Weil die Zahl älterer Patienten, die auf eine Nierentransplantation warten, steigt, wurde bereits im Jahr 1999 das „Eurotransplant-Senior-Programm“ (ESP) aufgelegt. Dabei werden Organe von Spendern, die über 65 Jahre alt sind, an potenzielle Empfänger in der gleichen Altersgruppe vermittelt.
Wegen relativ unkomplizierter Vergaberegeln und kurzer Entfernungen, hier greift das „Regionalitätsprinzip“, ist die Wartezeit deutlich verkürzt – im Vergleich zu den „üblichen“ Wartezeiten, die sich über viele Jahre ziehen können: weil Spenderorgane hierzulande fehlen.
Untersuchungen belegen, dass vor allem die Nieren älterer Spender in der Tat eine sehr gute Nierenfunktion bei gleichaltrigen Empfängern zeigen. Im ESP werden daher diese Nieren bevorzugt älteren Patienten angeboten. „Die Übereinstimmung der Spender- und Empfängermerkmale wird nach den Kriterien Blutgruppenverträglichkeit und Wartezeit bestimmt“, heißt es. Aber: Damit die Transplantation erfolgreich ist, müssen bestimmte Gewebemerkmale dennoch zusammenpassen – die Ärzte überprüfen das in der Regel beim potenziellen Empfänger im Vorfeld und gleichen es dann ab, sobald ein Spenderorgan zur Verfügung steht.
Auch ältere Transplantierte müssen zeitlebens sogenannte Immunsuppressiva einnehmen: also Medikamente, die das körpereigene Abwehrsystem herunterfahren. Die ursprüngliche Annahme, wonach ihr Immunsystem eher schwach reagiere, erwies sich nämlich bald als falsch. Es gab von Anfang an mehr sogenannte Abstoßungsreaktionen als erwartet; jedes neue Organ ist ja erst mal fremd für unseren Körper – deshalb wehrt er sich dagegen.
Fest steht: Für eine Organspende gibt es keine Altersgrenze. Allein der Zustand des Organs ist entscheidend. Stirbt etwa ein 70-Jähriger an einem Hirnschlag, sind seine Nieren oder die Leber oft in Ordnung – und können noch Jahrzehnte ihren Dienst tun. Lang genug also für einen Empfänger im ähnlichen Alter. bn