Es kommt schon nicht von ungefähr, dass gerade in der dunkelsten Zeit des Jahres seit jeher der Genuss von Schokolade Hochsaison hat. Forscher aus Halle haben dafür sogar gerade eine Erklärung gefunden: Sie stellten fest, dass Kakao und kakaohaltige Produkte wie Schokolade überraschend hohe Mengen des lebenswichtigen Vitamins D enthalten, wichtig vor allem für die Knochengesundheit.
Egal, ob Nikolausmänner oder Schokotäfelchen aus dem Adventskalender, mit dem Genuss von Kakao vertreibt der Mensch trübe Gedanken. Das wussten die Menschen schon lange: „Sobald der erste Schnee gefallen war, hat meine Großmutter ihre Förmchen ausgepackt und mit uns Kindern Schnee-Guatzla hergestellt“, erinnert sich Bettina Angerer an ihre Kindheit in Ramsau (Gemeinde Peiting). Die alte Bäuerin hat die Tradition mit ihren Enkeln gepflegt, so wie es wahrscheinlich schon ihre Großmutter mit ihr gemacht hat.
Bettina Angerer selbst mag Schokolade eigentlich gar nicht so gerne – „ich habe selbst als Kind immer einen großen Bogen um Schokolade gemacht. Was natürlich die anderen immer sehr gefreut hat.“ Erst seit die 35-Jährige selbst Kinder hat, steht Schokolade bei ihr hoch im Kurs: „Meine drei lieben Schokolade.“
Seither gehört das Gießen von Schnee-Guatzla zum festen Programm in der Vorweihnachtszeit. Vorausgesetzt es gibt Schnee, denn nur so gelingen sie richtig gut. Um die zehn Sorten Plätzchen bäckt die Ramsauerin in der Vorweihnachtszeit. Bettina Angerer: „Fünf Sorten wie die Butterplätzchen oder die Vanillekipferl gibt es immer, fünf variieren, je nach Lust und Laune.“
Pünktlich vor dem dritten Advent hat es jetzt geschneit. Aufgeregt sitzen die drei Kinder von Bettina Angerer um den Tisch. Während die Mutter die Schokolade und das Fett am Herd in flüssige Form bringt, holen Lena, Fabian und Benedikt den Schnee von draußen rein. Dann kann es losgehen. Tochter Lena, die oft und gerne mit ihrer Mutter in der Küche steht, weiß Bescheid: „Die Förmchen müssen gerade in den Schnee gedrückt werden, sonst läuft die Schokolade raus“, weist sie ihren Bruder an.
Stolz erzählt das Mädchen: „Pfannkuchen, mein Lieblingsessen, darf ich sogar schon ganz alleine machen.“
Jetzt heißt es warten. Die Schnee-Guatzla müssen fest werden. In der Zwischenzeit erzählt die Ramsauer Familie von ihren Weihnachtsritualen: Während der Vater zum Christbaumschlagen in den Wald geht, dekorieren Bettina Angerer und ihre Kinder das Haus. Heuer bekommen ausrangierte Plätzchenformen eine neue Aufgabe: Mit Moos gefüllt und kleinen Mandarinenschalenherzen (die man auch noch mit Gewürznelken spicken kann) gefüllt, schauen sie wunderhübsch aus. Außerdem duften sie herrlich.
Mit Bastelarbeiten, Plätzchenbacken und Schnee-Guatzlagießen versüßt Bettina Angerer das Warten aufs Christkind. Die Kinder können’s schon gar nicht mehr erwarten, bis endlich Weihnachten ist.
„Daran hat sich nichts geändert, das war schon bei mir so“, lacht Bettina Angerer.