„Alexa, spiel Musik von David Bowie!“, „Alexa, wann ist mein Termin in der Autowerkstatt?“ und „Alexa, schalte die Kaffeemaschine ein!“ – die ebenso bienenfleißige wie wegen ihrer Neugier umstrittene Digital-Dame ist für viele Nutzer fast schon zum Familienmitglied geworden. Aber was steckt hinter der Technik in Amazons Echo-Lautsprechern, und wie sieht die Zukunft der Schlaumeierin aus? Wir stellen Alexa vor – von A bis Z.
Alexa, der Name
Amazons Hardware-Chef David Limp erklärt, warum die Assistentin gerade diesen Namen bekommen hat. „Tests haben ergeben, dass sich ‚Alexa‘ mit dem harten „X“ in der Mitte maschinell besonders gut erkennen lässt. Und dann gab es noch diese schöne Reminiszenz an die Bibliothek an Alexandria.“ Dort haben die alten Ägypter ihr gesamtes Wissen in Büchern aufbewahrt. Ähnlich viele Informationen soll auch Alexa bereithalten. Ihr Name erinnert damit auch an Amazons Wurzeln als Online-Buchhändler.
Borussia Dortmund
Der Bundesliga-Tabellenführer ist auch Deutscher Alexa-Meister. Während es vom FC Bayern noch keinen offiziellen Alexa-Skill gibt (die Münchner haben momentan auch andere Sorgen), kommt vom BVB einer der gefragtesten Skills („Fähigkeiten“). So heißen die Apps für Alexa. Per Sprachbefehl zu hören sind Dortmunder Spielberichte, Ergebnisse, Termine, Karteninfos und sogar Livespiele im Internetradio.
Sprachen
Allzu polyglott ist Alexa bisher nicht – neben Deutsch spricht die Assistentin nur Englisch, Französisch und Japanisch. Die deutsche Sprecherin, deren Identität Amazon streng geheim hält, ist nur noch exklusiv als „Alexa“ tätig, ihre Stimme darf sonst nirgends mehr auftauchen.
Flop
So erfolgreich Amazons Echo-Lautsprecher auch sind – zum Einkaufen per Sprachsteuerung nutzt sie kaum jemand. Laut einer Untersuchung des Technik-Blogs „The Information“ vom August 2018 haben in den ersten sieben Monaten des Jahres nur zwei Prozent der Alexa-Besitzer damit eingekauft.
Höflichkeit
Weil kaum jemand freundlich „bitte“ und „danke“ zu Sprachassistenten sagt, warnen Experten davor, dass der häufige Gebrauch die Sprache von Kindern und Jugendlichen verrohen könnte. Amazon hat auf die Diskussion reagiert. Die neue Funktion „Magic Word“ („Zauberwort“) belohnt höfliche Nutzer. Wenn sich ein Kind freundlich erkundigt, „Alexa, bitte sag mir, wie morgen das Wetter wird“, bedankt sich die Amazon-Helferin zum Beispiel mit einem „Danke, dass Du so nett gefragt hast“. Auch eine künstliche Intelligenz will anständig behandelt werden.
Kritik
So praktisch die Geräte für ihre Nutzer auch sind – so sehr sind die allzu neugierigen „Lauschsprecher“ Datenschützern ein Dorn im Auge. Weil die Mikrofone immer offen sein müssen, um aufs Stichwort „Alexa“ zu reagieren, hören die Geräte ihren Nutzern rund um die Uhr zu. Dabei kommt es immer wieder zu Pannen, Gespräche werden irrtümlich belauscht und verschickt. Und wie die Nutzerdaten genau verarbeitet werden – darauf liefert Amazon bis heute keine befriedigenden Antworten. Der Verein Digitalcourage hat 2018 seinen „Big Brother Award“ an Amazon verliehen. Die Juroren halten den Echo-Lautsprecher für „ein neugieriges, vorlautes, neunmalkluges und geschwätziges Lauschangriffsdöschen“.
Neuheiten
Skurrilste Amazon-Neuheit ist eine Mikrowelle mit Sprachsteuerung. Alexa soll ab Ende 2018 also auch noch für ihre Besitzer kochen. Wer sich für das nur 60 Dollar (52 Euro) teure Gerät erwärmen kann, muss keine komplizierten Werte wie „Sechs Minuten bei 100 Prozent“ mehr eingeben – sondern trägt Alexa nur noch auf: „Mach (bitte) die gebackene Kartoffel warm!“ Die künstliche Intelligenz stellt dann das richtige Programm ein.
Ohren zu!
Wer sich nicht rund um die Uhr belauschen lassen will, kann an den Echo-Geräten die Spracherkennung deaktivieren. Dafür gibt es einen eigenen Knopf mit durchgestrichenem Mikrofon. Datenschützer empfehlen ohnehin: Wer sich tatsächlich Alexa nach Hause einlädt, sollte die Mikrofone nur aktivieren, wenn er die Spracherkennung tatsächlich benötigt.
Persönlichkeit
Fachleute haben anhand der Stimme der US-Alexa versucht, ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen. Alexa ist demnach gefühlvoll, kommunikativ, sorgfältig, hilfsbereit und fleißig. Und sie steht auf den englischen Schauspieler Benedict Cumberbatch („Sherlock“).
Raumschiff Enterprise
Erklärtes Vorbild der Entwickler war der Bordcomputer von Raumschiff Enterprise. Hardware-Chef Limp erklärt, warum: „Egal, wo man auf der Enterprise war, konnte man einfach einen Knopf drücken oder mit der Brücke sprechen. Und der Computer hat alle Fragen beantwortet, völlig egal, um was es ging. Alexa sollte genauso funktionieren.“
Toni Reid
Der Vater von Alexa ist – eine Mutter. Toni Reid leitet Amazons Echo-Sparte. Ihr größter Erfolg: Bei 15 Prozent der US-Amerikaner „wohnt“ Alexa mittlerweile schon zuhause. Ihr skurrilstes Erlebnis während der Alexa-Entwicklung: Bei der Renovierung ihres Hauses versteckte sie einen Echo-Prototypen in der Schublade, der plötzlich zu plappern begann. Geheimhaltung ade! Mittlerweile, amüsiert sich die 45-Jährige, habe sie drei Töchter: Maelle, Isabelle – und Alexa.
Video
Alexa kann sogar rappen – im Musikvideo (bit.ly/alexa-rappt) der Londoner Hip-Hopper Too Many T’s. Das erste Musikstück mit künstlicher Intelligenz als Sängerin kommt bei YouTube mittlerweile auf fast eine Million Aufrufe.
Zukunft
Die Marktforscher von Ovum erwarten, dass es im Jahr 2021 weltweit über 7,5 Milliarden Assistenten mit Sprachsteuerung gibt – ein Gerät für jeden Menschen auf der Erde.