Geschwollene Beine, schwere Luftnot, Todesangst – Diagnose: „dekompensierte Herzinsuffizienz“. Übersetzt bedeutet das Wassereinlagerungen in Lungen und Beinen auf dem Boden einer Herzschwäche. Es ist, wie man sich leicht denken kann, eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, die selbstverständlich stationär, das heißt im Krankenhaus, behandelt werden muss. Und die Frage ist: Wann geht man am besten ins Krankenhaus?
Genau das haben jetzt US-amerikanische Wissenschaftler analysiert, indem sie fast eine Million Krankenhauseinweisungen wegen Herzschwäche durchforstet haben. Ergebnis: Die längsten Klinikaufenthalte hatten Patienten, die Anfang Januar ins Krankenhaus kamen. In diesem Monat war auch die Wahrscheinlichkeit am größten, an einer Herzschwäche zu sterben.
Ein besonders guter Tag für die stationäre Aufnahme war der Montag, besonders schlecht sah es für den Freitagnachmittag aus. Hier waren Krankenhausdauer und Sterblichkeit am höchsten. In Bezug auf die Uhrzeit war es am günstigsten, zwischen 24 Uhr nachts und 6 Uhr morgens in die Klinik zu kommen. Den ungünstigsten Verlauf zeigten Patienten, die zwischen 12 Uhr mittags und 18 Uhr aufgenommen wurden.
In diesem Zusammenhang stießen die Forscher auch auf eine andere Beobachtung: Operationen, die am offenen Herzen durchgeführt werden, verlaufen wesentlich besser zwischen 12 und 18 Uhr. Also genau in dem Zeitfenster, in dem die stationären Aufnahmen einen ungünstigen Verlauf zeigen. Ein Zufall? Ist es wirklich wahr, dass Überleben und Komplikationsraten bei Herz-OPs von der Tageszeit des Eingriffs abhängig sind?
Herzchirurgen haben daher fast 600 Patienten nach Herzoperationen nachuntersucht. Und tatsächlich kam es innerhalb des ersten Jahres nach dem Eingriff bei Patienten, die am Nachmittag operiert worden waren, zu deutlich weniger Herzinfarkten oder zu einer Entwicklung einer Herzschwäche als bei den morgens operierten Patienten. Das Ärzteteam fand allerdings heraus, dass es nichts mit der Operation selbst oder dem Operateur zu tun hatte.
Die Herzmuskelzellen der nachmittags operierten Patienten erlangten deutlich schneller ihre Pumpfunktion wieder. Somit scheint das Herz einem Biorhythmus zu unterliegen. Und vielleicht kann man diese Erkenntnis in den Klinikalltag integrieren. Logistisch ist es natürlich nicht machbar, alle Operationen auf den Nachmittag zu legen. Doch könnte man Hochrisikopatienten bevorzugt am Nachmittag operieren. Doch wie sieht es mit dem Timing der Krankenhausaufnahmen aus?
Warum hatten die Patienten, die im Januar aufgenommen wurden, eine so schlechte Prognose? Auch hier war die Antwort recht einfach: Weil sie zu lange gewartet haben! Sie wollten Weihnachten und Neujahr zu Hause bleiben und haben dadurch wertvolle Zeit bei der Therapie verstreichen lassen.
Die gleiche Erklärung gilt für die Patienten, die erst morgens in die Klinik kommen. Herzbeschwerden verschlechtern sich in der Regel in den Abend- und Nachtstunden. Wenn Herzkranke sofort in die Klinik gehen, haben sie eine deutlich bessere Prognose, als wenn sie sich bis zum Morgen durchquälen. Das Fazit ist: Nicht nachts in die Notaufnahme, sondern bei Beschwerden sofort – egal zu welcher Tageszeit!
HERZENSSACHE
von Dr. Barbara Richartz