Vielleicht liegt es an der Bewegung auf dem Spielplatz: Die ist gut für das Herz-Kreislauf-System. Vielleicht macht aber auch das Geschichtenerzählen einiges aus: Das hält geistig fit. Wie dem auch sei – offensichtlich ist nur eines: Großeltern, die sich um ihre Enkel kümmern, leben länger. Das haben jetzt Berliner Wissenschaftler um Professor Ralph Hertwig vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung herausgefunden.
Die Auswertung von Daten der sogenannten „Berliner Altersstudie“ spricht eine klare Sprache. Hierfür werden Menschen im Alter von 70 bis 103 Jahren regelmäßig zu ihrer Lebenssituation befragt. Das Ergebnis: Von den Großeltern, die sich um ihre Enkelkinder kümmerten, lebten zehn Jahre nach der ersten Datenerhebung noch die Hälfte. Von den Senioren, die sich nicht für Enkelkinder engagierten, war indes die Hälfte bereits nach fünf Jahren gestorben.
Voreilige Schlüsse sollte man daraus allerdings nicht ziehen, warnt Experte Hertwig – zumal das nicht für Großeltern gelte, die sich permanent einbringen würden. So zeigten schon frühere Untersuchungen: Wenn Oma und Opa ihre Enkel rund um die Uhr betreuen, trifft dieser Effekt nicht zu, ganz im Gegenteil sogar. Denn im Übermaß erzeugt die Enkelbetreuung natürlich Stress. Der wiederum wirkt sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit aus – und damit auch automatisch auf die Lebenszeit.
Wo die Belastungsgrenzen von Oma und Opa liegen, ist freilich ganz unterschiedlich – und sehr individuell. „Es gilt, das goldene Mittelmaß für sich zu finden“, sagt Hertwig. Erst dann können Großeltern vom Kümmern um die Enkelkinder profitieren. Besonders wichtig sei dabei jedoch auch, dass die Motivation zur Hilfe von innen heraus komme, man sollte sich nichts aufdrängen lassen – und auch keine Gegenleistung erwarten. „Wer dies tut, kann beim Ausbleiben schnell frustriert sein“, sagt Psychologe Hertwig.
Für Erhard Hackler sind solche Ratschläge eine Selbstverständlichkeit. Er ist Geschäftsführer der Deutschen Seniorenliga – und selbst Großvater. Er findet, dass die Betreuung von Enkelkindern Körper und Geist fit hält: „Man macht einfach alles mit. Egal, ob es Fangenspielen oder Schwimmengehen ist. Ohne Enkel würde man das eher nicht tun.“
Trotzdem ist es völlig in Ordnung, wenn Großeltern sich nicht ständig um ihre Nachkommen kümmern wollen – sei es aus gesundheitlichen Gründen, aus Zeitmangel oder weil sie schlichtweg keine Lust haben. Wer als Oma oder Opa nicht immer Sorge für seine Enkelkinder tragen möchte, sollte das aber gegenüber dem eigenen Kind offen zugeben, rät Experte Hackler: „Man kann zum Beispiel sagen: ,Wir lieben die Enkelkinder sehr, aber wir haben schon dich großgezogen und brauchen jetzt auch mal unsere Freiräume.’“
Umgekehrt kann auch profitieren, wer selbst (noch) keine Enkelkinder hat: Denn auch anderes soziales Engagement wird mit einer höheren Lebenserwartung in Verbindung gebracht. Als Alternative zur Enkelbetreuung bieten sich Ehrenämter an, in denen Senioren ebenfalls unter Leute und in Bewegung kommen. Das kann eine Tätigkeit in einer Kita, einem Krankenhaus oder einem Seniorenzentrum sein. Auch die Betreuung eines Kindes aus der Nachbarschaft oder die emotionale Unterstützung eines Freundes in Not kommt vielleicht infrage.
„Wichtig für ein gutes langes Leben ist vor allem das Gefühl, gebraucht zu werden“, sagt Professor Christoph Englert vom Leibniz-Institut für Alternsforschung. Deshalb ist es so wichtig, auch im Alter eine Aufgabe zu haben. Das kann die Enkelbetreuung sein – muss es aber nicht. Wie ein Mensch altert, hängt zudem stark vom Altersbild der jeweiligen Gesellschaft ab, erklärt Experte Englert. Das sei allerdings in Deutschland im Gegensatz zu asiatischen Ländern eher schlecht, ganz nach dem Motto: „Jeder will alt werden, aber keiner will es sein.“ Ältere Menschen gelten als Belastung, da vor allem negative Aspekte des Alterns öffentlich wahrgenommen werden – statt die positiven. Das wiederum hat gravierende Folgen für die Lebensqualität. Der Alternsforscher plädiert daher dafür, mit diesem Stereotyp aufzuräumen: „Auch im Alter kann man leistungsfähig sein – und seine Enkel im Memory schlagen oder etwas Neues lernen.“
Natürlich hängen Gesundheit und Lebenserwartung noch von vielen weiteren Faktoren ab. Und nicht alle lassen sich beeinflussen. Einige aber schon: „Als Erstes sollte man mit dem Rauchen aufhören – das befördert schnelles Altern“, erklärt Experte Englert. Wer sich dann noch gesund ernährt und aktiv bleibt, steigert seine Chancen auf ein langes Leben. Übrigens: Auch eine feste Partnerschaft erhöhe die Lebenserwartung – vor allem bei Männern.