Mein Küchengeheimnis

„Die beste Curry-Soße aller Zeiten“

von Redaktion

von Stephanie Ebner

Bei Rezepten mit Tradition denkt man hierzulande zunächst an Schweinsbraten mit Knödel, vielleicht auch einen Tafelspitz und nicht zu vergessen einen Kaiserschmarrn. Curry-Soße dagegen würden die wenigsten auf ihre Liste setzen.

„Da entgeht ihnen aber etwas“, sagt Elisabeth Bauer genüsslich. „In meiner Familie hat die Curry-Soße seit 50 Jahren Tradition.“ Mit einem Grinsen fügt die Musiklehrerin noch hinzu: „Meinen Söhnen läuft bereits bei der Zubereitung das Wasser im Munde zusammen“.

Und ganz klar: „Ohne ausgiebiges Probieren geht gar nichts. Ein Stückchen Brot dazu, Genuss pur. „Diese Curry-Soße schmeckt für mich nach Weihnachten und Familie.“ Ein Fest ohne diese Delikatesse – für die Bauers undenkbar.

Wie bei den Bauers gibt es heutzutage viele Familien, die gerade zu den Festtagen an Weihnachten oder Silvester Fondue essen. Das ist in Deutschland eine noch vergleichsweise junge Tradition. Erst in den 1960er Jahren schwappte die Fondue-Welle nach Deutschland.

Fondue selbst ist kein modernes Gericht. Schon die alten Griechen sollen eine Art Fondue gekannt haben. Einen Beleg sehen die Kulturwissenschaftler unter anderem in einem Gesang von Homer Odyssee, in dem ein Fondue-ähnliches Gericht aus geriebenem Ziegenkäse, Wein von Pramnos und Weissmehl beschrieben wird.

Im 18. Jahrhundert war Fondue-Essen zudem in bürgerlichen Kreisen verbreitet. Von Paris über London bis hin nach Brüssel findet man Nachweise.

Mit dem Fondue hielt zeitgleich die Curry-Soße Einzug bei der Familie Bauer. Elisabeth Bauer war ganz frisch verheiratet und in der Küche noch etwas unerfahren, wie sie zugibt. Allein mit der Angabe zum Knoblauch habe sie damals ihre Probleme gehabt: „Im Deutschland der 1950er und 1960er Jahre wurde kaum mit Knoblauch gekocht.“ Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Angaben „Knolle“ oder „Zehe“ der jungen Ehefrau („Wir haben vier Tage nach meinem 21. Geburtstag geheiratet.“) nichts sagten.

„Ich nahm deshalb statt einer Zehe die ganze Knolle.“ Mit fatalen Folgen: Nicht nur, dass die Curry-Soße vom Knoblauch-Geschmack gänzlich dominiert war, die blutdrucksenkende Wirkung des Knoblauchs machte sich beim Gatten bemerkbar: „Mein Mann hatte auf einmal Probleme mit dem Kreislauf.“

Heute kann Elisabeth Bauer über den Vorfall nur lachen. „Seitdem weiß ich den Unterschied zwischen Zehe und Knolle.“

Freunde von Elisabeth Bauers Schwiegereltern hatten das Fondue-Essen mitsamt Soße einst in den Freundeskreis der Familie gebracht. „Das war am Anfang ganz schön aufregend“, sagt Elisabeth Bauer. „Als junge Leute haben wir uns erst einmal die Lippen an den heißen Spießen verbrannt.“ Heute kann sie über diese Panne schmunzeln.

Fortan kam die Curry-Soße zum Fondue jedes Jahr zu Weihnachten auf den Tisch. Die drei Söhne wuchsen damit auf. Variationen mit Chili oder Meerrettich setzten sich nicht durch. Die Bauers blieben über all die Jahre „ihrer“ Soße mit den ursprünglichen Zutaten treu. Nur die Mengenangaben variieren erheblich. Die drei Söhne haben mittlerweile eigene Familien. „Heute kommt es vor, dass auch mal die dreifache Menge der angegeben Rezeptur vorbereitet wird, damit es wirklich für alle langt.“

Gab es früher bei den Bauers die Soße nur zweimal im Jahr, mixen die Söhne sie öfter. Denn sie schmeckt nicht nur zum Fondue, sondern auch hervorragend zum Grill-Fleisch.

Das sollte man unbedingt einmal ausprobieren.

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