-Wolltest du schon immer Polizist werden?
Als ich drei Jahre alt war, haben mich Ausbilder von der sogenannten Polizei-Reiterstaffel angeschaut – und getestet. Das heißt, einer ist auf mir geritten, und zwar in drei Gangarten: Schritt, Trab und Galopp. Also langsam, ein bisschen schneller und richtig flott. Mehr konnte ich mit drei Jahren noch nicht. Doch das muss ich ganz gut gemacht haben – und deshalb durfte ich dann Polizist werden.
-Dafür musstest du aber erst mal in die Schule gehen, oder?
Na ja, als Pferd war ich natürlich nie in einer Grundschule oder so. Ich habe zuerst eine Ausbildung gemacht: zum Dressur- und Springpferd. Das heißt: Ich habe das Springen über Wassergräben gelernt und auch das Pirouettendrehen, das sind Drehungen um einen selbst. Später kam eine polizeiliche Lehre dazu: Da musste ich über Luftballons und Plastikflaschen laufen, die auf dem Boden lagen. Bin ich draufgetreten, haben sie Geräusche gemacht – oder die Luftballons flogen herum. Das klingt lustig, ich weiß. Aber ich selbst musste mich erst einmal dran gewöhnen. Zwischendrin sind nämlich auch mal Luftballons geplatzt. Und diese lauten Geräusche, die ganz plötzlich kommen, sind schrecklich für meine empfindlichen Ohren. Heute bringt mich aber nichts mehr aus der Ruhe – nicht mal ein richtiger Gewehrschuss!
-Das hört sich aber nicht nur nach Spaß an …
Ist Schule bei euch Zweibeinern immer nur spaßig? Auch ein Polizeipferd muss viel lernen! Wir sind aber auch verspielt und wollen nicht nur doof in der Box herumstehen – viel zu langweilig! Unsere Reiter haben deshalb auch mal Dosen an Seile gehängt. Wenn einer meiner tierischen Mitschüler dann eine Dose ins Maul genommen und daran geschüttelt hat, wurd’s richtig laut. Super!
-Kommst du mit deinen tierischen Klassenkameraden gut klar?
Natürlich mag ich den einen lieber und den anderen weniger. Aber wir müssen oft alle zusammenarbeiten – und mittlerweile klappt das auch gut. Am Anfang war es nicht einfach für mich, immer zwischen anderen Pferden zu laufen und mich brav einzureihen. Denn meistens traben wir in Formationen: Das heißt, vorne laufen zwei Pferde nebeneinander, dahinter sind es vier, dann sechs, dann acht … Das kann schon fad sein. Aber es gibt ja überall Dinge, die man nicht so mag.
-Hast du immer die gleiche Reiterin?
Ja, denn ich bin ein Gewohnheitstier! Deswegen mag ich es, wenn Katrin so oft wie nur möglich meine Reiterin ist. Hast du nicht auch gern deine beste Freundin in der Schule neben dir sitzen? Natürlich ist Katrin auch mal in den Ferien, und dann reitet jemand anderes auf mir. Das ist auch o.k. – solange Katrin nur bald wieder zurückkommt!
-Warum brauchen die Zweibeiner überhaupt deine Hilfe?
Als Polizeipferd kann ich sie bei vielem unterstützen. Weil ich so groß bin, können die Reiter auf mir zwei Meter höher sitzen. So haben sie einen besseren Überblick, wenn sie etwa vor der Allianz Arena in München stehen. Dann können sie Streits zwischen Fans schneller erkennen und schlichten. Außerdem mögen mich viele Leute – und deshalb sprechen sie meine Reiterin auch gleich viel lieber an.
-Und warum ist das so wichtig?
Viele Leute machen sich über irgendetwas Sorgen oder haben sogar Angst – aber mit der Polizei würden sie trotzdem nie sprechen. Das trauen sie sich nicht. Bin ich aber da, reden sie gern mit meiner Reiterin Katrin. Manchmal haben die Leute auch nur eine Frage oder sind neugierig. Auch dann können sie Katrin ansprechen.
-Darf man dich dann streicheln?
Selbstverständlich! Aber natürlich ist es besser, wenn der Streichler vorher die Katrin fragt, ob das auch wirklich in Ordnung ist.
-Warum?
Na ja, ich könnte mich zum Beispiel erschrecken, wenn du von hinten an mich rankommst und ich dich nicht sehe. So was ist mir nicht geheuer.
-Wie erkenne ich, dass du nervös oder aufgeregt bist?
Dann schwitze ich stark! Außerdem habe ich den Kopf hoch oben und gespitzte Ohren. Und ich schaue auch alles mit großen Augen an. Meine Reiterin Katrin merkt dann, dass mein Herz kräftig und schnell bumpert. Ich bin wahnsinnig unruhig und will nicht stehen bleiben. Aber nervös oder aufgeregt bin ich jetzt nicht mehr oft. Ich bin ja schon seit neun Jahren bei der Polizei.
-Wo kann ich dich noch antreffen – außer vor dem FC-Bayern-Stadion?
Ich reite auch bei Konzerten im Olympiapark und Open-Air-Veranstaltungen mit. Fußballeinsätze gibt es natürlich auch außerhalb Münchens. Die sind aber leider sehr selten. Ich bin also eigentlich ein Stadttier. Wobei – vor zwei Jahren war ich in Bayreuth: bei der Landesgartenschau. Dort habe ich mit einem anderen Pferd die Reiterstaffel aus München vorgestellt. Das war spannend und wir waren ganz stolz!
-Bleibst du bei deinen Einsätzen immer an einem Fleck stehen?
Nein, meistens nicht. Mit meiner Reiterin beobachte ich das Geschehen um uns herum ganz genau. Manchmal traben wir auch jemandem hinterher. Zum Beispiel, wenn die 75 000 Zuschauer aus der Allianz Arena wieder rausgehen – oder wenn im Englischen Garten ein Fahrradfahrer an uns vorbeifährt und etwas Verbotenes macht. Einmal wollte jemand nicht mit Katrin reden und ist davongelaufen. Er hatte wohl ein schlechtes Gewissen. Dem sind wir schnell hinterher – und haben ihn locker eingeholt!
-Hattest du denn auch mal bei der Arbeit Angst?
Am Anfang war mir tatsächlich öfter etwas nicht geheuer und ich habe mich nicht herangetraut. Deswegen habe ich mir einen Trick überlegt: Ich schaue mir zuerst alles in Ruhe an, beschnuppere es und beobachte, wie ältere Pferde das machen – zum Beispiel wie sie über eine Knisterplane traben. Irgendwann will ich es selbst ausprobieren. Meistens wird mein Mut belohnt. Hat alles geklappt, bin ich glücklich – und Katrin gibt mir ein Leckerli.