„Die Stimmung ist danach leichter und heller“

von Redaktion

Klinik-Clowns bringen kranke Kinder zum Lachen – und brauchen dafür viel Feingefühl

Bevor Charlotte Liepelt ihren Dienst in der Klinik beginnt, putzt sie sich richtig heraus. Erst schlüpft sie in eine pinkschwarzgeringelte Strumpfhose, zieht sich ein rotes Kleid mit weißen Tupfen über. Dann die Haare zu Zöpfen hochstecken, dazu rote Rosen. Jetzt noch den weißen Kittel mit den bunten Knöpfen überziehen, zum Schluss kommt die feuerrote Nase.

Aus Charlotte Liepelt, 51, Künstlerin aus Ebersberg, ist „Brunhilde Würschtl“ geworden: Klinik-Clown mit mehr als 18 Jahren Erfahrung. Die hilft ihr vor allem bei schwierigen Einsätzen – wie an der Regensburger Universitätsklinik, wo sie mit Clown-Kollegin „Citronella“ Kinder besucht, die Krebs haben. Und solche, die gerade eine Leber transplantiert bekamen.

Wenn Würschtl und Citronella an einer Zimmertür klopfen, wissen sie daher nie genau, was sie erwartet: ein Kind, das schon im Bett sitzen kann – und sehnsüchtig auf ihren Besuch wartet? Oder doch eines, das noch zu schwach ist, um sich aufzusetzen? „Dann schlagen wir natürlich eine leisere, zartere Gangart an“, erzählt Liepelt.

Denn Klinik-Clowns sind keine tumben Spaßmacher. Fast noch mehr als ihre Clowns-Kunst brauchen sie Feingefühl – ein Gespür für den Moment und für Stimmungen. „Man muss großes empathisches Potenzial mitbringen“, sagt Liepelt. „Wir erspüren, was ein Mensch gerade braucht, was in seiner Situation angebracht ist.“

Das Spiel entsteht daher immer aus dem Augenblick. Nichts ist vorbereitet, alles improvisiert. Mal entspinnt sich eine Szene um einen wunderschönen Apfel, der auf dem Nachttisch liegt. Oder ein Kind ist so erstaunt über die bunte Kleidung der Clowns, dass sich daraus eine kleine Modenschau entwickelt. „Oft geht das über in echte Clownerie, wo viel gelacht wird und wo eine Entlastung im Raum spürbar wird“, sagt Liepelt. Hin und wieder verändere sich auch nur die Stimmung. „Wo wir merken: Sie ist leichter, heller, kräftiger, wenn wir gehen.“

Und manchmal ist es irgendwas dazwischen: Liepelt erzählt von einem 13-jährigen Buben, den die Clowns schon lange kennen. Bei einem ihrer Besuche ging es ihm noch ganz gut. Im Spiel sollten die Clowns dann zeigen, ob sie für einen Auftritt bei einer TV-Castingshow gerüstet wären – und natürlich sind sie dabei grandios gescheitert. „Er hat sich kaputtgelacht und riet uns, bis zum nächsten Mal zu üben“, erzählt Liepelt.

Doch beim nächsten Besuch ging es ihm so schlecht, dass sich dieses Spiel nicht einfach fortsetzen ließ. „Er lag auf der Intensivstation, hat die ganze Zeit nur gejammert und gewimmert.“ Auf die Clown-Visite hatte er aber trotzdem bestanden.

„Irgendwann hat meine Kollegin begonnen, ein Lied zu summen, ich bin mit eingestiegen“, erzählt Liepelt. Zwei Strophen „Somewhere over the Rainbow“ – und am Krankenbett passierte etwas Zauberhaftes: „Das Wimmern hörte auf, der Bub ist ganz still und ruhig geworden.“ Die Clowns dachten, er sei eingeschlafen, wollten sich hinausschleichen. Doch im Gehen hörten sie vom Bett her seine Stimme: „Ja, das war jetzt schon wesentlich besser“, sagte er trocken. ANDREA EPPNER

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