Die Zahlen sind ernüchternd: Rund 400 000 Menschen in Deutschland leben mit Parkinson, weltweit sind es 6,1 Millionen. Tendenz: steigend. Denn: „Parkinson ist eine Erkrankung des Alters“, sagen Experten. Und weil wir immer länger leben, wird es künftig auch immer mehr Parkinson-Diagnosen geben. Schätzungen zufolge bis 2040 dreimal so viele wie jetzt.
Betroffen sind übrigens auffallend oft ältere Landwirte, die einst ungeschützt mit Pestiziden gearbeitet haben. Pflanzenschutzmittel stehen im Verdacht, die Krankheit zu begünstigen.
Heilbar ist Parkinson nicht. Aber: Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser lassen sich die Symptome (Grafik) in den Griff bekommen – mit Medikamenten.
Doch was genau passiert bei Parkinson? Es sterben Zellen in der schwarzen Substanz des Gehirns ab. Zellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Die Ursache ist nicht bekannt. Vermutet wird aber, dass bestimmte Proteine ursächlich dafür sind – sie sind falsch gefaltet, verklumpen sich oder landen an der falschen Stelle. Vor allem aber stecken sie Hirnzelle um Hirnzelle an.
Wenn es also gelänge, diesen Mechanismus zu unterbinden, dann könnte man Parkinson verzögern – oder sogar stoppen. Und offenbar kommen die Forscher diesem Ziel langsam näher: „Zum ersten Mal sind Therapien in Reichweite, die an den Ursachen ansetzen – statt lediglich Symptome zu bekämpfen“, sagt Neurologe Prof. Günter Höglinger vom Klinikum rechts der Isar in München und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) bei einer Konferenz im Münchner Presseclub anlässlich des Welt-Parkinson-Tags am kommenden Donnerstag.
Ein vielversprechender Ansatz sind demnach „maßgeschneiderte Antikörper“. Sie sollen die Ausbreitung des Proteins „Alpha-Synuklein“ im Nervensystem verhindern. „Wenn das klappt, hätten wir damit eine Art Parkinson-Impfstoff zur Verfügung“, prophezeit Prof. Karla Eggert, Vize-Vorsitzende der DPG. Es wäre in der Tat ein Meilenstein. Zumal die typischen Parkinson-Symptome sich oft erst zeigen, wenn schon mehr als 50 Prozent der Zellen abgestorben sind.
In verschiedenen Studien sei bereits die Sicherheit und auch Verträglichkeit besagter Antikörper untersucht worden, sagt Expertin Eggert: „Wir hoffen, dass der Verlauf der Krankheit durch diese Intervention verlangsamt wird. Aber es wird noch mindestens zwei Jahre dauern, bis die letzten Patienten in diesen Studien behandelt wurden und wir erste Ergebnisse erwarten dürfen.“ Erst danach könnten Medikamente für die breite Masse zugelassen werden.
Bis dahin muss man also weiterhin die Symptome behandeln – bestmöglich. Patienten über 70 bekommen dann in der Regel einen Wirkstoff namens Levodopa verabreicht, kurz L-Dopa. Es wird im Gehirn zu Dopamin umgewandelt – jenem Botenstoff, der Parkinsonkranken fehlt. Zunächst lindern die Medikamente die Symptome in der Regel gut. Nach mehreren Jahren der Einnahme von L-Dopa kann es aber zu Wirkungsschwankungen kommen oder die Wirkung lässt nach. Dann muss die Therapie angepasst werden.
Arzneien sind bei Parkinson aber nicht alles. Physiotherapie fördert die Beweglichkeit und die Stabilität. Ergotherapie hilft, Alltägliches wie Anziehen, Körperpflege oder Essen besser zu meistern. Logopäden widmen sich Sprech- und Schluckbeschwerden. Sie bieten auch spezielle Trainings für die Stimme an, wie zum Beispiel das Programm LSVT-Loud (Lee-Silverman-Training).
Erkrankte sollten sich zudem möglichst täglich bewegen. Ideal ist Nordic Walking: „Da schwingen beide Arme mit“, erklärt Stephanie Heinze von der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung. Wassergymnastik, Radfahren, Tanzen und Tai-Chi sind ebenfalls wirksam. Selbst daheim können Menschen mit Parkinson einfache Übungen für Kraft, Feinmotorik oder Gleichgewicht machen.