Liebe verursacht Herzklopfen. Schlägt das Herz dann tatsächlich höher?
Höher nicht – aber schneller! Und das ist keine Einbildung. Denn: Verliebte Menschen sind oft ein bisschen aufgeregt, unser Körper schüttet dann Stresshormone aus, etwa Adrenalin oder Dopamin. Zudem spielen auch Glückshormone eine Rolle, zum Beispiel Serotonin oder Oxytocin – Letzteres wird übrigens auch gern als „Kuschelhormon“ bezeichnet.
Pocht ein verliebtes Frauenherz anders als das Männerherz?
Soviel ich über dieses wissenschaftlich wenig erforschte Thema informiert bin, gibt es beim Verliebtsein keinen geschlechtsspezifischen Unterschied.
Es gibt Studien, die klar belegen, dass Verheiratete weniger Herzprobleme haben als Singles …
Ja, das wiederum stimmt. Aber: Allein das Eheversprechen macht noch kein gesundes Herz aus! Es ist vielmehr so, dass mit dem Familienstand „verheiratet“ oft eine gesündere Lebensweise einhergeht – und das über Jahre, gar Jahrzehnte hinweg.
Und wie erklärt sich das?
Salopp ausgedrückt: Die Frau treibt ihren Mann stärker dazu an, sich zum Beispiel ausgewogener zu ernähren, sich mehr zu bewegen, das Rauchen aufzugeben und, und, und – all das sind präventive Maßnahmen, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Zudem sind Frauen, was die Gesundheit betrifft, häufig besser informiert. Das heißt: Sie reagieren schneller, erkennen etwa, wenn ihr Partner womöglich einen Herzinfarkt hat.
Und was genau leisten dann Männer für die Herzgesundheit ihrer Frauen?
(lacht) Grundsätzlich sind Männer deutlich anfälliger für einen Herzinfarkt oder auch einen Schlaganfall. Aber für beide Geschlechter gilt: Eine harmonische Partnerschaft wirkt sich positiv aufs Herz aus – im Gegensatz zu einer Krisensituation. Ein Rosenkrieg etwa ist Stress pur und damit Gift fürs Herz. Natürlich kommt ein Herzinfarkt nicht allein von privaten Problemen. Aber: Bei chronischem Stress werden mehr entzündungsfördernde Stoffe gebildet – und die wiederum schädigen in letzter Instanz unser Herz.
Wenn jemand einen Herzinfarkt erlitten hat – aus welchen Gründen auch immer –, dann heißt es ja oft: Liebe helfe dem Betroffenen. Stimmt das?
Absolut! Mit wissenschaftlichen Daten kann ich zwar nicht auftrumpfen, aber wir beobachten das immer wieder an unseren Patienten. Ein Herzinfarkt ist ein einschneidendes Erlebnis. Danach muss man erst mal neuen Mut fassen, um zum ursprünglichen Leben zurückkehren zu können. Eine intakte Beziehung spielt dabei eine wichtige Rolle: Sie gibt nicht nur Halt, sie federt auch Unsicherheiten ab und schenkt Zuversicht in einer unsicheren Zeit mit Ängsten.
Liebe ist also eine Art Allheilmittel. Aber: Sie hat ja auch Schattenseiten. Wie gefährlich ist denn ein gebrochenes Herz?
Sie spielen jetzt auf das „Broken-Heart-Syndrom“ an – Liebeskummer ist hier allerdings so gut wie nie der entscheidende Auslöser, sondern vielmehr plötzliche, traumatische Erlebnisse, zum Beispiel ein Überfall. Dieses Syndrom ist eine typische Frauenkrankheit, neun von zehn Betroffenen sind weiblich. Und: In der Regel sind sie auch über 60 Jahre alt. Das Tückische am „Broken-Heart-Syndrom“ sind Beschwerden, die denen eines Herzinfarkts täuschend ähnlich sind – allerdings gibt es für sie keine organische Erklärung. Vielmehr werden in diesen Fällen große Mengen an Stresshormonen freigesetzt, sodass es in noch ungeklärter Weise zu einer Erschlafffung in der Herzwand kommt.
Welche Folgen hat das?
In den meisten Fällen bleiben keine Schäden zurück; die Betroffenen erholen sich für gewöhnlich nach ein bis zwei Wochen von allein. Dennoch sollte man ein „Broken-Heart-Syndrom“ nicht unterschätzen, denn zusammen mit einem anderen Leiden, zum Beispiel einem Blinddarmdurchbruch, kann schnell eine lebensbedrohliche Situation entstehen. Der Grund: Man denkt ja nicht automatisch an dieses Syndrom und deutet die Situation falsch.
Wie bekommt man sein Herz wieder in den richtigen Takt?
Nach einer schweren Akuterkrankung, auch einem Herzinfarkt, ist eine Reha sehr sinnvoll. Ansonsten rate ich jedem dazu, seinem Herzen zuliebe gesund zu leben, sprich: sich ausgewogen zu ernähren, mit wenig rotem Fleisch, dafür viel Salat, sich viel zu bewegen, also mindestens dreimal pro Woche Sport – und vor allem nicht zu rauchen. Das Herz wird es danken!
Das Interview führte: Barbara Nazarewska