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Tinte endlich billiger als Champagner

von Redaktion

von jörg heinrich

Die unabhängige Stiftung Warentest hat erstmals seit drei Jahren wieder Druckerpatronen von Fremdanbietern getestet und kommt zu erstaunlich positiven Ergebnissen. Zudem haben die Tester erstmals einen Drucker eines großen Herstellers gefunden, der zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten erstklassige Ausdrucke liefert. Hier die wichtigsten Infos zur neuerdings entschärften „Drucksituation“.

Kein Boykott mehr

Jahrelang verweigerten viele Drucker den Betrieb mit Tintenpatronen von Fremdherstellern. So wollten die Hersteller HP, Epson & Co. ihr lukratives Geschäft schützen.

Nachdem dies zuletzt zu Gerichtsprozessen führte und HP sogar eine Sperr-Software zurückziehen musste, haben die Druckerhersteller ihre Schutzmaßnahmen offenbar entschärft. Die vier aktuellen Drucker, mit denen Warentest die Fremdpatronen überprüfte – der Brother MFC-J5720DW für 230 Euro, der Canon Pixma MG5750 für 85 Euro, der Epson Expression Home XP-432 für 115 Euro und der HP Officejet 3830 für 85 Euro –, akzeptierten fast ausnahmslos alle Fremdpatronen. Wer bisher viel Geld für Tinte ausgegeben hat, könnte mit einem neuen Drucker langfristig also einiges sparen.

Genau nachrechnen

Patronen mit Fremdtinte können deutlich günstiger als das Original sein – doch es gibt auch Gegenbeispiele. Mit den Patronen von Agfaphoto für den HP-Drucker kosten Farbausdrucke zehn Prozent mehr als mit der Originaltinte und Schwarz-Weiß-Seiten sogar 30 Prozent mehr. Fremdtinte von KMP im Brother-Drucker ist beim Schwarz-Weiß-Druck sogar doppelt so teuer wie das Original. Doch das sind Ausnahmen. In aller Regel liegen die Einsparungen zwischen 20 und maximal 80 Prozent. Ein Beispiel: Bei Brother kostet das Original-Set aus farbiger und schwarzer Tinte 60 Euro. Bei Fremdtinte von Pearl/iColor sind es lediglich 16 Euro, und sie druckt trotzdem „befriedigend“. Hier hilft nur: Testberichte lesen, ausprobieren und genau nachrechnen.

Die beste Fremdtinte

Die größten Einsparungen bei immer noch guter Qualität liefern Patronen für Brother, Epson und HP. Bei Canon leidet die Qualität durch die Fremdtinte meist deutlich mehr. Die Agfaphoto-Tinte für den Brother-Drucker spart 50 Prozent, kommt bei Warentest aber dennoch auf die Top-Note 1,8 – genau wie die Originalpatrone. Bei Epson spart die Patrone von KMP bis zu 40 Prozent, überzeugt aber dennoch mit der „guten“ Note 2,4. Wer bei der Qualität Abstriche machen kann, weil es beispielsweise nicht auf die Wisch-, Wasser- und Lichtbeständigkeit der Ausdrucke ankommt, kann noch mehr sparen. Die Peach-Patronen sind im Brother-Drucker 80 Prozent billiger und im Canon bis zu 70 Prozent – bei allerdings etwas schlechteren Ausdrucken.

Papier entscheidet

Generell gilt, dass es zumindest im Warentest keine „guten“ und „schlechten“ Hersteller von Fremdpatronen gibt. Das Ergebnis hängt immer von der Kombination mit dem jeweiligen Drucker ab. Auch hier kommt es aufs Ausprobieren an – und aufs Papier. Denn der Test hat erneut gezeigt, dass die Papierqualität einen ganz entscheidenden Einfluss aufs Druckergebnis hat. Wer ein paar Euro mehr für hochwertigeres und dickeres Papier um die 100 Gramm pro Quadratmeter ausgibt, erzielt auch mit Fremdtinte meist deutlich bessere Ergebnisse mit brillanteren Farben.

Und noch ein wichtiger Tipp für Käufer von Fremdpatronen: Die Herstellergarantie wird durch die Verwendung ausdrücklich nicht beeinträchtigt. Zudem wurde bei Warentest noch nie ein Drucker durch solche Patronen beschädigt.

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