Kurznachrichtendienst

Nun kommt der große Twitter-Ärger

von Redaktion

Die Berg-und-Talfahrt bei Twitter geht weiter. Zwischenzeitlich hatte sich der Aktienkurs des Kurznachrichtendienstes innerhalb eines Jahres verdreifacht. Zuletzt ging es wieder um fast 30 Prozent nach unten, nachdem Twitter Millionen gefälschter Konten geschlossen hat. Und nun droht weiterer Ärger, der ganz konkret auch viele deutsche Twitter-Nutzer betrifft. Hintergrund sind massive technische Änderungen, die am 16. August in Kraft treten.

-Was passiert am 16. August?

An diesem Tag führt Twitter drastische Neuerungen an seiner Programmierschnittstelle (API) ein, die die Funktionen externer Twitter-Apps wie Tweetbot, Twitterrific oder Tweetings stark beschneiden. „Viele Leute wissen noch gar nicht, dass ihre bevorzugte Twitter-App bald nicht mehr wie gewohnt funktioniert“, warnen die App-Entwickler auf ihrer Protest-Website apps-of-a-feather.com.

-Was sind die Folgen?

Wer diese beliebten Programme zum Twittern nutzt, erhält künftig keine Benachrichtigungen mehr, wenn andere Nutzer einen Beitrag favorisieren, wenn sie eine Antwort oder eine Direktnachricht schreiben, oder wenn ein Follower dazukommt. Schlimmer noch: Das Anzeigen der Tweets quasi in Echtzeit funktioniert dann ebenfalls nicht mehr. Dadurch kann es durchaus zu ein bis zwei Minuten Verzögerung beim Aufruf von Nachrichten kommen. Gerade der Live-Charakter, der Twitter bei Fußballspielen oder anderen Großereignissen so spannend macht, wird dadurch ruiniert.

-Warum gibt es überhaupt solche Third-Party-Apps?

Erfahrene Nutzer wissen, dass Twitter quasi zweimal existiert – auf der einen Seite die offizielle App und die offizielle Website twitter.com, und auf der anderen Seite die Apps unabhängiger Hersteller. Das Nutzererlebnis, wie es heute heißt, ist dabei komplett unterschiedlich. Twitter selbst würfelt sowohl per App als auch auf der Website die Timeline eines Nutzers komplett durcheinander. Funktionen wie „Falls du es verpasst hast“ oder „Was dir auch gefallen könnte“, sowie priorisierte Tweets, „Trends“ und Werbung sollen ähnlich wie bei Instagram für Unterhaltung und Abwechslung sorgen, nerven viele erfahrene Twitter-Nutzer aber extrem. Im Gegensatz zu diesem Wirrwarr liefern Apps wie das exzellente Tweetbot (ab 5,49 Euro) für iOS und Mac eine aufgeräumte Timeline, die ausschließlich chronologisch angezeigt wird und die auf Werbung verzichtet. Weil Twitter damit massiv Werbekunden entgehen, will es solche Apps möglichst aus dem Markt drängen.

-Welche Tricks helfen ab 16. August?

Beste Lösung scheint derzeit zu sein, weiterhin mit der gewohnten Third-Party-App zu twittern, zu lesen und zu schreiben – und sich zusätzlich die offizielle Twitter-App für Push-Benachrichtigungen oder für besonders aktuelle Ereignisse zu installieren. Einigermaßen brauchbare Alternative, wenn auch nur auf PC und Mac, ist das mehrspaltige Tweetdeck (tweetdeck.twitter.com), das direkt von Twitter stammt und das ebenfalls noch eine chronologische Timeline anzeigt.

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