GLÜCKSFITNESS – DAS SCHÖNSTE GEFÜHL IM BESTEN ALTER

Jeder ist seines Alterns Schmied

von Redaktion

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie lesen, dass heute der „Tag der älteren Generation“ begangen wird? Hatten Sie ihn schon, Ihren persönlichen „senior moment“? Den einen Augenblick, in dem Sie das erste Mal erschrocken dachten: „Herrje, ich werde alt!“ Falls ja: Glückwunsch!

Sie sind dann nämlich auf dem direkten Weg in den wahrscheinlich besten Abschnitt Ihres Lebens! Und den dürfen Sie aller Voraussicht nach auch noch länger als jede Generation vor Ihnen genießen. Haben Sie Ihr 60. Lebensjahr hinter sich, liegen im Durchschnitt immer noch deutlich mehr als 20 Jahre vor Ihnen.

„Na ja“, werden Sie jetzt vielleicht einwenden, „aber was für Jahre sind das!“ Sagte nicht schon die US-Schauspielerin Mae West, dass Altwerden nichts für Feiglinge sei? „Ewige Jugend, das wäre toll – aber dieses Altwerden mit seinen Zipperlein, und überall nichts als Abbau und Verfall. Das ist doch nicht schön!“ Dann habe ich gute Neuigkeiten für Sie: Ihr Bild vom Altern an sich ist in diesem Fall völlig überholt.

Noch vor 20 Jahren hätten Sie mit Ihren Bedenken Recht gehabt, heute nicht mehr. 70-Jährige, aber sogar 90-Jährige sind heute nämlich im Schnitt körperlich deutlich gesünder und geistig fitter als ihre Altersgenossen der vorigen Generation. Nie zuvor hatten wir die Chance, unser Leben über so lange Zeit hinweg kompetent und aktiv zu gestalten.

Und als wäre das nicht Grund genug zur Freude, konnten Langzeitstudien weltweit noch etwas anderes zeigen: Die durchschnittliche Glückskurve im Leben eines Menschen beschreibt ein U, keineswegs eine nach hinten abfallende Linie! Nach einer glücklichen Jugend sinkt sie in den stressigen Jahren zwischen 30 und 50 erst einmal ab, steigt aber dann bis zum 80. (!) Lebensjahr wieder kontinuierlich an. Negative Emotionen wie Zorn oder Angst werden immer weniger, positive Emotionen wie Zufriedenheit treten mehr in den Vordergrund. Der aber vielleicht wichtigste Schlüssel zu einem glücklichen und zufriedenen Älterwerden ist dabei allerdings Ihre eigene Einstellung dazu. Sehen Sie im Altwerden vor allem den Niedergang, den Abbau, den „Verlust von …“ (Jugend, Schönheit, Kontrolle)? Dann erzeugt für Sie jede zusätzliche Geburtstagskerze auf der Torte natürlich vor allem eher Angst, Sorge und Unzufriedenheit.

Das wiederum wirkt sich negativ auf Ihre allgemeine seelische Verfassung aus – es entsteht eine Abwärtsspirale an unguten Gefühlen. Die ist nicht nur schlecht für Ihren Geist und Ihre Psyche, sondern auch für den Körper, weil Sie sich vermutlich dann weniger gesundheitsbewusst und aktiv verhalten und sozial eher zurückziehen werden.

Ein Teufelskreis entsteht, in dem Selbstvertrauen und Motivation immer mehr abnehmen – und Ihr Leistungspotenzial dann tatsächlich irgendwann auch. Sie kennen sicher das Sprichwort: „Jeder ist seines Glückes Schmied“? Das gilt der Forschung zufolge auch im höheren Lebensalter: Je positiver Sie dem Älterwerden innerlich entgegentreten, desto wahrscheinlicher werden Sie nicht nur gut und gesund, sondern auch glücklich altern.

Befreien Sie sich also von den negativen Stereotypen, die übers Alter immer noch beharrlich kursieren – obwohl sie erwiesenermaßen längst nicht mehr zutreffen! Konzentrieren Sie sich stattdessen bewusst auf die guten Dinge, die das Älterwerden mit sich bringt: mehr Gelassenheit, Lebensweisheit, Zeit für die wichtigen Dinge.

Und halten Sie es statt mit Mae West lieber mit Pablo Picasso, der feststellte: „Man braucht sehr lange, um jung zu werden!“

VON FELICITAS HEYNE

Die renommierte Diplom-Psychologin und Buchautorin schreibt heute über den eigentlich besten Abschnitt unseres Lebens.

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