Ui, Spinne! Obwohl es keinen aktuellen Spider-Man-Film gibt und damit keine Vorlage für ein neues Spiel, hat Sony jetzt ein aufwendiges Abenteuer rund um den Superhelden veröffentlicht. „Marvel’s Spider-Man“ heißt das Spektakel für die PlayStation 4 offiziell, vermarktet wird es aber nur kurz und knapp als „Spider-Man“.
Produziert hat den Titel das US-Studio Insomniac, das schon mit „Spyro“, „Ratchet & Clank“ oder zuletzt „Sunset Overdrive“ seine Action-Qualitäten bewiesen hat. Mit dem vor allem optisch berauschenden „Spider-Man“ haben die Kalifornier nun einen neuen Bestseller ausgeheckt, der trotz einiger Schwächen jede Menge Spaß macht.
Der erste Eindruck ist tatsächlich überwältigend. Solch ein spektakuläres und vor allem auch authentisches New York war in einem Videospiel wohl noch nie zu sehen. Beinahe jeder Wolkenkratzer steht am richtigen Platz, die Stadt klingt nach New York, fühlt sich an wie New York. Sich hier als „Spider-Man“ Peter Parker durch die Hochhausschluchten zu schwingen, Fassaden hochzuklettern und Schockwellen oder Drohnen in die Stadt zu schicken, ist eine wahre Freude. Die Spielmechanik hat Insomniac fantastisch hinbekommen. Und für den Fotomodus, mit dem Spieler ihre Screenshots online teilen können, gibt es grandiose Motive.
Die brillante Fassade lenkt geschickt davon ab, dass das Spiel selbst und seine Handlung an sich eher durchschnittlich ausgefallen sind. Vieles wiederholt sich, die Figuren bleiben eher blass. Und relativ häufig sehen Action–szenen zwar spektakulär aus, doch der Spieler hat wenig Möglichkeiten, selbst aktiv einzugreifen.
Und so ist „Spider-Man“ das Pendant zum klassischen Popcorn-Film im Kino: Toll anzusehen, aber mit überschaubarer Substanz – was den Unterhaltungswert aber kaum schmälert, zumal bereits drei (kostenpflichtige) Erweiterungen angekündigt sind. Für PlayStation 4, ab 12 Jahren, 60 Euro.
jörg heinrich