Seltene Delikatesse: Gams-Gulasch

von Redaktion

Wildfleisch ist Natur pur. Eine Alternative zu Fleisch aus biologischer Haltung. Denn Wildtiere leben frei und fressen, was ihnen die Natur zu bieten hat. Jägers-Gattin Elisabeth Reiser (54) aus Vorderriß bei Lenggries führt uns in die Geheimnisse der Wildküche ein.

VON STEPHANIE EBNER

Vom Küchenfenster aus sieht man das Wild. Gerade in diesem strengen Winter kommen die Rehe ganz nah ans Haus. Nicht nur während der Schaufütterung, die zweimal in der Woche stattfindet. Die Vorderriß, nahe zur österreichischen Grenze, ist ein abgeschiedener Winkel, mit einem Traumblick auf die Berge. Im Winter ist hier nicht sehr viel los. Wenn überhaupt kommen ein paar Spaziergänger oder Langläufer vorbei.

Die Jagd spielt hier eine große Rolle. Seit jeher. Vorderriß war Jagdrevier der bayerischen Herzöge. Bekannte Persönlichkeiten wie Prinzregent Luitpold von Bayern ging hier auf die Jagd. König Maximilian II. kam auch gerne nach Vorderriß. Er ließ sich ein Königshaus errichten – heute das Jägerhaus auf der Anhöhe über dem Ort.

Hier lebt Elisabeth Reiser seit 25 Jahren mit ihrem Mann, der Jäger bei den Bayerischen Staatsforsten ist. Sie selbst hat mit der Jagd nicht viel am Hut, wie sie sagt. „Das wäre auch nicht gut, Privates und Berufliches zu vermischen“, lacht die 54-Jährige. Trotzdem kommt sie der Jagd nicht ganz aus: In der ganzen Wohnung hängen die Geweihe, die ihr Mann mit nach Hause gebracht hat. „Das war schon immer so“, sagt sie, nicht erst seit Geweihe als Wohn-Accessoire auch bei den Städtern voll im Trend sind.

Wild, ganz klar, bestimmt die Küche der Reisers. „Bei einem Jäger als Mann ist das selbstverständlich.“ Heute tischt die Hobbyköchin Gulasch aus Gamsfleisch auf – zwei Varianten kocht sie, ihre Gäste können sich hinterher nicht entscheiden, welche besser schmeckt. Beide sind schmackhaft und voller Aromen. Mit Gamsfleisch zu kochen, ist etwas Besonderes. Wer kein Gamsfleisch bekommt, greift zu Reh oder Hirsch. Elisabeth Reiser rät: „Nicht so stark würzen, man soll das Fleischaroma ja noch schmecken.“ Besonders beim Salz ist die Hobbyköchin sparsam.

Gekocht hat Elisabeth Reiser eigentlich schon immer. Sie waren zuhause in Gaißach vier Kinder, der Vater war selbstständig, die Mutter hat Zimmer vermietet. „Da war es für uns Kinder selbstverständlich, dass wir mitgeholfen haben.“ Weil sie lieber kochte als putzte, überließ ihr die Mutter schon bald die Küche. „Mit zehn Jahren habe ich schon einen perfekten Schweinebraten hinbekommen.“

„Mein erstes Wildgulasch habe ich dann für meinen Mann gekocht.“ Der sei allerdings entsetzt gewesen, dass sie dafür Fleisch aus dem Rücken nahm. Solche Anfängerfehler passieren der passionierten Köchin heute nicht mehr.

Wild steht bei den Reisers einmal die Woche auf dem Speiseplan, im Winter geschmort, im Sommer gegrillt – das übernimmt dann Ehemann Hubert. Der Grill steht auf dem großen Balkon Richtung Süden. „Im Sommer mein Lieblingsplatz“, sagt die 54-Jährige. Dort zieht sie Kräuter zum Kochen. Es ist wunderschön hier.

Trotzdem muss die Arzthelferin aber auch immer wieder mal raus. Im Sommer liebt sie es, in den nahen Bergen zum Wandern zu gehen oder mit den Damen der Freiwilligen Feuerwehr Vorderriß, bei der sie aktiv ist, etwas zu unternehmen.

Gerade erst ist Elisabeth Reiser aus Vietnam zurückgekommen. Die 54-Jährige liebt es, in andere Kulturen einzutauchen, neue Dinge zu entdecken. So wie die „Phuquoc“-Fischsauce. Elisabeth Reiser macht einen Schuss davon in das Salatdressing – so machen das die Vietnamesen auch. Wildfleisch schmeckt übrigens auch asiatisch aus dem Wok zubereitet, gibt sie uns mit auf den Weg. Wild geht eben immer.

Wild aus Bayern

Wildbret aus Bayern steht als regionales Produkt für kurze Transportwege, optimale Frische und höchste Qualität. Wildfleisch gibt es im Wildhandel oder in einer gut sortierten Metzgerei. Es kann aber auch direkt beim Jäger erworben werden.

Der Bayerische Jagdverband veröffentlicht auf seiner Homepage Jäger, die Wildbret verkaufen.

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