auto-Zulassung

Nummernschilder werden smart

von Redaktion

von jörg heinrich

Die autonomen Elektroautos, die in fünf oder zehn Jahren durch unsere Städte fahren, tragen sicherlich keine dieser blechernen Steinzeit-Kennzeichen mehr. Denn auch beim Nummernschild hat die Zukunft bereits begonnen. Es wird digital, es wird schlau, und es beherrscht zahlreiche Tricks.

Mini-Computer mit E-Ink-Bildschirm

Reviver Auto heißt das Unternehmen aus San Francisco, das bei dieser Technik weltweit führend ist. Bis Jahresende sollen in Kalifornien und speziell in der Hauptstadt Sacramento bereits tausende von Autos im Rahmen eines Tests mit den smarten Nummern unterwegs sein. Insgesamt erlaubt der Bundesstaat Kalifornien in einem ersten Schritt 175 000 solcher Zulassungen.

Dabei wird zunächst nur das Schild am Heck von einem Mini-Computer mit einem E-Ink-Bildschirm ersetzt, dessen Technik mit Lesegeräten wie dem Amazon Kindle vergleichbar ist. Diese Schwarz-Weiß-Bildschirme mit elektronischer Tinte lassen sich selbst in gleißender Sonne noch perfekt ablesen. Und sie verbrauchen nur dann Strom, wenn die Anzeige wechselt. Dadurch ist nur ein relativ kleiner eingebauter Akku erforderlich. Die sogenannte „RPlate Pro“ ist mit einer Mobilfunkverbindung und GPS-Ortung ausgestattet. Das ermöglicht Funktionen, wie sie mit konventionellen Kennzeichen gar nicht denkbar sind.

Per App kommt Leben ins Schild

Standardmäßig zeigt das System wie gewohnt das Autokennzeichen an und ist von einem normalen Nummernschild kaum zu unterscheiden. Doch per App oder Funkkontakt kommt Leben in die hochgradig diebstahlsicheren Schilder. Wenn ein Auto als gestohlen gemeldet wurde, spielt die Polizei ein „Stolen“ auf das Nummernschild, als Signal für jede Streife. Allzu weit dürfte der Dieb dann nicht mehr kommen. Die RPlates können Parkscheine, Behindertenausweise, örtliche Verkehrshinweise und Unfallwarnungen für die Hinterherfahrenden anzeigen – oder auch Werbung. Wenn der Platz nicht reicht, wandert das eigentliche Kennzeichen in die rechte obere Ecke des Schildes, der Rest steht zur freien Verfügung. Kommunikative Besitzer können auch ihren Namen, ihr Gesicht, Grüße an die Umgebung oder das klassische „Baby an Bord“ einblenden. Dabei ist das Sicherheitsniveau der Anzeige laut Hersteller Reviver mit Online-Banking vergleichbar. Die digitalen Kennzeichen sollen künftig die An- und Ummeldung von Autos drastisch erleichtern, weil sich Nummer und Zulassungsdauer jederzeit ändern lassen.

Gefahr lückenloser Überwachung

Die Möglichkeit der lückenlosen Überwachung der Autos per GPS durch Behörden ist eine der kritischen Seiten der neuen Technik – relativiert sich aber angesichts der zahllosen Kameras in großen Städten, denen ohnehin kein Autofahrer mehr entkommen kann.

Momentan das größere Problem: Die Schilder sind derzeit noch sündhaft teuer. 699 Dollar (umgerechnet etwa 600 Euro) muss ein privater Autohalter pro Kennzeichen bezahlen, dazu kommt eine Monatsgebühr von sieben Dollar (sechs Euro). Deshalb sind derzeit eher Flottenbetreiber und städtische Fahrzeuge die Zielgruppe und weniger private Nutzer. Künftig soll es drastisch günstiger werden, was angesichts der rasch sinkenden Kosten von E-Ink-Displays und Funktechnik relativ schnell passieren könnte.

Kennzeichen überweist Knöllchen

In Dubai läuft ebenfalls bereits ein Test für digitale Autokennzeichen. Vom Emirat am Golf kommen gute und schlechte Nachrichten für Autofahrer. Die gute: Sobald das smarte Nummernschild einen Unfall registriert, ruft es selbstständig die Polizei und je nach Heftigkeit auch die Rettungskräfte.

Und die schlechte Nachricht: In den Daten des Kennzeichens ist auch die Kreditkartennummer des Halters registriert. Strafen für Verkehrsverstöße werden damit „live“ und in Echtzeit einfach abgebucht.

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