Ähnlich wie Smartphones werden auch E-Book-Reader immer dünner und leichter – was sich bei stundenlangem Lesen durchaus bemerkbar macht. Mit 182 Gramm hat Amazon beim neuen Kindle Paperwhite nochmals 23 Gramm weggefeilt.
Höhere Auflösung
Für die meisten Kunden noch wichtiger: Amazons Mittelklasse-Reader ist erstmals wasserdicht und zieht dabei mit dem deutlich teureren Kindle Oasis (230 Euro) gleich. Mit dem Paperwhite in die Badewanne – was bisher keine gute Idee war, soll künftig kein Problem mehr darstellen. Laut Amazon übersteht der Reader bis zu einer Stunde in zwei Metern Wassertiefe schadlos. Die Größe des hochauflösenden Bildschirms, der mit 300 ppi (Pixel pro Zoll) so scharf „wie gedruckt“ ist, bleibt bei den gewohnten sechs Zoll.
8 GB Speicher
Den Speicher hat Amazon auf 8 Gigabyte (GB) verdoppelt – wobei für die meisten Nutzer irrelevant sein dürfte, ob wie bisher rund 3000 E-Books auf den Paperwhite passen, oder nunmehr an die 6000. Interessanter ist der größere Speicher vor allem für Fans der Hörbücher von Amazons Tochter Audible, die nun direkt auf dem Paperwhite laufen. Kopfhörer oder Lautsprecher lassen sich per Bluetooth drahtlos verbinden. Die Vorbestellung für den neuen Paperwhite läuft ab sofort, die empfehlenswerte 8-GB-Version ohne Mobilfunk kostet 120 Euro. Geliefert wird ab 7. November.
Unter- und Oberklasse
Zwei weitere Modelle verkauft Amazon derzeit: Der Standard-Kindle kostet nur 70 Euro. Er macht den Augen mit seiner halb so scharfen Auflösung aber wenig Freude. Der Oasis für 230 Euro trumpft mit seinem größeren 7-Zoll-Bildschirm auf. Wer nicht mehr so gut sieht, kann darauf eine größere Schrift einstellen, und muss trotzdem nicht öfter umblättern. Ansonsten hat der neue Paperwhite aber kräftig aufgeholt, und bleibt die beste Wahl unter den Kindle-Modellen.
Amazons Konkurrenz
Der neue Buchhandels-Reader Tolino Shine 3, der sich ab sofort unter anderem bei Hugendubel bestellen lässt, ist mit 119 Euro praktisch genauso teuer wie der aktualisierte Paperwhite. Der Nachfolger des Shine 2 HD bietet nun erstmals auch einen zeitgemäßen kapazitiven Bildschirm. Das bedeutet: Er lässt sich (beinahe) so gut bedienen wie ein Smartphone.
Weil Wischgesten damit besser funktionieren, kommt der Shine 3 ohne den bisherigen Home-Knopf aus, viele Funktionen lassen sich nun per Wischen aufrufen. Wer zum Beispiel die Schriftgröße verändern will, muss kein Menü mehr suchen, sondern zieht einfach, wie am Handy, den Bildschirm größer oder kleiner. Auch die Linkshänder-Bedienung wird damit einfacher.
Cleverer Lichtsensor
Der Shine 3 hat jetzt ein „Smart Light“ eingebaut, das seine Farbtemperatur je nach Tageszeit verändert. Vom kalten, weißen Licht während des Tages wechselt der Bildschirm am Abend zum warmen, gelben Licht. Das soll beim Einschlafen helfen. Automatisch, wie bei den Top-Modellen, stellt sich die Helligkeit am Shine 3 allerdings nicht ein. Und auch wasserfest, wie der überarbeitete Paperwhite, ist der neue Tolino nach wie vor nicht. Genau wie der Amazon-Konkurrent bleibt der 166 Gramm leichte Buchhandels-Reader bei der Standardgröße von sechs Zoll, und bei der scharfen HD-Auflösung von 300 ppi.
Aufpreis lohnt sich
Und auch hier wurde der Speicherplatz auf 8 GB verdoppelt. Im Buchhandel gibt es drei weitere Tolinos. Genau wie bei Amazon kommt auch hier das Einstiegs-Modell Tolino Page für 69 Euro mit veraltetem, unscharfem Bildschirm – die 50 Euro Aufpreis zum Shine 3 lohnen sich für Bücherfreunde allemal. Der Tolino Vision 4 HD für 159 Euro punktet vor allem mit seiner Wasserdichtigkeit. Wer gerne in der Badewanne oder am Swimmingpool liest, findet hier das richtige Gerät. Und das Topmodell Tolino Epos für 249 Euro bietet mit seinem 7,8-Zoll-Bildschirm 69 Prozent mehr Lesefläche als Standard-Reader mit 6 Zoll. Das ist perfekt für den ganz großen Lesespaß – und für alle, die nicht mehr so gut sehen und ihre Schrift möglichst groß einstellen wollen.
Frage des Geschmacks
Die Entscheidung zwischen Amazon und dem Buchhandel bleibt dabei Geschmacksache. Die Hardware ähnelt sich ebenso wie die Buchauswahl und die Preise für die E-Books sind aufgrund der Buchpreisbindung ohnehin identisch. Für Amazon spricht das einfachere Bestellen und Herunterladen sowie das bessere Lesen der gekauften Bücher mit Kindle-Apps auf Smartphones und Tablets. Außerdem sind mehr kostengünstige englischsprachige E-Books verfügbar. Für den Tolino spricht die Beratung vor Ort, das offenere Dateiformat ePub, das sich auf mehr Geräten lesen lässt und die Möglichkeit, darauf auch elektronische Bücher aus öffentlichen Leihbüchereien anzuzeigen. Für viele Tolino-Nutzer ebenfalls ein Argument: Sie unterstützen den Buchhandel und machen einen US-Riesen nicht noch reicher.