Eigentlich ist Susi Halbroth ja keine Hobbybäckerin. „Ich koche viel lieber“, gesteht sie ehrlich. Früher seien Weihnachtsplätzchen für sie „der blanke Horror“ gewesen. Das „Gepfriemel ist so gar nicht meins“. Weil ihr Mann ein Süßer ist, hat sie dann doch hin und wieder gebacken. Und als er „als Soldat einen Einsatz im Kosovo hatte, habe ich ihm die Zeit dazwischen mit süßen Teilchen versüßt“.
Hinterher habe sie ihm versprochen, weiterhin fleißig zu backen – „aber erst, wenn ich vier Kinder habe“. Dazu ist es nicht gekommen, nach zwei war für die Halbroths Schluss.
Susi Halbroth steht heute trotzdem in ihrer liebevoll dekorierten Küche in Peiting (Landkreis Weilheim-Schongau) und bäckt. Die Freude sieht man nicht nur ihr, sondern auch Tochter Hanna an. Normalerweise herrscht dann „kreatives Chaos“. Nicht so heute. Diesmal sind die Zutaten für den Rührteig ordentlich hergerichtet. Während die 41-Jährige die Zutaten nach und nach in die Rührschüssel gibt, erzählt sie, wie es doch noch zu dieser Backleidenschaft gekommen ist.
Nach der Kinderpause – Tochter Hanna war gerade vier Jahre alt geworden – gab es in der Peitinger Ortsmitte einen Laden zu gewinnen. Susi Halbroth reichte das Konzept für ihren „Lieblingsladen“ ein und gewann. Ein Jahr mietfrei. „Meine Gelegenheit.“ Seitdem betreibt sie in der Bahnhofstraße 7a (der „Lieblingsladen“ ist mittlerweile umgezogen) in Peiting ihr Geschäft. Im „Lieblingsladen“ verkauft die Peitingerin Kunsthandwerk von rund 40 Künstlern. „Mich mit schönen Dingen zu umgeben, ist mein Ding“, sagt die Mutter von zwei Kindern.
Im „Lieblingsladen“ sind aber nicht nur lauter schöne Dinge zu sehen, es ist auch ein Ort zum Verweilen und zum Genießen. Hier serviert Susi Halbroth ihren Kunden Kuchen im Glas. Liebevoll dekoriert mit geschlagener Sahne und Kaffee-, Karamell- oder Schokoladensirup. „Das Auge isst schließlich mit.“
Um immer frischen Kuchen anbieten zu können, hat sich die gelernte Friseurin die „Kuchen im Glas“ überlegt. Die Rezepte entwickelt Susi Halbroth in der heimischen Küche, für den Laden werden sie anschließend in einer Profiküche gebacken.
„Nicht jedes Rezept lässt sich als Kuchen im Glas umsetzen“, sagt Susi Halbroth. Besonders geeignet seien Kuchen mit Ölteig. Wird Obst verwendet, ist Vorsicht geboten. Deshalb macht die Peitingerin von der Orangentarte auch keine Variante im Glas.
„Eat, drink & be happy.“ Der Spruch hängt im „heimischen Testlabor“, wie Susi Halbroth ihre Küche liebevoll nennt. Hier wird jeden Tag frisch gekocht, hier kommt die Familie zusammen zum Essen. Einmal am Tag, das ist der Familie wichtig. Dann erzählt jeder, was er erlebt hat: Sohn Max (15) berichtet von der Schule, ebenso Nesthäkchen Hanna (7). Sie kann seit Kurzem die ersten Worte lesen. Darauf ist das Mädchen mit Down-Syndrom stolz.
Mama Susi engagiert sich im Verein „Einfach mehr“, der Familien, die ein Kind mit Trisomie 21 haben, im Pfaffenwinkel unterstützt.
Dass es heute Kuchen gibt, macht Hanna glücklich. Erst rührt sie gemeinsam mit der Mama den Kuchen, dann nimmt sie voll Vorfreude Platz. „Ich habe Kuchen-Hunger.“ Die Lieblings(laden)-Kuchen schmecken schön saftig. Liebevoll serviert mit geschlagener Sahne und Sirup sind sie ein Genuss. Nicht nur für Singles. Kuchen im Glas erfreut heute die ganze Familie. Gut, dass es elf Stück davon gibt.