Weihnachten eine Küchenmaschine bekommen – „davon profitiert jetzt die ganze Familie“, freuen sich Mama Andrea und Papa Marc. Fast jedes Wochenende steht jetzt ein selbst gebackener Kuchen auf dem Tisch, an besonderen Festtagen ist das sowieso der Fall. „Wenn man einen Kuchen bäckt, muss man sich keine Gedanken machen, was man verschenken kann“, sagt Nele. Für Papa Marc hat sie zum Geburtstag im Januar einen Schokoladenkuchen gebacken – „etwas verunglückt“ zwar, wie sie zugibt, dafür aber „umso besser“: Weil der Kuchen in der Mitte eingesunken war, hat Nele ihn kurzerhand mit Schokoladenpudding aufgefüllt und mit einer Marzipan-Schicht zugedeckt. „Der hat allen wunderbar geschmeckt“, sagt sie und überlegt: „Vielleicht wird das sogar der neue Standard-Geburtstagskuchen bei uns.“
Anregungen für neue Kuchen holt sich Nele – typisch 13-Jährige – im Internet, auf Youtube. „Sallys Welt“ ist ihr großes Vorbild. Ein Tablethalter steht neben der Küchenmaschine, so kann die Jugendliche jederzeit im Rezept nachlesen oder nach Tipps surfen, wenn doch mal eine Panne passiert ist. „Meine besten Rezepte drucke ich mir dann aber doch aus und hefte sie ab. So habe ich sie jederzeit griffbereit.“ Wie den Zitronenkuchen beispielsweise.
Jetzt zu Muttertag macht Nele einen Zitronenkuchen. „Der schmeckt so herrlich sommerlich und erinnert uns an Australien.“ Der Kuchen ist zudem schnell gebacken und muss anschließend gut auskühlen. Denn die junge Bäckerin möchte den Kuchen mit einem sogenannten „Icing“ verzieren. Das ist eine bunt eingefärbte Buttercreme, wie sie in englischsprachigen Ländern gerne verwendet wird. Wartet man nicht lange genug, zerläuft die bunte Buttercreme. „Und das sieht dann lang nicht mehr so schön aus.“
Weil die Schule sie hier mehr als in Australien in Beschlag nimmt, kommt die Sechstklässlerin nur noch maximal einmal in der Woche zum Backen. Wenn, dann freuen sich jedoch alle in der Familie, dass sich die Ismaninger „Baking Queen“ wieder ans Werk gemacht hat. Neles Kuchen schmecken eben allen.