Oberbayern in den 1950er-Jahren, eine kleine Wohnung in München-Neuhausen. Es riecht nach Schweinswürsteln mit Sauerkraut, dem traditionellen Weihnachtsgericht im Hause Klinger. Der kleine Günter und seine Schwestern lauschen der Weihnachtsgeschichte. Drüben im Wohnzimmer hängt der Vater Christbaumkugeln an Tannenzweige. Welch schöne Erinnerungen.
Wenn Günter Klinger (72) heute ans Weihnachtsfest denkt, dann steigt ihm immer noch der Geruch von Mutters Butterplätzchen in die Nase. Und er weiß noch genau, wie schön er die wenigen, aber ganz besonderen Geschenke fand: der Weihnachtspulli, die selbst gebaute Eisenbahn, der Spielzeug-Elefant. Heute ist alles anders. Heute lebt Günter Klinger in Altersarmut.
Seine Rente von 748 Euro reicht kaum für das Nötigste. Lange hat er als Speditionskaufmann gearbeitet und war selbstständig. Doch durch einen schweren Schicksalsschlag verlor er den Boden unter den Füßen. Seither machen ihm gesundheitliche Probleme und Depressionen zu schaffen. Ohne die Unterstützung des Vereins Lichtblick Seniorenhilfe, der sich um ältere Menschen in Not kümmert, käme er nicht über die Runden.
„Mein erster Kontakt zu dem Verein bestand darin, dass ich einen Gutschein erhielt und mir im Winter warme Schuhe kaufen konnte“, erzählt Günter Klinger. Seither unterstützt ihn Lichtblick Seniorenhilfe dauerhaft – mit einer monatlichen Patenschaft über 35 Euro, Lebensmittelgutscheinen und Tickets für den öffentlichen Nahverkehr. Eine große Erleichterung. Dennoch: In diesen Tagen wird es Günter Klinger oft besonders schwer ums Herz – weil er mit der Weihnachtszeit eben nicht nur die schönen Kindheitserinnerungen verbindet.
In den 1970er- und 1980er-Jahren, da verkaufte er Christbäume in München-Großhadern, sieben Winter lang. Noch heute erinnert er sich an jeden Handgriff: Bäume aufbauen, Kunden beraten, die Stämme zuspitzen. Er liebte seine Arbeit – und den Kontakt zu den Menschen. „Ich habe auch gern mal ein Bäumchen verschenkt“, erzählt er. Heute denkt er schwermütig an diese schöne Zeit zurück. Die Erinnerung an die unbeschwerten Wintertage schnürt ihm die Kehle zu. Jahrelang verzichtete er deshalb in seiner Wohnung auf Weihnachtsdekoration. Doch heute ist jemand da, der ihn aus diesen düsteren Gedanken holt, aus der Einsamkeit.
Der Verein Lichtblick Seniorenhilfe unterstützt Günter Klinger nicht nur finanziell, sondern auch seelisch: An Heiligabend lädt er bedürftige Rentner aus Oberbayern zum gemeinsamen Weihnachtsfest in die Münchner Stubn ein. Günter Klinger war schon 2017 dabei. „Es war wunderschön gedeckt, ein festliches Menü“, schwärmt er.
Inmitten von „Gleichgesinnten“ wird er so ein paar gesellige Stunden verbringen – die er häufig so sehr vermisst. Beim Gedanken daran steigen ihm jetzt schon die Tränen der Freude in die Augen. Erst am frühen Abend wird Günter Klinger dann in seine Wohnung zurückkehren – und sich endlich nicht mehr allein fühlen. Dort wird er dann an die schönen Momente zurückdenken, sich am Anblick des Tannenbäumchens mit roten Kugeln und echten Kerzen erfreuen. Unter dem Baum: ein kleines Päckchen von der Weihnachtsfeier.
Darin sind kleine Gaben und ein Einkaufsgutschein. Günter Klinger wird die Kerzen anzünden und an die Weihnachtsfeiern von früher denken. An seine Familie. An die Lichter, die Lieder und das Leben in der Wohnung. Wie schön war das damals! Günter Klinger seufzt und sagt: „Dank dieses Lichtblicks bin ich weniger allein.“