MEDIZINKOLUMNE

Schützt Folsäure doch vor einem Schlaganfall?

von Redaktion

Alltags-Stress und Fast Food: Für viele ist das ein Grund, mit Nahrungsergänzungen die eigene Gesundheit zu unterstützen. In Apotheken, Reformhäusern und seit neuestem auch in Supermärkten scheint das Angebot von Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsstoffen nicht enden zu wollen. Und je mehr, desto besser – glaubt man zumindest.

25 Prozent der Deutschen haben Erfahrungen mit Nahrungsergänzungsmitteln; viele nehmen sie regelmäßig zu sich. Doch wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel als Gesundheitshelfer?

Dieser Streitpunkt spaltet die Ernährungswissenschaftler seit Jahren. Die einen preisen Vitamin-Präparate und Nahrungsergänzungsmittel als eine Art Wunderwaffe zum Schutz vor Herzinfarkten und Schlaganfällen an, die anderen setzen auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Speziell was Folsäure und B-Vitamine anbelangt, schien die Akte „Nahrungsergänzung“ bereits geschlossen zu sein. Hier die Geschichte noch einmal in Kürze: Erhöhte „Homocysteinwerte“ sind ein Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Da schien es doch logisch, diesen Wert zu senken – und zwar durch die Verabreichung von Folsäure, Vitamin B6 und B12.

Der „Homocysteinwert“ im Blut konnte in der Tat deutlich gesenkt werden, aber – anders als erhofft – kam es nicht zu einer Senkung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daher wurde Folsäure über Jahre nicht mehr zum Schutz vor Herzinfarkten empfohlen. Aber das scheint sich jetzt wieder zu ändern.

Denn ganz aktuell wurde in einer großen Studie an mehr als 20 000 Menschen mit Bluthochdruck gezeigt, dass die Gabe von Folsäure, zusätzlich zu einer blutdrucksenkenden Therapie, das Schlaganfallrisiko um mehr als 20 Prozent senkt.

Aber noch interessanter war die Gruppe von Patienten, die eine geringe Zahl von Blutplättchen (Thrombozyten) und gleichzeitig stark erhöhte „Homocysteinwerte“ aufwiesen: In dieser Gruppe konnte das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko sogar um mehr als 70 Prozent gesenkt werden.

Was war in dieser Studie anders? Die Patienten hatten bereits – geringe – Gefäßverkalkungen, an denen sich die Blutplättchen ablagern konnten. Und wenn diese das tun, dann zeigt sich ein verminderter Wert im Blut. Und die Folsäure kann diesem Prozess möglicherweise entgegensteuern.

Eine „normale“ Ernährung gewährleistet also nicht immer – wie vermutet – eine ausreichende Zufuhr sämtlicher wichtiger Nährstoffe. Umso mehr gilt dies bei bestehenden Risikofaktoren. Oder auch bei einer einseitigen Ernährung.

Aber Vorsicht: Man sollte sich nicht in falscher Sicherheit wiegen, was den Schutz vor Herzinfarkten und Schlaganfällen angeht. Denn die Einnahme von Nahrungsergänzungsstoffen ersetzt keinen gesunden und aktiven Lebensstil.

Von Dr. Barbara Richartz

Priv. Doz. Dr. med. habil. Barbara Richartz, Niedergelassene Kardiologin in München- Bogenhausen, erklärt, warum Nahrungsergänzungsmittel wichtig sein können – aber deshalb noch lange nicht einen gesunden Lebensstil ersetzen.

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