Stars gegen den Seifenopern-Effekt

von Redaktion

Ein Hollywood-Superstar macht sich Gedanken über unsere heimischen Fernseher: Tom Cruise kämpft gegen den „Seifenopern-Effekt“, der dafür sorgt, dass selbst aufwendigste Kino-Produktionen auf modernen Fernsehern häufig so wirken wie Billig-TV.

VON JÖRG HEINRICH

Kinofilme werden traditionell mit nur 24 Bildern pro Sekunde gedreht. Das sorgt zwar für nicht allzu flüssige Bewegungen, liefert aber genau die hochwertige „Hollywood-Optik“, die Kinogänger gewohnt sind. Alle großen TV-Hersteller, von LG über Sony bis Samsung, wollen ihren Kunden aber ein möglichst flüssiges Bild liefern. Denn das ist eines ihrer wichtigsten Werbeargumente.

Deshalb spielen moderne Fernseher auch Kinofilme mit mehr Bildern pro Sekunde ab, als sie ursprünglich gedreht wurden. Das sieht flüssiger aus, sorgt aber für die gefürchtete Seifenopern-Optik: Die Filme wirken, als wären sie mit einer billigen Videokamera gedreht worden. Zu erkennen ist der „Seifenopern-Effekt“ („Soap Opera Effect“) unter anderem daran, dass sich Schauspieler und bewegte Gegenstände übertrieben stark vom Hintergrund abheben.

Dank leistungsstarker Prozessoren fügen die Fernseher zwischen zwei Bilder eines Films, einer Serie, einer Show oder auch einer Sportübertragung ein weiteres Bild ein – einen künstlich berechneten Mix aus dem vorherigen Bild und dem darauffolgenden Bild. Dieses Extra-Bild gibt es eigentlich gar nicht, die Software „überlegt“ sich aber, wie es aussehen könnte. So wirken dann selbst Kinofilme, als würden sie mit 30 oder gar 60 Bildern pro Sekunde laufen. Das sorgt bei schnellen Kamerabewegungen – einer bekannten technischen Schwäche von Flachbildfernsehern – für weniger Ruckeln, hat aber mit Kinobildern nicht mehr viel zu tun.

Der Bildglättungseffekt ist bei allen TV-Herstellern ähnlich, nur die Namen sind unterschiedlich. LG hat die Funktion in den Menüs seiner Fernseher „TruMotion“ getauft. Samsung spricht von „Motion Plus“, Sony von „Motion Flow“, Sharp von „Active Motion“ und Philips von „Perfect Natural Motion“. Ein „Motion“ (Bewegung) steckt praktisch immer in den Bezeichnungen. Das Hauptproblem: Der Seifenopern-Look ist bei fast jedem aktuellen Fernseher ab Werk eingestellt. Denn die Kunden sollen an den superflüssigen Bildern erkennen, dass sich ihr teures neues TV-Gerät gelohnt hat. Wer im Fernsehen, aber auch bei Streamingdiensten wie Netflix oder von DVD Kinofilme sehen will, die tatsächlich nach Kino aussehen, muss die Option am Fernseher also finden und sie abschalten.

„Es ist viel zu kompliziert, diesen Effekt in den Menüs auszuschalten“, beklagt der Schauspieler Tom Cruise in einem Video (bit.ly/cruise-tv), das er gemeinsam mit Christopher McQuarrie gedreht hat, dem Regisseur seines letztjährigen Films „Mission: Impossible – Fallout“. McQuarrie erklärt in dem Clip, der bisher allein auf Twitter 5,6 Millionen Mal gesehen wurde, genau die Folgen der Bildmanipulation: „Wenn Sie einen modernen Fernseher besitzen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie Filme nicht so sehen, wie sie gedacht sind. Die meisten Zuschauer können nicht einmal genau sagen, was mit dem Bild nicht in Ordnung ist. Aber sie merken, dass etwas nicht stimmt.“ Sein Urteil: „Selbst auf Smartphones sehen Filme besser aus.“ Star-Wars-Regisseur Rian Johnson drückt es härter aus und bezeichnet die Bildglättung als „flüssigen Durchfall“.

Tom Cruise und zahlreiche Kollegen setzen sich derzeit dafür ein, dass es einfacher wird, am Fernseher den Seifenopern-Effekt auszuschalten. Per Software-Update könnte die Option in den Menüs prominenter platziert werden. Bis es soweit ist, müssen die Zuschauer in den Einstellungen ihres TV-Geräts nach den Optionen wie „TruMotion“ oder „Motion Plus“ suchen – und sie dort abschalten. In aller Regel findet sich die Einstellung unter Menüpunkten wie „Bild“, „Bildoptionen“ oder „Bildmenü“. Teilweise ist die Funktion dann noch in den „Erweiterten Bildeinstellungen“ versteckt. Nach dem Abschalten sehen Filme, aber auch Serien wie der „Tatort“ und Shows meist deutlich besser aus. Ausnahme: Für Sportübertragungen ist die Bildglättung tatsächlich nützlich, weil die schnellen Bewegungen dadurch flüssiger aussehen. Es lohnt sich also, den Effekt für den Sport einzuschalten – und ihn danach wieder zu deaktivieren.

Hersteller sorgen für flüssiges Bild

Funktion trägt meist „Motion“ im Titel

Filme sind eigentlich anders gedacht

Bei Sportsendungen ist Bildglättung gut

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