In Deutschland lebten 2017 laut Berliner Robert Koch-Institut insgesamt 74 800 Patienten mit einer bekannten HIV-Infektion. Die allermeisten von ihnen wurden erfolgreich behandelt. Doch: Längst nicht jeder Betroffene weiß, dass er das Virus in sich trägt. „Wir gehen in Deutschland von einer Gruppe von etwa 12 000 Menschen aus, die selbst nicht wissen, dass sie infiziert sind oder nicht versorgt werden – also andere noch anstecken können“, sagt HIV-Experte Dr. Hans Jäger.
Doch gerade Menschen mit einem hohen Risiko lassen sich oft nicht testen. Um die Hemmschwelle zu senken, dürfen seit Herbst 2018 auch hierzulande HIV-Selbsttests mit „CE-Siegel“ in Apotheken und Drogerien verkauft werden. „Diese kosten zwischen 20 und 30 Euro“, sagt Jäger. Anfangs seien Experten wegen möglicher psychischer Folgen besorgt gewesen – weil Betroffene nach einem positiven Testergebnis zunächst allein mit diesem Wissen klarkommen müssen. Doch die Sorgen hätten sich nicht bestätigt. „Überhaupt wird heute die HIV-Infektion, von den meisten Menschen, mit denen wir es zu tun haben, etwas leichter aufgenommen, als das früher der Fall war“, sagt Jäger. Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass sich HIV gut behandeln lässt.
Besser ist es natürlich, sich gar nicht anzustecken. Dabei helfen Kondome. Doch nicht immer reicht das: Kondome können reißen. Für Risikogruppen, zu denen etwa Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), gehören, können Medikamente das Risiko einer Infektion enorm senken: Bei dieser „Präexpositionsprophylaxe“ (PrEP) kommen zwei Wirkstoffe zum Einsatz, die in viel höherer Dosierung und ergänzt durch eine weitere Komponente auch zur Therapie genutzt werden. Gesunde können diese Tabletten anlassbezogen oder täglich einnehmen, erklärt Jäger. Wichtig sind ergänzende Kontrollen beim Arzt alle drei Monate. Die tägliche Einnahme kostet 40 bis 60 Euro pro Monat, die man derzeit noch selbst bezahlen muss. Mit dem neuen Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) wird die PrEP bald eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Doch wird es bis zur Umsetzung wohl noch bis zum Herbst dauern. Bei täglicher Einnahme sei der Schutzfaktor der PrEP mit mehr als 90 Prozent sehr hoch, sagt Jäger. Zum Vergleich: Bei dem besten bislang getesteten Impfstoff waren es nur etwa 30 Prozent. ae