FARKOR-FAKTEN

Ärzte haben Vorteile durch das Pilotprojekt

von Redaktion

Die bayerischen Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) haben sich zusammengeschlossen, um 25- bis 49-Jährige vor einer Darmkrebserkrankung zu bewahren. Rund 15 000 bayerische Allgemeinärzte, Dermatologen, Urologen, Gynäkologen, Gastroenterologen, Onkologen und hausärztlich tätige Internisten wurden angeschrieben. Bislang haben sich nur wenige in das Modellprojekt eingeschrieben. Das soll sich ändern.

Vor rund 17 Jahren ist die präventive Darmspiegelung als Kassenleistung für alle ab 55 eingeführt worden. Seither hat sich die Zahl der Darmkrebs-Neuerkrankungen in der Altersgruppe der 50- bis 74-Jährigen um fast ein Fünftel reduziert. „Hier trägt die Prävention also Früchte“, sagt Dr. Berndt Birkner, niedergelassener Gastroenterologe aus München. Ganz anders dagegen sieht es bei den Jüngeren aus: Hier stieg die Zahl der Neuerkrankungen bei den 25- bis 49-Jährigen im selben Zeitraum um gut 10 Prozent an! Besonders gefährdet sind jüngere Menschen mit einem „familiären Risiko“. Dr. Birkner sagt: „Immer, wenn ein Familienmitglied von Darmkrebs betroffen ist, resultiert daraus ein erhöhtes Risiko für die nahen Verwandten – wie Geschwister, Kinder, Onkel oder Tanten.“ So passiere es nicht selten, dass familiär belastete Menschen bereits mit 25 Jahren erkranken. Die gesetzliche Darmkrebsvorsorge, die ab 50 mit dem Anrecht auf einen immunologischen Stuhltest beginnt, komme hier oft zu spät.

Auch Ärzte müssen sich für das FARKOR-Projekt zertifizieren. „Ohne anfänglichen Mehr-Aufwand geht es auch hier leider nicht“, sagt Dr. Birkner. Aber: „Die Online-Fortbildung kann in einer vertretbaren Zeit abgearbeitet werden. Wer sich auf diesem Weg zertifiziert hat, ist berechtigt, die FARKOR-Leistungen extrabudgetär – mit einem überdurchschnittlichen Honorar – abzurechnen.“ Im Prinzip sollten die Ärzte ihre Patienten gezielt ansprechen und eine sogenannte Familienanamnese erstellen. Will heißen: Sie fragen, ob es bereits Darmkrebs in der Familie gab. Und falls ja, können sie deutlich früher bestimmte Untersuchungen empfehlen, etwa den Stuhltest oder die Darmspiegelung.

„Die Ärzte in Bayern haben mit FARKOR die Chance, tatsächlich Großes zu bewirken“, sagt Dr. Birkner, Denn: Anders als in vielen Pilotprojekten der Vergangenheit, sollen erfolgreiche Modellprojekte in die Regelversorgung übergehen. „Sprich: Das was heute Mehraufwand bedeutet, wird sich bald auf die Darmkrebs-Inzidenz junger Menschen auswirken – und langfristig auch budgetär in den Praxen eine Rolle spielen.“ Daher appelliert Dr. Birkner an seine Kollegen im Freistaat: „Machen Sie bitte mit. Denn es lohnt sich auf alle Fälle!“

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