Vor Weihnachten kann man nicht genug von ihnen bekommen. Je mehr Plätzchen-Sorten, umso besser. In manchen Familien finden sogar Wettbewerbe statt: Wer schafft es, die meisten und ausgefallensten Plätzchen zu backen? Ganz zu schweigen vom Früchtebrot, den Lebkuchen und Stollen. Und meist gibt es noch eine kleine Armee Schokoladen-Nikoläuse dazu.
Doch kaum ist Weihnachten vorbei und das neue Jahr begrüßt, können wir den ganzen Süßkram nicht mehr sehen. Plätzchenteller haben ausgedient. Doch was tun mit all den süßen Sachen?
Zwei Hauswirtschaftsschülerinnen, Steffi Geiger (16) aus Steingaden und Agnes Kölbl (17) aus Forst, haben sich da ihre Gedanken gemacht – denn „Lebensmittel wegschmeißen geht gar nicht“, finden die beiden. „Das wäre Verschwendung.“
Steffi ist im zweiten Ausbildungsjahr. Sie sagt: „Vor Weihnachten steckt man so viel Arbeit in die Plätzchen. Da steht man oft stundenlang in der Küche.“ Jedes Plätzchen sei ein kleines Kunstwerk für sich. „Da mag man nichts einfach so entsorgen.“ Sie selbst hat mit ihrer Familie vor Weihnachten 15 Sorten gebacken – „das hat bei uns Tradition“. Hauptsächlich die Klassiker wie Butterplätzchen, Spritzgebäck und Elisenlebkuchen. „Die dürfen bei uns nie fehlen“, sagt die Schülerin.
Agnes hatte bereits im November mit dem Backen angefangen – „damit am 1. Advent selbst gebackene Plätzchen auf dem Teller liegen“. Mit mindestens zwei Sorten startet ihre Familie immer in die Vorweihnachtszeit.
Doch jetzt ist 2019. Die beiden Schülerinnen haben heuer viel vor: Im Juli stehen die Abschluss-Prüfungen an der Berufsfachschule Schongau an. „Da müssen wir ganz schön viel Praxis und auch Theorie beherrschen“, sagt Steffi. Beide Mädels wollen schon im Januar mit dem Lernen beginnen.
Steffi findet an der Ausbildung zur Hauswirtschafterin „spannend, dass diese so vielfältig ist“. „Eigentlich ist es eine Grundlage für das ganze Leben“, fügt Freundin Agnes hinzu. „Wir lernen nicht nur Kochen und Backen, sondern auch Nähen, Vorratshalten, Wirtschaften.“
Doch zurück in die Küche. Ein Fachbegriff, den die Mädchen im Sommer beherrschen müssen, ist das sogenannte „Aprikotieren“. Steffi erklärt: Das bezeichnet das Bestreichen von backofenwarmem Gebäck mit heißer Aprikosen-Marmelade. Die fertige Schicht wird Aprikotur genannt. Durch das Aprikotieren erhalte das Gebäck nicht nur einen schönen Glanz, auch gehackte Nüsse blieben so gut haften. Praktisch ist das Aprikotieren zudem: „Durch die Glasur hält sich der Kuchen länger.“
Agnes hat sich den alten Stollen vorgenommen. Ihr gefällt an dem Ofenschlupfer-Rezept mit Stollen, dass es nicht nur gut schmeckt, sondern auch, dass es so schnell geht: „Wer will nach Weihnachten schon lange in der Küche stehen?“ Nach dem Fest sind erst einmal schnelle Rezepte gefragt – dann bleibt für die beiden Schülerinnen auch mehr Zeit zum Lernen.