Keine Vorwürfe
Tatsache ist: Kleine Kinder können ihre Eltern und Großeltern nicht oft genug sehen, später jedoch ist es eher umgekehrt: Oma und Opa haben ein viel stärkeres Bedürfnis, ihre Enkel zu sehen. Nicht selten fällt dann schon mal der Satz: „Nie meldest du dich!“ Doch auf solche Vorwürfe sollte man lieber gänzlich verzichten: „Es ist der Lauf der Dinge, dass die Enkel irgendwann seltener anrufen oder zu Besuch kommen“, sagt Altersforscher Professor Eckart Hammer. Das bedeutet aber in der Regel nicht, dass sie einen nicht mehr mögen! „Es liegt am sozialen Netz.“ Während der Freundeskreis im Alter immer kleiner wird, ist das soziale Netz von Teenagern und jungen Erwachsenen besonders groß. „Sie brauchen einen dann schlichtweg viel weniger als kleine Kinder“, erklärt Hammer. Und rät: „Am besten, man bleibt so in Kontakt, wie es die jungen Leute tun – über Chats auf dem Smartphone.“ Natürlich kann man trotzdem – ab und an – eine freundliche Einladung aussprechen. Denn: Um die Leibspeise aus Kindheitstagen zu essen, kommen selbst erwachsene Enkel sicher gern vorbei.
Trauer nicht verstecken
Der Verlust des Partners ist ein einschneidender Moment, ein harter Schlag – vor allem nach vielen Ehejahren. Und nicht immer lässt sich die eigene Trauer vor den Enkeln verbergen. Das soll man aber auch gar nicht, rät der Psychologe und Ratgeberautor Hans Berwanger. Zu erleben, dass andere traurig sind, sei wichtig für Kinder. Sie erfahren dabei zum Beispiel, wie sich die Stimme verändert, wenn man traurig ist, und dass einem manchmal ganz unvermittelt die Tränen kommen. Bei späteren Verlusten können sie mit ihrer Erschütterung dann besser umgehen. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Der Trauernde muss bereits Herr der Lage sein, wenn er mit den Enkeln darüber spricht. „Wer noch regelmäßig von Weinkrämpfen geschüttelt wird oder seine Gefühle noch nicht in Worte fassen kann, droht Kinder zu verunsichern“, warnt Experte Berwanger.
Bitte ohne Zwang
Wer erinnert sich nicht daran: Man war als Kind irgendwo eingeladen – und musste wildfremden Leuten zur Begrüßung die Hand geben. Wie unangenehm! Wenn jetzt Oma oder Opa genau das von ihren Enkeln verlangen, sollten sie vielleicht lieber erst mal innehalten – und sich fragen: Muss das jetzt wirklich sein? Jein, antwortet Psychologe Berwanger. Zwar ist es Teil unserer Kultur, zur Begrüßung die Hand zu reichen und dem Gegenüber in die Augen zu schauen. Nur: „Es ist aber völlig normal, dass Kinder das zunächst nicht tun.“ Im Gegenteil: Kinder, die beispielsweise völlig distanzlos Fremde anfassen, seien verhaltensgestört, sagt Berwanger. Statt also zu verlangen, dass das Kind die Hand gibt, lebt man es besser einfach vor: „Wenn die Kinder sehen, dass die Großeltern das immer so machen, machen sie es in der Regel irgendwann nach.“ Großeltern können und sollen ihre Enkel aber durchaus zum Händeschütteln ermuntern, indem sie etwa sagen: „Schau mal, so machen wir das – magst du das auch mal ausprobieren?“ Meist wirke das deutlich besser als die ständige Aufforderung an die Kleinen, etwas zu tun, das doch der gesunden Skepsis unbekannten Menschen gegenüber schlichtweg widerspricht.
Angst nicht übertragen
Großeltern plagen oft viele Ängste: Was, wenn das Enkelkind vom Klettergerüst fällt? Was, wenn es irgendwo stürzt? Oder sich verbrennt. Diese Befürchtungen sind völlig normal, sagt Experte Berwanger. Aber: Die eigenen Ängste auf das Kind zu übertragen ist falsch! Viel besser: Oma und Opa leisten zum Beispiel bei waghalsigen Klettereien etwas Hilfestellung – statt das Kind sich selbst zu überlassen. Ist es doch mal hingefallen, hilft Trösten auch über den eigenen Schreck hinweg. „Wer pustet und ,Heile, heile Segen‘ singt, überträgt die eigene Angst nicht auf das Kind“, erklärt Berwanger.
Weniger Spektakel
Kommen die Enkel zu Besuch, möchten Großeltern ihnen alles bieten. Ganz besonders soll es sein, etwas, woran sich die Kinder später sicher erinnern. Das sei zwar gut gemeint, sagt Altersforscher Professor Hammer – und anlassbezogen, etwa nach dem Zeugnistag oder zum Geburtstag, auch absolut sinnvoll. Aber: Großeltern sollten dennoch stets bedenken: „Die Zeit mit ihnen ist immer etwas Besonderes, einfach, weil sie anders ist!“ Schon eine andere Abendroutine, andere Gerichte, andere Vorlesebücher machen den Aufenthalt bei Oma und Opa zu einem Erlebnis! Da brauche es nicht zwingend einen Besuch im Freizeitpark. Oder, wie Experte Hammer es formuliert: „Großeltern müssen fast nichts – dürfen aber fast alles!“
Zusammengestellt von
B. Nazarewska (mit dpa-Material)